Umgang mit psychischen Belastungen auf dem PM-Camp 2012

Vorletzte Woche fand in Dornbirn das zweite Projektmanagement-Camp statt. Die Organisation der Veranstaltung folgte dem Prinzip des Barcamps. Und da dort jeder, der möchte, ein Thema zur Diskussion stellen darf, sprang ich mit dem Thema “Umgang mit psychischen Belastungen/Beanspruchungen” in die Bütt. Das Thema war etwas “off-topic” und so war ich über den guten Besuch meiner Session doch etwas erstaunt (und erfreut).

Was mich in der Diskussion dann doch etwas überrascht hat, war, dass psychische Belastung von den meisten (nicht von allen!) Teilnehmern eher als individuelles Problem gesehen wurde. Insofern läge es auch am Einzelnen, über Eigenverantwortung, entsprechenden Lebensstil etc. für ein Minimum an Stress zu sorgen.

Ich konnte mir gegen Ende der Session einen Hinweis zum Nachdenken nicht verkneifen:

Wenn Sie auf dem Bau oder auf Montage als Vorgesetzter einen Mitarbeiter sehen, der in schwindelerregender Höhe ungesichert arbeitet, lassen Sie ihn weiterarbeiten oder greifen Sie ein? Nur mal so…

Auf der Website openPM können Sie eine kurze Zusammenfassung der Session nachlesen. Guntram Bechtold hat seine Notizen, die er auf unnachahmliche Weise als Scribbles angefertigt hat, auf seinem Blog veröffentlicht. Danke dafür!

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BTW: Über das Format des Barcamps muss nicht mehr viel gesagt werden. Ich denke, über kurz oder lang werden alle Konferenzen in dieser interaktiven Form durchgeführt werden. Die Zeit ist einfach reif dafür. Wenn Sie nicht wissen, wie ein Barcamp funktioniert, dann schauen Sie sich das Video von Lightwerk an (via @Thomas_Michl):

Mitteilen/Lesezeichen

Der Unterschied zwischen Verhaltens- und Verhältnisprävention, mal anders ausgedrückt

Johannes Thönneßen gehört mit seinem MW-online-Blog zu den Autoren, die ich regelmäßig lese. Vor kurzen erschien von ihm ein Artikel zum Thema Burnout: Burn-out diagnostizieren?
Dort schreibt er:

Bei der erwähnten Umfrage unter Personalern ist herausgekommen, dass eine wirkungsvolle Maßnahme die betriebliche Gesundheitsförderung sein soll – sagen die Personaler. Damit soll psychischen Belastungen vorgebeugt werden. Gleichzeitig werden als Hauptbelastungsfaktoren der starke Erfolgsdruck, der Zeitdruck, die ständige Erreichbarkeit und die Arbeitsverdichtung genannt.

Hier stimmt doch etwas nicht, oder? Mal angenommen, ein Unternehmen stellt fest, die Mitarbeiter erkranken häufig und die Ursache ist die hohe Schadstoffbelastung an den Arbeitsplätzen. Würde man dann den Führungskräften beibringen, die Symptome einer Vergiftung zu erkennen und ein umfassendes Gesundheitsförderungsprogramm ins Leben rufen mit Waldläufen zum Ausgleich und einer Anlaufstelle außerhalb des Unternehmens für vergiftete Mitarbeiter, die sich anonym Hilfe holen können?

Mit Verlaub, Herr Thönneßen, Sie treffen den Nagel auf den Kopf, besser kann man das nicht ausdrücken. Ich weiß schon, warum ich Ihre Artikel immer wieder gerne lese!

MindTools: Eine Seite rund um den Stress

MindTools ist ein Unternehmen, das sich der Methodik in den Feldern Führung, Arbeitstechnik, Problemlösung, Kreativität u. ä. verschrieben hat. Auf der entsprechenden englischsprachigen Website finden Sie eine Fülle von Instrumenten und Methoden. Vollen Zugriff erhalten Sie zwar nur durch eine kostenpflichtige Mitgliedschaft, doch auch können Sie eine große Anzahl von Informationen nutzen.

Mind Tools hat auch eine eigene Website zum Thema Stress veröffentlicht: Stress Management Resources from Mind Tools. Auch hier gibt es wieder viel Nützliches in gewohnter Qualität, allerdings wendet sich das Angebot an Einzelpersonen, Informationen zur Verhältnisprävention sind eher dürftig.

MindToolsStress

Verhältnis- und Verhaltensprävention

Auf diesen entscheidenden Unterschied kann man gar nicht oft genug hinweisen: Den Unterschied zwischen Verhältnis- und Verhaltensprävention nämlich. Eine ausführliche Begriffsbestimmung liefert noch einmal Götz Kluge auf seinem Blog. Beide Vorsorgearten halte ich für wichtig, sie ergänzen einander. Und dennoch, folgt man der auch innerhalb der BGn propagierten Maßnahmenhierarchie, dann ist zunächst bei der Verhältnisprävention anzusetzen. Oder anders formuliert: “Man muss die Verhältnisprävention tun, ohne die Verhaltensprävention zu lassen.”

Verhältnisprävention

Zum Thema Verhaltensprävention finden Sie mittlerweile nicht nur im Internet eine Fülle von Tipps und Broschüren. Man könnte meinen, der Schutz vor psychischen Fehlbeanspruchungen am Arbeitsplatz sei die individuelle Aufgabe des Mitarbeiters. Dem ist nicht so: Verhältnisprävention ist Arbeitgebersache. Dass dies einige Unternehmen erkannt haben, zeigt ein Beitrag von Katja Bigalke im Deutschlandrundfunk:

Über ein Viertel der Bevölkerung erkrankt an einer psychischen Erkrankung. Am Arbeitsplatz gehört psychische Erkrankung mittlerweile zu den häufigsten Ursachen für Fehltage. Das Centrum für Disease Management zeigt Unternehmen auf, wie sie mit erkrankten Mitarbeitern umgehen können.

Sie können den Beitrag unter dem o.a. Link nachlesen und auch –hören.