Erkenntnisse zum Thema Multitasking

Eile mit Weile

lautet ein altbekanntes Sprichwort. An dieser Aussage scheint wohl was dran zu sein, denn Sie finden es in verschiedenen Abwandlungen in allen Kulturen der Welt.

Dennoch hält sich hartnäckig das Gerücht, man könne viele Dinge parallel, quasi gleichzeitig erledigen. “Multitasking” heißt das Zauberwort. Welchen Einfluss das simultane Arbeiten auf die Fehlerhäufigkeit hat, haben Forscher der BAuA in einer Studie untersucht. Die Ergebnisse finden Sie auf der Website der BAuA: Multitasking und Auswirkungen auf die Fehlerverarbeitung (pdf).

Untersucht wurden (Zitat):

  • ob multitaskingbedingte Reaktionsveränderungen durch Indikatoren der bioelektrischen Hirnaktivität zu objektivieren sind?
  • ob während der PC-Arbeit eine effiziente Fehlerdetektion und -verarbeitung gewährleistet werden kann, wenn zugleich Inhalte gesprochener Sprache zu verarbeiten sind?

Multitasking

Mitteilen/Lesezeichen

Studie: Multitasking und Arbeitsunterbrechungen in der Pflege

Vor einigen Monaten hatte ich in diesem Weblog auf die lesenswerte Broschüre von A. Baethge und T. Rigotti “Arbeitsunterbrechungen und Multitasking” hingewiesen: Das Märchen vom “Multitasking”. Von den gleichen Autoren stammt auch eine Tagebuchstudie, in der die “Auswirkung von Arbeitsunterbrechungen und Multitasking auf Leistungsfähigkeit und Gesundheit” untersucht wurden (Download der gleichnamigen Broschüre im pdf-Format).

Wenn Sie sich nicht durch den spröden wissenschaftlichen Text durcharbeiten, sondern gleich erfahren möchten, welche Tipps die Autoren zur Vermeidung von Fehlbelastungen durch Unterbrechungen geben, dann empfehle ich Ihnen die Handlungsanleitung  “Bitte nicht stören!“. Diese Schrift stammt ebenfalls von der BAuA und ist hier per Download als pdf-Datei erhältlich.

BAuA_Multitasking_Studie

BAuA_BitteNichtStören

 

 

Unternehmen tun sich mit der demographischen Entwicklung schwer

Mein Kollege Leopold Stieger weist auf seiner Website “Seniors4success-Blog” auf eine Untersuchung der Unternehmensberatung Towers Watson zur strategischen Bedeutung des demographischen Wandels hin. Einige Ergebnisse der Studie:

  • 33% der Unternehmen entwickeln konkrete demographiebezogene Maßnahmen und setzen diese auch um.
  • 42% befinden sich in der Analyse-und Prognosephase bzw. identifizieren Risiken
  • 25% sammeln erst Informationen.

Dieser Befund entspricht auch meiner subjektiven Wahrnehmung. Viele Unternehmer und Führungskräfte wollen (oder können) die Folgen der Überalterung unserer Gesellschaft nicht wahrhaben. Aber die Entwicklung ist nicht aufzuhalten. Allzu lange hat man nicht mehr die Zeit, proaktiv tätig zu werden. Dann geht es so wie dem Hasen mit dem Igel. Handeln Sie jetzt, stellen Sie mit einer soliden Altersstrukturanalyse evtl. Handlungbedarf fest und ergreifen Sie geeignete Maßnahmen, um auch Ihre älteren Mitarbeiter leistungsgerecht zu beschäftigen. Zu beiderseitigem Nutzen übrigens.

Wollen Sie befördert werden? Sind Sie sicher?

Ich habe einen guten Freund, der vor einigen Jahren eine Beförderung abgelehnt hat. Seine Begründung war so einfach wie einleuchtend. Seine persönliche Bilanz ergab, dass der Zuwachs an Gehalt und Status in keinem vernünftigen Verhältnis zum Mehr an Stress und Mehrarbeit stand. Klar, dass sein Arbeitgeber nicht begeistert war. Aber er hat die Sache durchgezogen und ich zolle ihm dafür meinen Respekt.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es sehr wichtig ist, sich darüber klar zu werden, was man möchte und was nicht. Es ist gut für das eigene Wohlbefinden, sich in gewissen Abständen eine Auszeit zu nehmen und zu hinterfragen, “ob man noch in der Spur ist”. Denn wenn Sie nicht selbst wissen, was gut für Sie ist, dann sagen Ihnen es andere. Und die folgen oft einer anderen Agenda.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt offensichtlich eine Studie australischer Wissenschaftler, die das Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) veröffentlicht hat. In der Zusammenfassung heißt es:

Thus, it seems the additional stress involved with promotions eventually outweighs the additional status, at least for the average worker.

Eine spannendes Forschungsthema finde ich. Den englischsprachigen Bericht über die Studie können Sie als pdf-Datei herunterladen.

IZA_6675

[via Prävention online]

Gesamteuropäische Meinungsumfrage zu Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit – 2012

Die EU-OSHA ließ in einer Studie rund 35000 Personen aus 36 Ländern befragen. Schwerpunkte der Untersuchung waren u. a.

  • Arbeitsbedingter Stress
  • Bedeutung von Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit

Die Ergebnisse zeigt diese Folienpräsentation:

Für mich besonders interessant waren naturgemäß die Folien 6 –11, die arbeitsbedingten Stress zum Thema haben.

Demnach glauben 49% der Befragten, dass das Stressniveau in den nächsten 5 Jahren stark zunehmen wird, immerhin 28% rechnen mit einer leichten Zunahme. Interessant ist, dass sich diese Ansicht von den Beteiligten unabhängig von Geschlecht, Alter oder Arbeitsstatus geteilt wird.

Die Länderbetrachtung ist ebenfalls bemerkenswert (Folie 10). Teilnehmer aus Griechenland beurteilen den Stress besonders pessimistisch. Deutschland folgt bereits auf Platz 4. Die wirtschaftliche Situation in den beiden Ländern ist höchst unterschiedlich. Stress durch Unterforderung im Süden, durch Überforderung im Norden? Es darf munter spekuliert werden.

Auch der Einfluss der Arbeitssicherheit auf einen späteren Eintritt in den Ruhestand wird beleuchtet (Folien 19-24). Demnach halten 87% der Befragten ein funktionierendes Gesundheitsmanagement für eine Grundvoraussetzung für eine längere Lebensarbeitszeit.

Es lohnt sich, in der Präsentation zu stöbern.

Die Führungskräfte können es mal wieder nicht!

Wenn Sie die vielen Artikel durchsehen, die über psychische Belastungen, Beanspruchungen, Burnout usw. erschienen sind, dann stoßen Sie sehr oft auf mangelhafte Führung als Quelle allen Übels. Dass in den Unternehmen eine Menge Chefs am Werken sind, die den Namen “Führungskraft” nicht verdienen, wissen wir alle und wird von Zeit zu Zeit in Studien bestätigt. Eine solche Studie hat dieser Tage die Unternehmensberatung Development Dimensions International (DDI) durchgeführt, wie die INQA in einer Nachricht vermeldet: Studie: Führungskräfte versagen im Umgang mit Mitarbeitern.

Der Titel sagt alles. “Habe ich doch gleich gedacht, genau wie bei mir”, denkt der Vorarbeiter mit  Blick auf den Meister, der Meister mit Blick auf den Bereichsleiter, der Bereichsleiter mit Blick auf den auf den Werkleiter usw. So ist es eben, in der Regel hat jeder Chef einen Chef obendrüber und klar, der ist in der Studie gemeint, ich natürlich nicht. Anders gefragt: Wann fängt denn Führung eigentlich an?

Ich persönlich mag dieses pauschalierende Führungskräftebashing nicht besonders. Es wird oft vergessen, dass das Bekleiden einer Führungsposition in den seltensten Fällen vergnügungssteuerpflichtig ist. Es gilt, die Leistungsvorgaben des Unternehmens zu erfüllen und gleichzeitig Vorgesetzten und Mitarbeitern gerecht zu werden. Ein Arbeitsleben zwischen Hammer und Amboss sozusagen. Dass dabei sich widersprechende Ziele ausbalanciert werden müssen, liegt in der Natur der Sache. Insofern ist es folgerichtig, dass gerade auch Führungskräfte oft unter Erschöpfungszuständen leiden (siehe hier).

In aller Deutlichkeit, ich bin nicht blauäugig, auch ich musste schon mal einen wirklich miesen Vorgesetzten aushalten. Ich weiß, wie das an den Nerven und am Leistungsvermögen zehrt. Aber bevor man hier den Stab über die Führungskräfte bricht, sollte man doch genauer hinschauen, wo der Hase im Pfeffer liegt. Die Instrumente hierfür finden Sie in der Werkzeugkiste der Organisationsentwicklung. Oder in der Toolbox der BAuA. Dort gibt es eine große Anzahl von Werkzeugen, mit denen Sie die Arbeitssituation in Ihrem Unternehmen analysieren können. Und dann werden Sie sehen, ob es wirklich an der schlechten Führung liegt oder vielleicht an anderen Fehlbelastungen.

Ach ja, noch eins. Wenn ich Schlankheitspillen verkaufe und veröffentliche eine Studie über das Körpergewicht, wie sieht wohl das Ergebnis aus?
Nähere Hinweise auf der Website von DDI.

Ich denke mir dabei nichts Schlimmes und ein Schelm bin ich schon gar nicht.

Alte Mitarbeiter halten ist günstiger als neue zu gewinnen

In grauer Vorzeit habe ich einmal die Mitarbeiter des After-Sales-Bereichs eines großen bayerischen Automobilunternehmens mit Sitz in München, dessen Name ich nicht nennen mag, trainiert.

 Zwinkerndes Smiley

Was wir damals immer wieder den Teilnehmern mit auf den Weg gegeben haben, war die alte Weisheit aus dem Vertriebsbereich, nach der es um ein Vielfaches schwerer ist, einen Neukunden zu gewinnen als einen bestehenden zu halten. Wenn man es richtig anstellt, wohlgemerkt. An diesen Merksatz musste ich mich beim Lesen eines Artikels auf der Website der INQA erinnern: Mittelstand: Mitarbeiterbindung wichtiger als Rekrutierung. Demnach steht die Mitarbeiterbindung auf Platz 1 der personalpolitischen Maßnahmen mittelständischer Unternehmen, die Rekrutierung erst auf Platz 5. Dies ist zumindest das Ergebnis einer Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young: Talent Management im Mittelstand (pdf-Datei).

Die Mittel, die bei der Rekrutierung eingesetzt werden, sind heute teilweise unkonventionell, die Zielgruppen nicht. So konzentrieren sich die meisten Unternehmen nach wie vor auf junge Talente, “nur 29 Prozent der Studienteilnehmer konzentrieren sich auf die Rekrutierung von Frauen, Migranten oder älteren Mitarbeitern, lediglich 20 Prozent sprechen gezielt potenzielle Kandidaten im Ausland an”.

Die Veränderung mentaler Modelle geht nur sehr langsam und zäh vor sich, das gilt auch für Personalverantwortliche. Man darf gespannt, wie lange es noch dauert, bis sich herumgesprochen hat, wo welche personellen Potenziale schlummern.

EY_Talente

Wann Arbeit krank macht

Das englischsprachige PsyBlog weist auf eine Metaanalyse von Nixon et. al. hin, die den Zusammenhang von physischen (!) Erkrankungen und Arbeitsbedingungen zum Gegenstand der Untersuchung hatte: 7 Ways Work Can Make You Physically Sick. Die Autoren werteten insgesamt 72 Studien aus und identifizierten 7 auffällige Zusammenhänge. Diese sind geordnet nach abnehmender Stärke des Zusammenhangs:

  1. Organisationale Zwänge: Müdigkeit und Probleme mit Magen und Darmtrakt
  2. Rollenkonflikte: Probleme mit Magen und Darmtrakt
  3. Zwischenmenschliche Konflikte: Schlafstörungen
  4. Arbeitsüberlastung: Erschöpfung
  5. Mehrdeutigkeit der Rolle: Erschöpfung
  6. Arbeitszeit: Augenüberlastung
  7. Kontrollverlust: Rückenschmerzen und Schlafprobleme

Vielleicht würden wir “Erschöpfung“ eher zu den psychischen als zu den physischen Problemen zählen. Sei’s drum. Wieder einmal ein Beweis mehr dafür, dass wir Menschen eine Einheit von Körper und Seele bilden.

Studieren und gesund bleiben

Auch wenn ich an gewissen deutschen Stammtischen mit dieser Aussage nicht die Lufthoheit besitze, ich sage es trotzdem: Studieren ist anstrengend.Heute noch mehr als früher, schon aufgrund des völlig verkorksten Bologna-Prozesses. Der Gesundheitsreport der TKK 2011 scheint dies zu bestätigen:

Die Auswertungen der Arzneiverordnungsdaten zeigen, dass die gesundheitlichen Belastungen unter den Hochschülern seit der letzten TK-Studie von 2008 weiter zugenommen haben.

Dieselbe Krankenkasse hat auch Forschungsergebnisse einer Studie zur Gesundheit von Studierenden veröffentlicht: Gesund studieren. Unter anderem wurde besonderes Augenmerk auf die mentale Gesundheit der Betroffenen gelegt.

tkk_Studiernde

Die Kraftfeldanalyse zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement

Auf die Theorien von Kurt Lewin geht die Kraftfeldanalyse zurück. Wir lesen in der Wikipedia:

Sie betrachtet Kräfte, die entweder auf ein Ziel hin treibend (helfende Kräfte) oder blockierend wirken (hindernde Kräfte) und so die Situation als den Gleichgewichtszustand erzeugen.

Eine solche Kraftfeldanalyse haben die Autoren Bechmann, Bechle, Lück und Herdegen in Ihrem Beitrag “Motive und Hemmnisse für Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM)” durchgeführt. Rund 500 kleinere und mittlere Betriebe wurden befragt, was sie vom BGM abhält, beziehungsweise was sie dazu veranlassen könnte, die Gesundheit der Belegschaft aktiv zu fördern. Die Studie halte ich für sehr nützlich, man muss allerdings die richtigen Schlüsse aus den Zahlen, Daten, Fakten ziehen. Es gilt, die fördernden Faktoren zu stärken und die hemmenden Einflüssen abzuschwächen oder sogar zu eliminieren. 

Sie können den Beitrag als pdf-Datei auf der Website der Initiative Gesundheit und Arbeit herunterladen.

Kraftfeld_BGM