Artikel-Schlagworte: „Verhältnisprävention“
Johannes Thönneßen gehört mit seinem MW-online-Blog zu den Autoren, die ich regelmäßig lese. Vor kurzen erschien von ihm ein Artikel zum Thema Burnout: Burn-out diagnostizieren?
Dort schreibt er:
Bei der erwähnten Umfrage unter Personalern ist herausgekommen, dass eine wirkungsvolle Maßnahme die betriebliche Gesundheitsförderung sein soll – sagen die Personaler. Damit soll psychischen Belastungen vorgebeugt werden. Gleichzeitig werden als Hauptbelastungsfaktoren der starke Erfolgsdruck, der Zeitdruck, die ständige Erreichbarkeit und die Arbeitsverdichtung genannt.
Hier stimmt doch etwas nicht, oder? Mal angenommen, ein Unternehmen stellt fest, die Mitarbeiter erkranken häufig und die Ursache ist die hohe Schadstoffbelastung an den Arbeitsplätzen. Würde man dann den Führungskräften beibringen, die Symptome einer Vergiftung zu erkennen und ein umfassendes Gesundheitsförderungsprogramm ins Leben rufen mit Waldläufen zum Ausgleich und einer Anlaufstelle außerhalb des Unternehmens für vergiftete Mitarbeiter, die sich anonym Hilfe holen können?
Mit Verlaub, Herr Thönneßen, Sie treffen den Nagel auf den Kopf, besser kann man das nicht ausdrücken. Ich weiß schon, warum ich Ihre Artikel immer wieder gerne lese!
MindTools ist ein Unternehmen, das sich der Methodik in den Feldern Führung, Arbeitstechnik, Problemlösung, Kreativität u. ä. verschrieben hat. Auf der entsprechenden englischsprachigen Website finden Sie eine Fülle von Instrumenten und Methoden. Vollen Zugriff erhalten Sie zwar nur durch eine kostenpflichtige Mitgliedschaft, doch auch können Sie eine große Anzahl von Informationen nutzen.
Mind Tools hat auch eine eigene Website zum Thema Stress veröffentlicht: Stress Management Resources from Mind Tools. Auch hier gibt es wieder viel Nützliches in gewohnter Qualität, allerdings wendet sich das Angebot an Einzelpersonen, Informationen zur Verhältnisprävention sind eher dürftig.
Auf diesen entscheidenden Unterschied kann man gar nicht oft genug hinweisen: Den Unterschied zwischen Verhältnis- und Verhaltensprävention nämlich. Eine ausführliche Begriffsbestimmung liefert noch einmal Götz Kluge auf seinem Blog. Beide Vorsorgearten halte ich für wichtig, sie ergänzen einander. Und dennoch, folgt man der auch innerhalb der BGn propagierten Maßnahmenhierarchie, dann ist zunächst bei der Verhältnisprävention anzusetzen. Oder anders formuliert: “Man muss die Verhältnisprävention tun, ohne die Verhaltensprävention zu lassen.”
Zum Thema Verhaltensprävention finden Sie mittlerweile nicht nur im Internet eine Fülle von Tipps und Broschüren. Man könnte meinen, der Schutz vor psychischen Fehlbeanspruchungen am Arbeitsplatz sei die individuelle Aufgabe des Mitarbeiters. Dem ist nicht so: Verhältnisprävention ist Arbeitgebersache. Dass dies einige Unternehmen erkannt haben, zeigt ein Beitrag von Katja Bigalke im Deutschlandrundfunk:
Über ein Viertel der Bevölkerung erkrankt an einer psychischen Erkrankung. Am Arbeitsplatz gehört psychische Erkrankung mittlerweile zu den häufigsten Ursachen für Fehltage. Das Centrum für Disease Management zeigt Unternehmen auf, wie sie mit erkrankten Mitarbeitern umgehen können.
Sie können den Beitrag unter dem o.a. Link nachlesen und auch –hören.





