Buchempfehlungen von der BAuA

Das Institut für Soziologie an der TU Chemnitz hat sich eingehend mit dem Thema “Zeit- und Leistungsdruck” beschäftigt und die Ergebnisse der Studien in einem Buch unter ebendiesem Titel veröffentlicht. Sie finden eine ausführliche Beschreibung des Inhalts auf der Website der BAuA. Dort werden Sie auch auf eine Seite verwiesen, wo Sie den Inhalt online einsehen können. Über eine ähnliche Thematik berichten Forscher vom Institut für sozialwissenschaftlichen Forschung in München: “Zeit- und Leistungsdruck bei Wissens- und Interaktionsarbeit” (Hinweis BAuA). Die online-Version finden Sie hier.

Leichte Kost ist das alles nicht. Wissenschaft soll ja auch nicht von allen verstanden werden. 😉

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Spielen mit Demenz

Sie kennen sicher alle dieses berühmte Memo-Spiel. Es besteht aus einer Menge Karten mit Bildern, wobei immer zwei Karten identisch sind und somit ein Paar bilden. Die Karten werden gemischt und dann verdeckt auf den Tisch gelegt. Abwechselnd können die Spieler nun immer zwei Karten aufdecken mit dem Ziel, zwei gleiche Karten zu finden. Wer zum Schluss die meisten Paare entdeckt hat, hat das Spiel gewonnen. Als sie noch klein waren, haben wir dieses Spiel oft mit unseren Kindern gespielt. Teilweise mit frustrierendem Ergebnis für uns, denn die Kinder haben uns teilweise wirklich alt aussehen lassen.

Alt aussehen und alt sein, sind zwei verschiedene Paar Stiefel. Leider bekommen viele Menschen im hohen Alter enorme Schwierigkeiten mit ihrem Gedächtnis bis hin zur Demenz. Warum nicht die positiven Effekte des o.a. Memo-Spiels auf das Gedächtnis für diese Zielgruppe nutzen? Der SingLiesel-Verlag hat genau das getan und ein “Memo-Spiel für die „Feuerzangenbowle“- Generation” herausgebracht: Stars der 50er und 60er Jahre. Als Sohn eines Betroffenen haben wir das Spiel über die Weihnachtstage getestet und für gut befunden. Die Kartenpaare bestehen aus den Fotos berühmter Filmstars der 50er und 60er Jahre, auf der einen Karte ist der Vorname des Stars, auf der anderen der Nachname zu finden. Wichtig ist, dass man sich nicht so sehr auf das Spielen selbst konzentriert, sondern im Dialog und durch viele Fragen das Gedächtnis des alten Menschen anregt. Manchmal gelingt es sogar, ganze Geschichten über Erlebnisse, die mit dem Star oder einem Film zusammenhängen, hervorzulocken (“Damals habe ich zum ersten Mal Popcorn gehabt”). Allerdings hätten wir uns gewünscht, dass man sich auf deutsche Filmstars beschränkt hätte. Die Erinnerung an amerikanische Leinwandhelden fiel doch zu schwer. Vielleicht gibt es auch einmal eine Variante mit Sportskanonen, wie Max Schmeling, Fritz Walter usw.

Alles in allem ein schöner Zeitvertreib, der allen Beteiligten gut tut. Die einen erinnern sich, die anderen erfahren den einen oder anderen Schwank aus dem Leben des Hochbetagten. Kurzweilig ist es allemal.

Cover_Nostalgie-Memo_Stars

BTW: Wenn Sie demente Angehörige haben, dann werfen Sie doch ein näheren Blick auf die Website von SingLiesel. Aus der Beschreibung der Initiative:

Der SingLiesel-Verlag wurde als Initiative betroffener Angehöriger gegründet. Ziel ist es, Bücher und Produkte für Menschen mit Demenz zu schaffen, die vor allem Freude bereiten und Angehörige und Pflegekräfte im Alltag entlasten.

Es lohnt sich, im Verlagsprogramm zu stöbern. Sie finden dort Bücher, Angebote aus Musik und Film und diverse Spiele.

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Der Impulstest in überarbeiteter Form

Mittlerweile bin ich gut im neuen Jahr angekommen und wohlbehalten aus dem Urlaub an den Schreibtisch zurückgekehrt.

In der Zwischenzeit habe ich das Buch „Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung„, herausgegeben von der BAuA, gelesen.
Ich will nicht verhehlen, dass für mich der Anhang mit den weiterführenden Informationen interessanter war als der eigentliche Text.

Allerdings hat der Beitrag „Porträts exemplarisch ausgewählte Analyseinstrumente und -verfahren“ auch zu meiner Verwirrung beigetragen und zwar was den Impulstest angeht. Der Test bestand bislang aus 26 Fragen, die in zwei Durchgängen beantwortet werden sollten. Einmal für die reale Situation und dann für die Wunschsituation. Die Unterschiede zwischen Real- und Wunschsituation wurde danach zur Identifikation von Verbessereungsmöglichkeiten herangezogen. Diese Vorgehensweise fand ich immer schon etwas kompliziert für die Praxis.

Laut Fachbuch ist nach einer Überarbeitung des Impulstests („IMPULS-test|2„) die Wunschvariante entfallen, was sicher zu einer Vereinfachung beiträgt. Auch erfolgt die Auswertung mittlerweise IT-gestützt. Die Ergebnisdiagramme sind einfach zu lesen, die Resultate folgen der Ampeldarstellung und lassen schnelle Rückschlüsse auf den Handlungbedarf zu.

Bislang war der Zugang zum Impulstest kostenfrei für jedermann möglich. Ob das auch bei der überarbeiteten Fassung der Fall ist, konnte ich nicht ersehen. Es wird im Buch auf die einschlägige Website verwiesen. Aber auch diese hat mich nicht wirklich schlauer gemacht, was Zugang, Kosten etc. angeht.

Mein Fazit: Ich empfehle für meine Kunden derzeit den „alten“ Impulstest. Auf die „Wunschvariante“ kann man notfalls verzichten. Oder Sie verwenden gleich die ChEF-Fragebögen. Mit letzterem habe ich nämlich ausnahmslos gute Erfahrungen gemacht.

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Fachbuch “Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung” erschienen

Vor einige Tagen erschien das lang ersehnte Fachbuch der BAuAersehnte Fachbuch der BAuA zur “Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung – Erfahrungen und Empfehlungen. Wie ich es mir gedacht hatte, sind die Erfahrungen noch etwas spärlich ausgefallen. Schließlich ist für die meisten Unternehmen die Gefährdungsbeurteilung betr. Psychischer Belastungen noch “Neuland”, um eine Wort unserer Kanzlerin zu verwenden. Hoffen wir, dass in den nächsten Auflagen einige zusätzliche Erfahrungsberichte das Buch dicker werden lassen.

Wenn Ihnen die Lektüre eines kompletten Buchs zu aufwändig erscheint, dann ist der IAG Report 2013 vielleicht das Richtige für Sie. Auf insgesamt 46 Seiten erhalten Sie wertvolle Tipps zum Einstieg in die Thematik (Download pdf-Datei).

Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung

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Ein Hoch auf die Arbeitswut

Auf Spiegel online erschien dieser Tage ein Artikel über Manager, für die Stress Labsal und Work-Life-Balance ein Fremdwort ist: Die Besessenen – glücklich im Stress. Im Anreisstext heißt es:

Alle reden vom Burnout. Diese Berserker nicht. Top-Manager wie Martin Sorrell kennen weder Feierabend noch Ferien, sie ackern ohne Ende und pfeifen auf „Work-Life-Balance“. Eine Expedition ins Reich der Extremarbeiter offenbart: Sie sind oft glücklich im Stress und kerngesund.

Und dann folgt das Hohelied auf diese Schwerarbeiter, der Autorin fließt die Bewunderung förmlich aus der Feder. Und der Bestsellerautor Reinhard Sprenger nennt sie “happy Workaholics”. Seiner Meinung nach sind sie

Menschen, die ein Stück Getriebenheit haben, die auch Biss haben, die in die erste Reihe wollen, die fast erotisch [sic!] angezogen werden von dem, was sie tun. Sie wissen, dass ein Preis zu zahlen ist, und sie zahlen ihn gern.

Das mag ja alles sein. Problematisch wird es dann, wenn ich als begnadeter Sprinter, der 100 m in 10 Sekunden läuft, von meinen Mitarbeitern das Gleiche verlange. Andere Menschen haben andere Ziele, setzen andere Prioritäten. Ich meine, das sollte man respektieren.
Fairerweise muss man sagen, dass die Autorin im letzten Abschnitt ihres Artikels auf die Voraussetzungen für derartigen “Spaß” eingeht. Man braucht nämlich Gestaltungsmacht und genau diese fehlt den mittleren Managern. So einfach ist das manchmal. Da staunt der Fachmann, der Laie wundert sich.

Ich finde, dem Beitrag hätte mehr kritisches Hinterfragen und weniger Anhimmeln gut getan. So ist er eben nur ein „Fanartikel“. Schade.

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Interview mit Patrick Kury: “Es gibt eben weniger Staublunge, dafür mehr Depressionen”

Obwohl die Begriffe “Stress” und “Burnout” einige Jahre auf dem Buckel haben, gab es bislang noch keine kulturhistorische Abhandlung über die Entstehung dieser Begriffe. Diese Lücke schließt der Schweizer Kulturhistoriker Patrick Kury mit seinem Buch “Der überforderte Mensch”.

Matthias Becker hat ein Inteview mit dem Autoren geführt: „Burnout ist die Krankheit der Digitalisierung„.

Krankheiten sind immer auch ein Konstrukt, wie mir die Lektüre von Ludwik Flecks Klassiker klar gemacht hat. Jedes Zeitalter hat ihre spezifischen Krankheitsbilder, die mit dem technischen Fortschritt korrespondieren. Mit dem Ausdruck “Konstrukte” sollen die Folgen dieser Erkrankungen nicht verharmlost werden, ganz im Gegenteil. So meint auch Kury:

Es wäre ganz falsch, die Zivilisationskrankheiten abzutun als „bloß eingebildet“ oder „rein diskursive“ Angelegenheiten. Die Leute leiden! Aber die Leute litten eben auch unter den Belastungskrankheiten, die im Laufe des 20. Jahrhunderts auftraten und Namen trugen wie „vegetative Dystonie“ oder „Managerkrankheit“.

Das Interview fügt dem Diskurs um psychische Belastungen und Beanspruchungen einige interessante neue Aspekte aus anderer Perspektive hinzu. Das Buch von Kury steht schon auf meinem Wunschzettel. Und: An meiner Einstellung zu Analyse und Reduzierung psychischer Belastungen wird es nichts ändern. Warum auch.

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Zur Geschichte des Burnouts

Götz Kluge weist in seinem Blog auf eine interessante Sendung auf SWR2 hin: Burnout, Stress und Nervenkrisen – Erschöpfungszustände aus historischer Perspektive. In einem Interview geht Professor Wolfgang U. Eckart, Medizinhistoriker an der Universität Heidelberg, auf die Frage ein, inwiefern es auch in früheren Zeiten das Phänomen Ausgebrannt sein gegeben hat. Zu der Sendung gibt es auch ein Manuskript (pdf) und einen mp3-Download zum Nachhören.

BTW: Zu der Frage, inwieweit Krankheiten und Krankheitsbilder gesellschaftliche Konstrukte sind, kann ich ein Buch von Ludwik Fleck empfehlen. Es hat mich seinerzeit tief beeindruckt und beeinflusst. Wir dürfen nicht vergessen, Krankheiten werden definiert und bis jetzt gibt es noch keine offizielle Definition von “Burnout”. Daran ändert auch der geradezu inflationäre Gebrauch dieses Ausdrucks im öffentlichen Sprachgebrauch nichts.

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Schriften zum Thema “Führung und psychische Gesundheit”

Für einen Workshop recherchiere ich gerade im Internet zum Thema “Führung und psychische Gesundheit”. Natürlich will ich meinen Leserinnen und Lesern die Ausbeute nicht vorenthalten. Hier die Liste der Schriften, auf die ich bisher gestoßen bin:

Die Liste ist schon relativ lang, aber sicher nicht vollständig und wird von mir von Zeit zu Zeit ergänzt. Außerdem werde ich die eine oder andere Publikation in diesem Blog näher vorstellen. Wenn Sie eine andere Quelle zum Thema kennen, hinterlassen Sie doch bitte einen Kommentar. Ich bin für Hinweise stets dankbar.

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Wie Sie auch im reifen Alter eine Stelle finden

Was den Umgang mit dem demographischen Wandel angeht, bin ich hin und her gerissen. Auf der einen Seite werden öffentliche Institutionen wie INQA, Ministerien und Verbände nicht müde, die Wichtigkeit dieses Themas zu betonen. Auf der anderen Seite erlebe ich in der Praxis, dass viele Unternehmen – positiv ausgedrückt – die Brisanz noch nicht erkannt haben oder – negativ ausgedrückt – sogar ignorieren.

Und so kommt es, dass zwar in der Presse die Vorzüge älterer Arbeitnehmer gepriesen werden, arbeitslose Menschen über 50 aber dennoch Schwierigkeiten haben, wieder in Lohn und Brot zu kommen. Uta Glaubitz ist Berufsberaterin und hat einen Artikel verfasst, der älteren Mitarbeitern auf der Suche nach einem Arbeitsplatz Mut machen soll: Ich stecke 30-Jährige in die Tasche. Den acht Tipps, die sie in ihrem Beitrag Betroffenen gibt, merkt man an, woher sie kommen. Die Handschrift von Dick Bolles, dem Guru der Arbeitsplatzsuche, ist unverkennbar. Seinen Klassiker kann ich uneingeschränkt empfehlen: What Color Is Your Parachute?

Die deutsche Ausgabe, nicht ganz so aktuell, dafür aber von Madeleine Leitner hervorragend den deutschen Besonderheiten angepasst, lege ich Ihnen wärmstens ans Herz: Durchstarten zum Traumjob.

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Die Selbstständigkeit als Rettungsanker?

Von Holm Friebe und Sascha Lobo stammt ein Buch, dass vor einigen Monaten viel Furore machte. Es trug den Titel “Wir nennen es Arbeit” und beschrieb das Leben der  “Digitalen Bohème” als Arbeitsweise der Zukunft. Ich habe damals das Buch mit großem Genuss gelesen. Obwohl ich einer älteren Generation angehöre, konnte ich mich durchaus in meiner Arbeitsweise als Freiberufler wiedererkennen. Dennoch hatte ich mitunter den Eindruck, dass diese “schöne neue Welt” von den Autoren in allzu rosigen Farben gemalt wird. Denn egal, wie man es dreht: Wir müssen Geld verdienen, um leben zu können, nur mit Selbstbestimmung und freier Einteilung der Arbeitszeit allein wird man nicht über die Runden kommen. Offensichtlich sieht dies Alexander Hagelüken ähnlich. In seinem Artikel “Raus aus den Zwängen, rein in die Selbständigkeit” nimmt er zwar eine durchaus positive Position zur selbstständigen Arbeit ein, verschweigt aber auch deren Schattenseiten nicht. So zitiert Hagelüken den Autor Peter Plöger:

Bei Friebe/Lobo kommt die Lage zu positiv rüber. Viele der Selbständigen fühlen sich von den Arbeitgebern verarscht und von den Politikern alleingelassen. Es gibt kein gutes und gerechtes Einkommen für alle.

Das sehe ich auch so. Eine sorgfältige Analyse der Marktsituation und eine Schärfung des eigenen Tätigkeits- und Eignungsprofils sollte am Anfang des Schritts in die Freiberuflichkeit stehen. Sicher kann man nicht alles vorausplanen, aber vieles. Das Prinzip Hoffnung ist wichtig, aber für die Selbstständigkeit zu wenig.

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