Sicherheit im privaten Haushalt: Das sichere Haus

Wider Erwarten ist es gar nicht so einfach, verlässliche Daten zum Unfallgeschehen in Deutschland zu bekommen. Ein erster Startpunkt ist eine entsprechende Seite der BAuA: Unfalltote und Unfallverletzte 2013 in Deutschland. Erschreckend ist die hohe Zahl der Unfälle, die im Bereich „Heim und Freizeit“ geschehen. Dass dazu lediglich Schätzungen abgegeben werden können, ist mir ehrlich gesagt unverständlich.

Wie auch immer, der Verhütung von Unfällen in privaten Haushalten ist eine eigene Website des Deutschen Kuratoriums für Sicherheit in Heim und Freizeit e.V. (DSH) gewidmet: Das sichere Haus.
Unter den Rubriken:

  • Kinder
  • Haushalt
  • Freizeit
  • Heimwerken
  • Senioren
  • Pflegende Angehörige

finden Sie umfangreicht Informationen zur erfolgreichen Prävention im privaten Bereich. Es besteht auch die Möglichkeit, entsprechende Broschüren kostenlos zu beziehen.

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Rollator – Training für Senioren?

In dem Viertel von Ravensburg, in dem ich lebe, bestimmen besonders Senioren das Stadtbild. Das liegt nicht zuletzt an den zwei großen Altenheimen, die es dort gibt. Und so kommt es, dass man vor Wohnhäusern und vor dem zentralen Cafés oft Rollatoren sehen kann, die ordentlich in Reih und Glied geparkt werden.

Nun gibt es keinen Zweifel, dass diese Gehhilfen wichtig für die Mobilität der alten Leute sind. Andererseits scheint der Umgang mit den Gehwägen, wie sie auch heißen, für die betagten Menschen nicht so einfach zu sein, wie wir Jüngeren uns das vielleicht vorstellen.

Ein Rollator dient nicht nur als Gehhilfe, sondern auch als mobile Sitzgelegenheit oder als Einkaufswagen. Dass dabei allerhand passieren kann, liegt auf der Hand. Um die Sicherheit zu erhöhen, werden mittlerweile Trainings in der Bedienung von Rollatoren angeboten, wie Michael Kammler berichtet. In seinem Beitrag „Rollator-Training garantiert mehr Sicherheit für Senioren“ beschreibt er, was die Inhalte eines solchen Trainings sein können. Es geht sowohl um Technik (Bereifung!) als auch die Verwendung des Geräts in öffentlichen Verkehrsmitteln oder um den Gebrauch bei besonderen Witterungsverhältnissen.

Ich halte dieses Training für eine sinnvolle Sache, denn ein Sturz kann für alte Menschen fatale Folgen haben.

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„Modern Rollator“ von Hansimglueck70 – Officiële Topro site Benelux.
Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons

 

 

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Gesundheitsvorsorge im Betrieb

Ende Mai berichtete der online-Dienst der Haufe-Verlagsgruppe über eine Studie von EuPD Research zum betrieblichen Gesundheitsmanagement: Betriebe planen mehr Investitionen in die Gesundheitsvorsorge. Im letzten Absatz des Beitrags werden einige Ergebnisse der Studie genannt, bei denen ich mir ein paar Fragen bzw. Kommentare nicht verkneifen kann.

Da heißt es:

Drei Viertel der befragten Betrieben hätten bereits ein betriebliches Gesundheitsmanagement eingeführt. Und…

Strukturell aufgehängt wird dieses Thema im überwiegenden Teil der Unternehmen in der Personalabteilung. Neun von zehn Unternehmen mit Gesundheitsmanagement haben auch einen eigenen Gesundheitsmanager fest eingestellt und einen Arbeitskreis etabliert.

Warum ist dieses Thema eigentlich nicht bei der Arbeitssicherheit “aufgehängt”? Haben sich die Sicherheitsfachkräfte da “abhängen” lassen, freiwillig oder unfreiwillig? Wäre in Deutschland nicht der Arbeitssicherheitsausschuss das geeignete Gremium für das Gesundheitsmanagement? Muss man da unbedingt weitere Parallelstrukturen implementieren? Warum greift man nicht auf das zurück, was ohnehin schon da ist?

Dann steht da noch:

Ein aussagefähiges Controlling steht hier an letzter Stelle mit nur 1,9 Prozent der Antworten.

Ein aussagefähiges Controlling ist nur dann gegeben, wenn Veränderungen messbar gemacht werden können. Veränderungen sind der Unterschied zwischen einem Ausgangs- und einem Endzustand. Wenn ich den Ausgangszustand nicht kenne, dann kann ich keine Veränderung messen. Den Ausgangszustand erfasst man, Sie ahnen es, mit einer vollständigen Gefährdungsbeurteilung. Womit wir wieder bei der Arbeitssicherheit wären. Nur durch die systematische Analyse können Sie vermeiden, Geld für ein “Gesundheitsmanagement” mit der Gießkanne zu verbrennen. Nur so stellen Sie sicher, dass Investitionen auch wirklich diesen Namen verdienen.

Wie werden die Mitarbeiter am besten zum Mitmachen motiviert? Auch hier hat die Studie eine Antwort:

Hier zeigt sich als effizienteste Methode die persönliche Ansprache und mitarbeiterzentrierte Beratungsangebote. Führungskräfte sollten am besten über Schulungen und Seminare sowie über die Darstellung der Ergebnisse aus Gesundheitsbefragungen in den jeweiligen Abteilungen abgeholt werden.

Als ob es keine Maßnahmenhierarchie gäbe. Es ist zur Gewohnheit geworden, das Feld von hinten statt von vorne aufzurollen. Nichts für ungut, aber an der Regel “Verhältnisprävention vor Verhaltensprävention” hat sich meines Wissens nichts geändert. Oder sollte ich nicht mehr auf dem laufenden sein?

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Verhältnis- statt Verhaltensprävention

Kurz vor dem Jahreswechsel erreichte uns die Meldung über eine bemerkenswerte Betriebsvereinbarung: Bei VW haben Blackberrys Feierabend. Diese besagt, dass 30 Minuten nach Feierabend keine E-Mails mehr an Mitarbeiter versendet werden, für die ein Tarifvertrag gilt. Die Vereinbarung soll helfen, die psychische Belastung (hier: Stress) der betroffenen Mitarbeiter zu reduzieren.

Was ich bemerkenswert finde: Hier setzt die Maßnahme tatsächlich an den Verhältnissen an. Zu Feierabend gibt es keine E-Mails mehr, Punkt. Das ist sicher nützlicher (und auch billiger?), als Heerscharen von Mitarbeitern im Umgang mit E-Mails auf den Blackberry zu schulen. Letzteres wäre eben auch Verhaltensprävention. Und die kommt erst ganz hinten in der Maßnahmenhierarchie, was die Fachkräfte zwar wissen, aber viele Führungskräfte in den Unternehmen nicht glauben. Oder nicht glauben wollen.

Allerdings scheint die Beanspruchung durch E-Mails unterschiedlich zu sein. Offenbar sind Mitarbeiter, für die ein Tarifvertrag nicht gilt, besser in der Lage, mit der Belastung durch Nach-Feierabend-E-Mails umzugehen. Oder warum sonst werden sie bei der Betriebsvereinbarung ausgenommen? Ich muss ja nicht alles verstehen…

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Zwei Artikel zum Begriff “Burnout”

In der online-Ausgabe sind dieser Tage zwei Artikel erschienen, die die Definition von “Burnout” thematisieren:

In Harro Albrechts Beitrag “Erschöpfungsdepression – Burnout” erfahren wir, dass Fachleute gerade an einer Begriffsabgrenzung von Burnout und Depression arbeiten. Darüber freue ich mich, denn allzu oft werden Dinge durcheinander geworfen, die nur am Rande etwas miteinander zu tun haben. Dennoch: Wie immer die Diskussion zur Definition der Begriffe ausfallen mag, es ändert nichts an der Tatsache, dass Arbeitsplätze auf psychische Belastungen untersucht werden müssen. Sollten hierbei Fehlbelastungen erkannt werden, dann muss gehandelt werden. Das sind verantwortungsvolle Unternehmen ihren Mitarbeitern schuldig.

Der Verhaltenstherapeut Nico Niedermeier (Interview) hat natürlich das Individuum im Fokus, wenn er über das Phänomen Burnout spricht. Das ist auch nicht verwunderlich, denn er ist Therapeut und nicht Arbeitswissenschaftler, Arbeitsmediziner oder Fachkraft für Arbeitssicherheit. Letztere betrachten es als ihre Aufgabe, psychischen Fehlbelastungen vorzubeugen. Auch hier ist eine fachgerecht durchgeführte Gefährdungsbeurteilung als Ausgangspunkt für eine wirkungsvolle Prävention unerlässlich. Dann kann zumindest weitgehend ausgeschlossen werden, dass der Arbeitsplatz die Ursache des Übels ist. Das ist doch auch schon mal was, oder?

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Burnout, Prävention und das Recht

Den Fall des prominenten Fußballtrainers Ralf Rangnick nimmt die Financial Times Deutschland zum Anlass, sich näher mit dem Thema Burnout auseinanderzusetzen: Das ist Burnout. Wie üblich wird die Eigenverantwortung der Arbeitnehmer beschworen (Familie, Sport und Nein sagen), von einer Beurteilung psychischer Gefährdungsfaktoren ist kaum bis gar nicht die Rede. Der letzte Absatz scheint mir besonders interessant:

Nach Ansicht von Experten werden Gesundheitsprobleme und Burnout-Fälle künftig auch verstärkt die Arbeitsgerichte beschäftigen. Die Veränderungen der Arbeitswelt stellen neue Anforderungen an das Arbeitsrecht, so Achim Schunder, Chefredakteur der "Neuen Zeitschrift für Arbeitsrecht".
Die bestehenden gesetzlichen Vorgaben seien teilweise noch zu vage oder nicht mehr zeitgemäß. "Wünschenswert wären klare und verlässliche Kriterien."

Da staunt der Fachmann und wundert sich der Laie. Ich habe einmal gelernt, dass etwa die Beurteilung psychischer Belastungen Bestandteil der Gefährdungsbeurteilung ist. Diese obliegt wiederum dem Arbeitgeber. Was muss also noch geklärt werden? Allerdings tun sich viele Unternehmen mit der Beurteilung psychischer Belastungen immer noch sehr schwer. Ich glaube hierbei nicht an böse Absicht, oft fehlt einfach die nötige Kenntnis, wie man eine solche Beurteilung durchführt und wie die Ergebnisse für eine Verbesserung der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz verwendet werden können.

Handlungsbedarf ist dringend gegeben und wer weiß, vielleicht bewegt sich ja auch etwas. In dem Artikel steht auch zu lesen:

Gleichzeitig haben sie [die Unternehmen] erkannt, dass gerade Berufseinsteiger sich vor allem für Arbeitgeber interessieren, die eine ausgewogene Work-Life-Balance bieten. Sie schließen es inzwischen aus, einen Burnout der Karriere wegen zu riskieren.

Vielleicht regelt es diesmal ja wirklich der Markt, der Arbeitsmarkt, um genau zu sein.

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Noch eine Toolbox zum Umgang mit Stress und Burnout: Diesmal von der BKK

Die zunehmende Zahl der Fälle psychischer Erkrankungen machen den Krankenkassen immer mehr zu schaffen. Kein Wunder, dass sie daher die Prävention bei Burnout und Stress  am Arbeitsplatz ins Visier nehmen. Der Landesverband Bayern der Betriebskrankenkassen hat dazu eine Toolbox entwickelt, die bei der Auswahl und Durchführung von Präventionsmaßnahmen helfen soll. Getestet wurde sie bei BMW und Siemens und hat dort offensichtlich ihre Feuertaufe bestanden. Die Toolbox befindet sich auf einer CD-ROM, die Sie für € 39 erwerben können. Die Toolbox besteht aus einem Praxishandbuch und weitergehenden Informationen zu den Bereichen Hintergrundwissen, Tools und Praxisbeispielen (Informationsblatt).

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Verhältnis- und Verhaltensprävention

Auf diesen entscheidenden Unterschied kann man gar nicht oft genug hinweisen: Den Unterschied zwischen Verhältnis– und Verhaltensprävention nämlich. Eine ausführliche Begriffsbestimmung liefert noch einmal Götz Kluge auf seinem Blog. Beide Vorsorgearten halte ich für wichtig, sie ergänzen einander. Und dennoch, folgt man der auch innerhalb der BGn propagierten Maßnahmenhierarchie, dann ist zunächst bei der Verhältnisprävention anzusetzen. Oder anders formuliert: “Man muss die Verhältnisprävention tun, ohne die Verhaltensprävention zu lassen.”

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