Wollen Sie befördert werden? Sind Sie sicher?

Ich habe einen guten Freund, der vor einigen Jahren eine Beförderung abgelehnt hat. Seine Begründung war so einfach wie einleuchtend. Seine persönliche Bilanz ergab, dass der Zuwachs an Gehalt und Status in keinem vernünftigen Verhältnis zum Mehr an Stress und Mehrarbeit stand. Klar, dass sein Arbeitgeber nicht begeistert war. Aber er hat die Sache durchgezogen und ich zolle ihm dafür meinen Respekt.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es sehr wichtig ist, sich darüber klar zu werden, was man möchte und was nicht. Es ist gut für das eigene Wohlbefinden, sich in gewissen Abständen eine Auszeit zu nehmen und zu hinterfragen, “ob man noch in der Spur ist”. Denn wenn Sie nicht selbst wissen, was gut für Sie ist, dann sagen Ihnen es andere. Und die folgen oft einer anderen Agenda.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt offensichtlich eine Studie australischer Wissenschaftler, die das Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) veröffentlicht hat. In der Zusammenfassung heißt es:

Thus, it seems the additional stress involved with promotions eventually outweighs the additional status, at least for the average worker.

Eine spannendes Forschungsthema finde ich. Den englischsprachigen Bericht über die Studie können Sie als pdf-Datei herunterladen.

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[via Prävention online]

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Ist Karriere alles?

Klaus Werle beschreibt in einem Artikel auf Spiegel online Menschen, die ganz bewusst auf die Karriere verzichten: Karriere? Ohne mich! Neu ist dieses Phänomen nicht. Schon seit Jahren wird dieses Verhalten als “Downshifting” bezeichnet. Nicht immer wird diese Entscheidung zu Anfang des Berufswegs getroffen. Oft nehmen die Betroffenen den nächsten angebotenen Karriereschritt zum Anlass, auf den zusätzlichen Stern auf der Schulterklappe zu verzichten. Klar, dass dies zu Verstimmungen auf der Arbeitgeberseite führen kann, wie Focus-online-Autorin Melanie Rübartsch ausführt. In ihrem Beitrag “Karriereknick auf eigenen Wunsch” gibt sie Hinweise, wie das Downshifting ohne Blessuren funktionieren kann.

Übrigens: Mit Faulheit oder falsch verstandenem Hedonismus hat Downshifting wenig zu tun. Vielmehr handelt es sich bei den Downshiftern sehr oft um hochqualifizierte Leistungsträger, die bewiesen haben, dass sie sich ins Zeug legen können. Vielleicht hat Viktor Frankl doch recht: Der Mensch ist auf der Suche nach dem “Sinn”.

Weitere Artikel zum Downshifting:

Ein kluger Mensch hat gesagt:

Die klugen Pferde sind nicht die, die jedes Hindernis meistern, sondern die, die manche Hindernisse verweigern.

Ob dieser Satz richtig ist, weiß ich nicht, aber man kann darüber nachdenken.

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Wie Sie auch im reifen Alter eine Stelle finden

Was den Umgang mit dem demographischen Wandel angeht, bin ich hin und her gerissen. Auf der einen Seite werden öffentliche Institutionen wie INQA, Ministerien und Verbände nicht müde, die Wichtigkeit dieses Themas zu betonen. Auf der anderen Seite erlebe ich in der Praxis, dass viele Unternehmen – positiv ausgedrückt – die Brisanz noch nicht erkannt haben oder – negativ ausgedrückt – sogar ignorieren.

Und so kommt es, dass zwar in der Presse die Vorzüge älterer Arbeitnehmer gepriesen werden, arbeitslose Menschen über 50 aber dennoch Schwierigkeiten haben, wieder in Lohn und Brot zu kommen. Uta Glaubitz ist Berufsberaterin und hat einen Artikel verfasst, der älteren Mitarbeitern auf der Suche nach einem Arbeitsplatz Mut machen soll: Ich stecke 30-Jährige in die Tasche. Den acht Tipps, die sie in ihrem Beitrag Betroffenen gibt, merkt man an, woher sie kommen. Die Handschrift von Dick Bolles, dem Guru der Arbeitsplatzsuche, ist unverkennbar. Seinen Klassiker kann ich uneingeschränkt empfehlen: What Color Is Your Parachute?

Die deutsche Ausgabe, nicht ganz so aktuell, dafür aber von Madeleine Leitner hervorragend den deutschen Besonderheiten angepasst, lege ich Ihnen wärmstens ans Herz: Durchstarten zum Traumjob.

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Wie lange die Deutschen arbeiten

Bei ZDF online gibt es interessante Infographiken zum Thema “Arbeitszeit und Überstunden” zu sehen. Passend dazu können Sie ein Interview mit dem Arbeitspsychologen Michael Kastner nachlesen: Wer effektiv arbeitet, gilt schnell als faul. Kastner in dem Gespräch:

Es ist ein Unding, wenn jemand, der um sechs Uhr abends das Büro verlässt, gefragt wird, ob er sich einen halben Tag freigenommen hat. Leute, die effektiv arbeiten und deshalb früher fertig sind, gelten schnell als faul. Das ist leider ein Teil unserer westlichen Leistungskultur.

Bei dem Zitat fiel mir sofort eine Radiodiskussion (Die gehetzte Gesellschaft), in der eine Teilnehmerin exakt das “mit dem halben Tag frei nehmen” stolz verkündete, aber dann wenig glaubhaft versicherte, sie könne das als Personalleiterin natürlich nicht gut heißen. Authentizität geht anders.

Es werden ohnehin merkwürdige Zusammenhänge zwischen Begriffen wie “Überstunden, Fleiß, Karriere, Produktivität” und ähnlichen konstruiert. Oft bewegen sie sich auf der Ebene von Glaubenssätzen und weniger auf der Basis gesicherter Erkenntnisse.

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Beförderungen, die krank machen

Eine Beförderung ist eine tolle Sache, möchte man meinen. Zumindest auf den ersten Blick. Von allen Seiten wird gratuliert, viele sehen nur das Positive, den Inhalt der Lohntüte etwa oder die Ausweitung der Entscheidungsfreiheit. Die negativen Seiten der Beförderung werden oft übersehen. Manchmal muss man den Ort wechseln oder die Arbeitsbelastung wird wesentlich größer, von der zunehmende Verantwortung ganz zu schweigen. Nicolas Zeitler hat sich die IT-Branche genauer angeschaut und einen Artikel zum Thema verfasst: Wenn die Beförderung krank macht. Ein Phänomen stellt er besonders heraus: Mitarbeiter sind ganz besonders gestresst, wenn sie an mehrere Chefs „berichten“ müssen, wie es so schön heißt. Offensichtlich ist diese Unsitte nicht tot zu kriegen. In der Organisationsentwicklung heißt eine alte Weisheit: Niemand sollte mehr als einen Vorgesetzten haben.

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