Kennen Sie Demowanda?

Wenn Sie denken, Demowanda sei ein neuer aufgehender Stern in Konkurrenz zu Lady Gaga oder Beyoncé, dann muss ich Sie enttäuschen. Demowanda ist die Abkürzung von Demografischer Wandel in der Arbeitswelt. Hierbei handelt es sich um ein Portal, das – nomen est omen – über die sich ändernde Altersstruktur in deutschen Unternehmen berichtet. Das Portal gliedert sich in die Themenbereiche:

  1. Bevölkerung
  2. Bildung
  3. Arbeitsmarkt
  4. Arbeitsbedingungen
  5. Gesundheit
  6. Arbeit im Alter

Zu jedem dieser Abschnitte finden Sie weitergehende Informationen wie Datenquellen, Kennzahlen und Publikationen. Unter Arbeitsbedingungen gibt es einen eigenen Abschnitt zum Thema Psyche.

Ein bisschen habe ich die Sorge, dass es beim Themenkreis “Demografische Entwicklung” so geht wie bei dem Umgang mit psychischen Belastungen im Betrieb. Eine Website jagt die andere, bis man zum Schluss den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Manchmal ist weniger mehr.

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Tipps zum alte(rn)sgerechten Arbeiten

In Anbetracht des Fachkräftemangels, der uns von vielen Seiten prophezeit wird, wundert es mich ein wenig, dass die Betriebe dem demographischen Wandel so wenig Aufmerksamkeit schenken. Nein, ich meine nicht die großen Konzerne, die ihre Pläne für altersgerechtes Arbeiten schon umsetzen oder zumindest in der Schublade haben. Ich rede hier von kleinen und mittleren Unternehmen, die offenbar wieder einmal so lange warten, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist.

Auch wenn dieser Tage viel von Ausbildungsoffensive gesprochen wird, so stellt dies nur eine Lösung von vielen dar. Eine andere wäre, auch ältere Beschäftigte länger im Arbeitsverhältnis zu halten. Dazu gehört natürlich, dass man die Arbeitsplätze so gestaltet, dass sie für ältere Arbeitsnehmer auch geeignet sind. Als Minimum gehört dazu, dass diese frei von psychischen Fehlbelastungen sind. Um herauszubekommen, ob dies tatsächlich so ist und um ggf. geeignete Maßnahmen zu ergreifen, diese zu beseitigen, böte sich eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen an. Aber die führen ja ohnehin schon alle Firmen durch, schließlich sind sie ja vorgeschrieben oder?

Eine gute Einführung in das Thema “alter(ns)gerechtes Arbeiten” bietet auch eine einschlägige Schrift der BAuA: Alterns- und altersgerechte Arbeitsgestaltung. Grundlagen und Handlungsfelder für die Praxis. Autor I. Mühlenbrock gibt einen umfassenden Überblick zu den Handlungsfeldern:

  1. Bedeutung und Hintergrund
  2. Gestaltungsfeld “Arbeitsaufgabe”
  3. Gestaltungsfeld “Arbeitsorganisation”
  4. Gestaltungsfeld “Soziale Beziehungen”
  5. Gestaltungsfeld “Arbeitsumgebung”
  6. Gestaltungsfeld “Betrieblicher Kontext”

Sie sehen, dass die Punkte 2 bis 4 Themenfelder sind, die auch von der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen erfasst werden. Betriebe können also zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Sie bedienen Themen des Arbeitsschutzes und des demographischen Wandels.

Sie können die Broschüre kostenlos als pdf-Datei herunterladen.

BAuA_Demographie

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Spielen mit Demenz

Sie kennen sicher alle dieses berühmte Memo-Spiel. Es besteht aus einer Menge Karten mit Bildern, wobei immer zwei Karten identisch sind und somit ein Paar bilden. Die Karten werden gemischt und dann verdeckt auf den Tisch gelegt. Abwechselnd können die Spieler nun immer zwei Karten aufdecken mit dem Ziel, zwei gleiche Karten zu finden. Wer zum Schluss die meisten Paare entdeckt hat, hat das Spiel gewonnen. Als sie noch klein waren, haben wir dieses Spiel oft mit unseren Kindern gespielt. Teilweise mit frustrierendem Ergebnis für uns, denn die Kinder haben uns teilweise wirklich alt aussehen lassen.

Alt aussehen und alt sein, sind zwei verschiedene Paar Stiefel. Leider bekommen viele Menschen im hohen Alter enorme Schwierigkeiten mit ihrem Gedächtnis bis hin zur Demenz. Warum nicht die positiven Effekte des o.a. Memo-Spiels auf das Gedächtnis für diese Zielgruppe nutzen? Der SingLiesel-Verlag hat genau das getan und ein “Memo-Spiel für die „Feuerzangenbowle“- Generation” herausgebracht: Stars der 50er und 60er Jahre. Als Sohn eines Betroffenen haben wir das Spiel über die Weihnachtstage getestet und für gut befunden. Die Kartenpaare bestehen aus den Fotos berühmter Filmstars der 50er und 60er Jahre, auf der einen Karte ist der Vorname des Stars, auf der anderen der Nachname zu finden. Wichtig ist, dass man sich nicht so sehr auf das Spielen selbst konzentriert, sondern im Dialog und durch viele Fragen das Gedächtnis des alten Menschen anregt. Manchmal gelingt es sogar, ganze Geschichten über Erlebnisse, die mit dem Star oder einem Film zusammenhängen, hervorzulocken (“Damals habe ich zum ersten Mal Popcorn gehabt”). Allerdings hätten wir uns gewünscht, dass man sich auf deutsche Filmstars beschränkt hätte. Die Erinnerung an amerikanische Leinwandhelden fiel doch zu schwer. Vielleicht gibt es auch einmal eine Variante mit Sportskanonen, wie Max Schmeling, Fritz Walter usw.

Alles in allem ein schöner Zeitvertreib, der allen Beteiligten gut tut. Die einen erinnern sich, die anderen erfahren den einen oder anderen Schwank aus dem Leben des Hochbetagten. Kurzweilig ist es allemal.

Cover_Nostalgie-Memo_Stars

BTW: Wenn Sie demente Angehörige haben, dann werfen Sie doch ein näheren Blick auf die Website von SingLiesel. Aus der Beschreibung der Initiative:

Der SingLiesel-Verlag wurde als Initiative betroffener Angehöriger gegründet. Ziel ist es, Bücher und Produkte für Menschen mit Demenz zu schaffen, die vor allem Freude bereiten und Angehörige und Pflegekräfte im Alltag entlasten.

Es lohnt sich, im Verlagsprogramm zu stöbern. Sie finden dort Bücher, Angebote aus Musik und Film und diverse Spiele.

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Handlungsempfehlungen: Länger leben – länger arbeiten

Die Informationen über den demographischen Wandel und den angebliche einhergehenden Mangel junger Fachkräfte sind höchst widersprüchlich. Der demographische Wandel ist unbestritten, doch die Meinungen über die damit verbundenen Konsequenzen gehen weit auseinander und spiegeln eher die ideologische Verortung der Diskussionsteilnehmer wider.

Tatsache ist, dass unsere verantwortlichen Politiker grundsätzlich die längere Lebensarbeitszeit befürworten, die Umsetzung im Alltag aber irgendwie von den Betreiben geleistet werden soll. Viele besonders kleinere Unternehmen sind folgerichtig auch  etwas ratlos und warten erst einmal ab. Ob das der richtige Weg ist, scheint mir eher zweifelhaft.

Karin Haist, Birte Petersen und Lisa Veyhl haben im Auftrag der Körber – Stiftung eine Broschüre mit Handlungsempfehlungen für Unternehmen erarbeitet. „Länger leben – länger arbeiten“ heißt sie und kann als pdf-Datei kostenlos heruntergeladen werden.

Sie finden in der Broschüre tatsächlich eine Reihe Tipps, die auch von mir als Demografie-Lotsen hätten stammen können. 😉
Es gibt auch eine Reihe von Praxisbeispielen und, was das Schöne ist, nicht nur von den üblichen Großkonzernen, sondern auch von den kleinen und mittleren Betrieben.

Die Körber – Stiftung hat auch eine einschlägige Website zur Thema „Demographischer Wandel“: „Alter neu erfinden“ ist ihr Titel. Dort gibt es eine Fülle weiterführender Links für die eingehende Recherche.

[via Blog der Becker – Stiftung]
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Beruf neben der Pflege, Pflege neben dem Beruf?

Ich bin Jahrgang 1959. So viel ich weiß, ist meine Generation die erste in der Geschichte der Bundesrepublik, die sich in einer Sandwich-Position befindet. Kaum sind die Kinder aus dem Haus, muss man sich um die Eltern kümmern. Manchmal überschneidet sich das sogar. Das bringt Belastungen und Beanspruchungen mit sich, die oft nur schwer zu stemmen sind.

Dieses Thema ist vor dem Hintergrund der psychischen Belastung und des demographischen Wandels auch für unsere Unternehmen von Bedeutung. Dennoch schaue ich oft in große Augen, wenn ich die Vereinbarkeit von Arbeit und Pflege in den Betrieben anspreche. Dies ist beileibe keine Ignoranz, sondern oft haben die Führungskräfte dieses Thema gar nicht „auf dem Schirm“.

Ingrid Dickes verweist in ihrem Beitrag „Vereinbarkeit von Beruf und Pflege“ auf entsprechende Zahlen des statistischen Bundesamtes und auf diverse andere Quellen hin:

  • Broschüre der berufundfamilie gGmbH:
    Eltern pflegen – So können Arbeitgeber Beschäftigte mit zu pflegenden Angehörigen unterstützen – Vorteile einer familienbewussten Personalpolitik
  • Selbsttest für Arbeitgeber (pdf)
  • Stufenplan Beruf und Pflege

Ich selbst möchte hier auch auf die Broschüre „Vereinbarkeit von Pflege und Beruf“ (pdf) hinweisen, ein Projekt im Rahmen der Initiative „Regionen Stärken Frauen“.
Offensichtlich pflegen Männer eher weniger.

Broschüre: Pflege und Beruf

 

 

 

 

 

 

 

 

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Dokumentation zur Veranstaltung „Demografie Wissen Kompakt 2013“

Im November letzten Jahres veranstaltete die BAuA wieder eine eintägige Tagung zur Demographischen Entwicklung und den damit verbundenen Veränderungen in der Arbeitswelt. Etwa 150 Teilnehmer aus Beratung, Personalwesen und Arbeitsschutz nahmen an der Konferenz teil.

Die BAuA war so freundlich und hat die Folien der Präsentationen, die auf der Veranstaltung gehalten wurden, als pdf-Dateien zum Herunterladen ins Netz gestellt.

Für mich besonders interessant:

  • Michaela Erkl-Zoffmann: Workshop Anerkennender Erfahrungsaustausch (pdf).
    Eine Anwendung der Prinzipien der Appreciative Inquiry.
  • Stefani Mehring:
    Workshop Altersstrukturanalyse mit dem DemografieKompass (pdf)
    Dieses Instrument setze auch ich für die Altersstrukturanalyse ein.
  • Prof. Dr. Michael Falkenstein:
    Workshop Maßnahmen zur Förderung der mentalen Leistungsfähigkeit älterer Beschäftigter (pdf)
    Ein Thema, mit dem ich mich als Berater in Zukunft mehr auseinander setzen möchte.
  • Alexander Frevel:
    Workshop Alternsgerechte Berufsverläufe vorbereiten – das Konzept der „mitalternden Arbeit“ (pdf)
    Hier besteht für unsere Unternehmen eine Menge Handlungsbedarf, was leider noch immer nicht ausreichend gesehen wird.

Meine Auswahl ist subjektiv. Sie sollten sich die Präsentationen ruhig etwas näher anschauen, es lohnt sich.

 

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Unternehmen tun sich mit der demographischen Entwicklung schwer

Mein Kollege Leopold Stieger weist auf seiner Website „Seniors4success-Blog“ auf eine Untersuchung der Unternehmensberatung Towers Watson zur strategischen Bedeutung des demographischen Wandels hin. Einige Ergebnisse der Studie:

  • 33% der Unternehmen entwickeln konkrete demographiebezogene Maßnahmen und setzen diese auch um.
  • 42% befinden sich in der Analyse-und Prognosephase bzw. identifizieren Risiken
  • 25% sammeln erst Informationen.

Dieser Befund entspricht auch meiner subjektiven Wahrnehmung. Viele Unternehmer und Führungskräfte wollen (oder können) die Folgen der Überalterung unserer Gesellschaft nicht wahrhaben. Aber die Entwicklung ist nicht aufzuhalten. Allzu lange hat man nicht mehr die Zeit, proaktiv tätig zu werden. Dann geht es so wie dem Hasen mit dem Igel. Handeln Sie jetzt, stellen Sie mit einer soliden Altersstrukturanalyse evtl. Handlungbedarf fest und ergreifen Sie geeignete Maßnahmen, um auch Ihre älteren Mitarbeiter leistungsgerecht zu beschäftigen. Zu beiderseitigem Nutzen übrigens.

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Themenheft “Alternde Gesellschaft”

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) ist Herausgeber des Magazins “Aus Politik und Zeitgeschichte”, das mit verschiedenen Artikeln unterschiedlicher Autoren ein bestimmtes Thema aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. Thema des Heftes 45-5/2013 ist die “alternde Gesellschaft”. Es wird auf die Diskussion zur Altersarmut ebenso eingegangen wie zur Situation des Pflegesektors. Sie können das Heft als pdf-Datei hier herunterladen.

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[via Blog der Becker Stiftung]

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“Wissen fürs Leben”, eine Vortragsreihe der Arbeiterkammer Vorarlberg

Zunächst muss vielleicht einmal erklärt werden, was eine “Arbeiterkammer” ist, denn in Deutschland gibt es eine solche Einrichtung lediglich in Bremen. Ein Blick in die Wikipedia hilft:

Die Kammer für Arbeiter und Angestellte, kurz Arbeiterkammer (AK), ist die gesetzliche Interessenvertretung der Arbeitnehmer in Österreich. Nach österreichischem Gesetz, nämlich nach dem Arbeiterkammergesetz 1992 (kurz AKG, zu finden im BGBl. I 626/91), muss es die AK geben und müssen alle Arbeitnehmer auch Mitglieder der AK sein.

Das wäre also geklärt.

Die Arbeiterkammer Vorarlberg veranstaltet eine Vortragsreihe, in der Experten Themen wie Demographischer Wandel, Stress, Burnout und andere Problemstellungen des Alltags behandeln: Wissen fürs Leben.

Eine Reihe von Referenten haben sich bereit erklärt, dass ihre Vorträge im Internet veröffentlicht werden und so ist ein eigener YouTube-Kanal entstanden. Dort können Sie die entsprechenden Mitschnitte als Video, aber auch als mp3-Dateien anschauen bzw. herunterladen. Wie zum Beispiel dieses Referat: Burnout – Risikofaktoren erkennen und verändern.

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