Resilienz und die Maßnahmenhierarchie

Vor einigen Tagen bin ich über einen Tweet meines geschätzten Kollegen Olaf Hinz gestolpert, in dem er auf seinen Artikel Wie nah ist Ihre Firma am Burn-out? hinweist:

Wie recht er hat!

In diesem Zusammenhang möchte ich noch einmal auf den ehernen Grundsatz der Arbeitssicherheit hinweisen, der da lautet:

Verhältnisprävention geht vor Verhaltensprävention!

Seinen Ausdruck findet dieser Grundsatz in der Maßnahmenhierarchie. Demnach sollten Maßnahmen zur Verbesserung im Arbeitsschutz in einer bestimmten Reihenfolge, die die Wirksamkeit der Maßnahmen abbildet, abgearbeitet werden:

  1. Vermeidung von Gefahren
    (z. B. Vermeidung von Lärm durch Anschaffung von leisen Maschinen?
  2. Trennen von Mensch und Gefahr
    (Einhausung der Maschine zur Lärmdämmung)
  3. Organisatorische Maßnahmen
    (Laute Maschinen laufen nur Nachts, wenn keine Mitarbeiter anwesend sind)
  4. Persönliche Schutzausrüstung
    (Gehörschutz)
  5. Unterweisungen
    (Belehrungen, Schilder, Verbote, Gebote)

Diese Maßnahmenhierarchie ist in der Ausbildung von Sicherheitsfachkräften quasi sakrosankt, immer wieder werden die Teilnehmer der entsprechenden Schulungen auf dieses Prinzip hingewiesen. Auch wenn die Maßnahmenhierarchie zuerst für die Abwehr physischer Gefährdungen erdacht wurde, so gilt sie auch für die den Einsatz bei den psychischen. Oder sollte sie zumindest. Denn in der Praxis erleben wir oft das Gegenteil

Während die Anwendung der Maßnahmenhierarchie bei physischen Gefährdungsfaktoren, wie z.B. Lärm, weitgehend akzeptiert ist, gehen die meisten Betriebe bei psychischen Gefährdungen meist den genau entgegengesetzten Weg. Anstatt das Augenmerk zuerst auf die Beseitigung der Gefahren zu richten, werde die Mitarbeiter mit großem Aufwand unterwiesen (Gesunde Ernährung am Arbeitsplatz, Lauftreff, Zuschüsse zum Yoga-Kurs usw.). Klingt zunächst gut und lässt sich PR-technisch sicher gut einsetzen, lenkt allerdings auch von der eigentlichen unternehmerischen Verantwortung nach dem Arbeitsschutzgesetz ab. Das Problem wird dadurch individualisiert und auf den einzelnen Mitarbeiter abgeschoben. Oder wie Olaf Hinz in seinem Artikel schreibt:

Ich finde es nicht verantwortlich, wenn das wichtige Thema „burn out“ allein auf einer individualpsychologischen Ebene „abgehandelt“ wird. So würden Themen, die vor allem die Organisation auslöst und verantwortet an die einzelnen Personen „wegdelegiert“ […]

Dem kann man aus Sicht der Arbeitssicherheit nur zustimmen.

Damit kein Missverständnis aufkommt:
Ich habe nichts gegen gesunde Ernährung, Bewegung und Entspannungstechniken. Aber das liegt nicht in erster Linie in der Verantwortung des Arbeitgebers. Laut Arbeitsschutzgesetz ist der Arbeitgeber verpflichtet

die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes unter Berücksichtigung der Umstände zu treffen, die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit beeinflussen. Er hat die Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen und erforderlichenfalls sich ändernden Gegebenheiten anzupassen. Dabei hat er eine Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten anzustreben.

Bloggerkollege Götz Kluge fasst dies kurz und knapp zusammen:

Der Arbeitsschutz fragt nicht nach “auffälligen” Mitarbeitern, sondern er fragt nach auffälligen Arbeitsplätzen.

Ganz nach dem Lewinschen Grundsatz “Keine Maßnahme ohne Diagnose” ist die Grundlage für Verbesserungsmaßnahmen eine fachgerechte und handwerklich sauber durchgeführte Gefährdungsbeurteilung.

Wie das im Bereich der psychischen Gefährdungsfaktoren geht, erfahren Sie in einer der vielen Broschüren im Internet oder von mir. 😉

Ein Burnout und seine Folgen

Vor ein paar Tagen wurde im WDR eine Dokumentation ausgestrahlt mit dem Titel “Einsame Spitze – Top-Manager am Limit”. Darin wird geschildert, unter welchem Erfolgsdruck Manager in Spitzenpositionen ihre Arbeit erledigen. Ich finde, der Dokumentarfilm ist äußerst sehenswert, Sie können ihn bestimmt noch eine Weile in der WDR – Mediathek aufrufen.

Nach Betrachten des Films bleiben bei mir noch einige Fragen offen:

Augenhöhe?

Nicht erst seit heute spricht man in der Organisationsberatung vom “Postheroischen Management”. Angeblich sind die Tage des einsamen Industriekapitäns (!), der einsam auf der Brücke steht und das Unternehmensschiff mit klarem Ziel durch die Unwetter steuert, längst vorbei. Wenn ich die Interviews im Film Revue passieren lassen, kann ich das nicht recht glauben. Besonders die Aussagen des ehemaligen McKinsey-Chefs Herbert Henzler lassen keinerlei Rückschlüsse zu, dass wir in einem postheroischen Management angekommen sind. Liegt es daran, dass Herr Henzler im Ruhestand den Anschluss an die heutige Arbeitswelt verpasst hat? Das kann ich mir bei ihm eher nicht vorstellen. Also: Es scheint weiterhin das Bild des einsamen Anführers gepflegt zu werden, der allein weiß, wo es langgeht und unbeirrt seinen Weg geht. Wer das nicht packt, der wird eben ausgetauscht: “Nur die Harten kommen in den Garten” oder “Sind sie zu stark, bist Du zu schwach“, wie es in der Reklame für Hustenbonbons heißt.

Erweckungserlebnis?

Nicht erst seit gestern tourt Thomas Sattelberger mit der Botschaft einer neuartigen Führung durch die Gegend. Selbstorganisation und Empowerment der Mitarbeiter lautet seine Botschaft. Mir gefallen seine Aussagen und ich unterschreibe die meisten von ihnen. Eine Frage lässt mich allerdings nicht los. Ich kenne Mitarbeiter bei der Telekom, wo Sattelberger Personalvorstand war, die heute noch bei seinem Namen zusammenzucken. Mich würde einmal interessieren, wann und wo Herr Sattelberger den durchaus bemerkenswerten Schwenk zur Führung 2.0 vollzogen hat.

Konsequenzen aus dem Burnout?

Der Top-Manager Rüdiger Striemer schildert, wie sein Weg über seine Arbeit als Chef in die Depression und wieder zurück führte. Seine Offenheit hat mich sehr beeindruckt. Etwas würde ich allerdings noch gerne wissen: Welche Konsequenzen hat er aus dem eigenen Erleben für seine Mitarbeiter und sein Unternehmen gezogen? Wird in seiner Firma und deren Arbeitsplätze eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen durchgeführt? Welche Maßnahmen der Prävention werden getroffen um den Mitarbeitern ähnliche Erfahrungen zu ersparen? Ich kann mich nicht erinnern, etwas darüber in dem Film erfahren zu haben.

Rüdiger Striemer hat über seinen Burnout ein Buch geschrieben: Raus! Mein Weg von der Chefetage in die Psychiatrie und zurück.

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Was ist „Burnout“ wirklich?

Sie alle kennen sicher das Gesundheitsmagazin „Apotheken Umschau“. Wenn nicht, es handelt sich um eine Kundenzeitschrift, die die Apotheken kostenlos für ihre Kunden bereithalten. Scherzhaft auch manchmal „Senioren-Stern“ genannt.

In einer Pressemitteilung zur Vorstellung der Ausgabe 2/2015 des Magazins war kürzlich zu lesen:

Weniger Burnout-Diagnosen / Vermutlich erkennen Ärzte in den Symptomen häufiger eine Depression

Wenn das so stimmt, dann ist das nur zu begrüßen, denn der Ausdruck „Burnout“ ist äußerst unscharf und allenfalls eine Zusatzdiagnose.

Schon 2012 hat die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) zu diesem Thema ein Positionspapier veröffentlicht. Zum Anlass für das Dokument schreiben die Autoren:

Die DGPPN sieht jedoch gleichzeitig in der jetzigen Burnout-Diskussion erhebliche Verwirrungen und potenzielle Fehlentwicklungen. Die Spannweite der Diskussion reicht von der völligen Negierung der Relevanz des Burnouts als psychische Erkrankung bis hin zur Warnung vor einer tickenden, bisher übersehenen Zeitbombe. So bedürfen nicht zuletzt folgende weitverbreitete Sichtweisen einer fachlichen Kommentierung.

Das Positionspapier ist trotz wissenschaftlicher Sprache auch für Laien gut zu lesen. Sie können es hier als pdf-Datei herunterladen.

Hingewiesen wurde ich auf das Paper in einem Seminar der VBG durch die Referentin Maria Köhne. Vielen Dank dafür!

Gibt es das „postheroische“ Management wirklich?

Vor einiger Zeit wurde in Beraterkreisen das „postheroische“ Management ausgerufen. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Komplexität der unternehmerischen Aufgaben kamen manche einflussreiche (Vor-) Denker zu dem Schluss, dass das Bild des einsamen Kapitäns auf der Brücke, der das Unternehmensschiff sicher durch die tosende See steuert, nicht mehr zu halten ist.

Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Immer noch sind viel zu viel Führungskräfte „an Bord“ (um beim Bild zu bleiben), die sich für unfehlbar halten und meinen, alles im Griff zu haben. Die Wirtschaftswelt wimmelt nur so von Kontrollfreaks, die nicht abgeben können oder besser wollen.

Mit diesem Verhalten fahren diese Führungskräfte nicht nur ihre Mitarbeiter sauer, sondern treiben auch ihre eigene Gesundheit in den Ruin. Wenn ich denke, ich müsse alles entscheiden, weil nur ich weiß, wie es geht, dann ist der Überforderung Tür und Tor geöffnet.

Es steht mir nicht zu, zu urteilen, ob Carsten Schloter solch ein Micro-Manager war. Man sollte auch nicht darüber spekulieren. Aber ständige Überforderung kann in die Katastrophe führen, wie der Artikel von Janis Hülder zeigt: Wenn Manager innerlich zerbrechen.

Der beste Tipp zur Führung, der mir in den letzten Wochen untergekommen ist, stammt von Gerd Gigerenzer:

Stell gute Leute ein und lass sie machen.

 

 

“Wissen fürs Leben”, eine Vortragsreihe der Arbeiterkammer Vorarlberg

Zunächst muss vielleicht einmal erklärt werden, was eine “Arbeiterkammer” ist, denn in Deutschland gibt es eine solche Einrichtung lediglich in Bremen. Ein Blick in die Wikipedia hilft:

Die Kammer für Arbeiter und Angestellte, kurz Arbeiterkammer (AK), ist die gesetzliche Interessenvertretung der Arbeitnehmer in Österreich. Nach österreichischem Gesetz, nämlich nach dem Arbeiterkammergesetz 1992 (kurz AKG, zu finden im BGBl. I 626/91), muss es die AK geben und müssen alle Arbeitnehmer auch Mitglieder der AK sein.

Das wäre also geklärt.

Die Arbeiterkammer Vorarlberg veranstaltet eine Vortragsreihe, in der Experten Themen wie Demographischer Wandel, Stress, Burnout und andere Problemstellungen des Alltags behandeln: Wissen fürs Leben.

Eine Reihe von Referenten haben sich bereit erklärt, dass ihre Vorträge im Internet veröffentlicht werden und so ist ein eigener YouTube-Kanal entstanden. Dort können Sie die entsprechenden Mitschnitte als Video, aber auch als mp3-Dateien anschauen bzw. herunterladen. Wie zum Beispiel dieses Referat: Burnout – Risikofaktoren erkennen und verändern.

Neue Gesetze braucht das Land?

Wenn Sie die Presse hinsichtlich der Themen Stress, Burnout & Co verfolgt haben, dann ist Ihnen sicherlich aufgefallen, dass es zum Jahreswechsel vor allem die Variation ein und desselben Themas gab:

Die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen. Mich erstaunt immer wieder die Gleichzeitigkeit, mit der die Presse solche Meldungen lanciert. Offensichtlich genügt eine Pressemitteilung und ab geht die Post.

In diesem Blätterrauschen ist mir aber doch ein Kommentar aufgefallen. Er stammt von Anna Sauerbrey vom Tagesspiegel: Ursula von der Leyens Abwesenheitsnotiz.

Es geht in diesem Kommentar um die ständige Erreichbarkeit, die ja immer wieder als ein Hauptgrund für psychische Fehlbelastungen angeführt wird. Frau Sauerbrey weist darauf hin, dass bei einigen Unternehmen schon Betriebsvereinbarungen getroffen wurden, die den Empfang von E-Mails nach Feierabend ausschließen (etwa bei VW). Auch planten einige Bundesländer eine Bundesratsinitiative, mit der der “Schutz vor Stress explizit im Arbeitsschutzrecht verankert” werden soll. Unser Arbeitsministerin Ursula von der Leyen wird da wohl nicht mitspielen oder wie es im Artikel heißt:

Die Ministerin äußert sich zwar gern zu dem Problem, hält sich aber mit konkreten Initiativen zurück. Sie verweist auf bestehende Regelungen: Bereits jetzt sind maximal zehn Stunden Arbeit täglich zulässig, Sonntagsarbeit ist im Prinzip untersagt.

Im Grunde genommen hat die Ministerin ja auch Recht. Im Prinzip ist alles vorhanden.
Nur – umgesetzt wird es mangelhaft.

In den letzten Jahren ist der Trend zu beobachten, dass der Gesetzgeber ein Gesetz nach dem anderen aus der Taufe hebt, sich aber nicht darum kümmert, wer deren Einhaltung kontrollieren soll. Da liegt der Engpass. Und auch deswegen “verlieren diese Regelungen zunehmend an Bedeutung”.

Im übrigen: Das Wort “Regelung”, das die Autorin in ihrem Beitrag benutzt, ist mir zu schwach. Die Arbeitszeit wird per Gesetz geregelt. Das Gesetz heißt Arbeitszeitgesetz (ArbZG). Ich habe einmal gelernt, dass ein Gesetz bindend ist, und zwar für alle.

Wir wissen wir aber auch: “Wo kein Kläger, da kein Richter.”

Interview mit Patrick Kury: “Es gibt eben weniger Staublunge, dafür mehr Depressionen”

Obwohl die Begriffe “Stress” und “Burnout” einige Jahre auf dem Buckel haben, gab es bislang noch keine kulturhistorische Abhandlung über die Entstehung dieser Begriffe. Diese Lücke schließt der Schweizer Kulturhistoriker Patrick Kury mit seinem Buch “Der überforderte Mensch”.

Matthias Becker hat ein Inteview mit dem Autoren geführt: „Burnout ist die Krankheit der Digitalisierung„.

Krankheiten sind immer auch ein Konstrukt, wie mir die Lektüre von Ludwik Flecks Klassiker klar gemacht hat. Jedes Zeitalter hat ihre spezifischen Krankheitsbilder, die mit dem technischen Fortschritt korrespondieren. Mit dem Ausdruck “Konstrukte” sollen die Folgen dieser Erkrankungen nicht verharmlost werden, ganz im Gegenteil. So meint auch Kury:

Es wäre ganz falsch, die Zivilisationskrankheiten abzutun als „bloß eingebildet“ oder „rein diskursive“ Angelegenheiten. Die Leute leiden! Aber die Leute litten eben auch unter den Belastungskrankheiten, die im Laufe des 20. Jahrhunderts auftraten und Namen trugen wie „vegetative Dystonie“ oder „Managerkrankheit“.

Das Interview fügt dem Diskurs um psychische Belastungen und Beanspruchungen einige interessante neue Aspekte aus anderer Perspektive hinzu. Das Buch von Kury steht schon auf meinem Wunschzettel. Und: An meiner Einstellung zu Analyse und Reduzierung psychischer Belastungen wird es nichts ändern. Warum auch.

Wie verarbeiten Sie Ihre Gefühle?

Gefühlsarbeit oder Emotionsarbeit nennt die “amerikanische Soziologin A. R. Hochschild den Versuch, Emotionen zu verstärken, abzuschwächen oder umzuwandeln” (Quelle). Diese Anpassung der Gefühle durch Verdrängen, Umdeuten oder andere Maßnahmen kostet seelische Kraft. Nicht umsonst sagt ein indisches Sprichwort:

Krankheit sind verschluckte Tränen.

Auch der, allerdings umstrittene, Psychotherapieansatz der Bioenergetik geht davon aus, dass “Charakterstrukturen Bewältigungsformen und Sicherungssysteme darstellen, die das Individuum notgedrungen zur Wahrung der eigenen Integrität im Spannungsfeld der eigenen Bedürfnisse und den Reaktionen seiner Umwelt bzw. seines Bezugssystems entwickelt. Auf der körperlichen Ebene beinhaltet dies im Kern die Einschränkung der Lebendigkeit in Form von chronischen Verspannungen, die den Atem und die Beweglichkeit beeinträchtigen”.

In dem Artikel Stress durch unterdrückte Gefühle im Job beschreibt Dr. Christian Guht, inwieweit unterdrückte Gefühle im Berufsleben Stress und letztendlich Burnout erzeugen können.

Dabei gibt es in der Wirtschaft erlaubte und unerlaubte Gefühle. Während Aggression oder Freude in der Regel ohne größere Probleme offen gezeigt werden können, werden Gefühle der Angst oder der Trauer meist unterdrückt. Oder haben Sie schon Menschen in Besprechungen weinen sehen? Nein? Ich bin mir sicher, manchmal ist es dem einen oder anderen “zum Heulen”.

Auch wenn der o. a. Artikel nicht sehr tiefgehend ist, freue ich mich dennoch, dass das Thema “Umgang mit Emotionen” am Arbeitsplatz einmal aufgegriffen wird. Zu einem menschengerechten Arbeitsplatz gehört für mich, dass menschliche Gefühle in angemessener Weise zum Ausdruck gebracht werden können. Der oft gehörte Satz

Sehen Sie das emotionslos

ist nicht nur im wahrsten Sinn des Wortes unmenschlich, sondern auch unsinnig. Menschen ohne Gefühle sind keine Menschen. Das sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Wenn nicht, hier ein Literaturtipp zur Vertiefung:

Zur Geschichte des Burnouts

Götz Kluge weist in seinem Blog auf eine interessante Sendung auf SWR2 hin: Burnout, Stress und Nervenkrisen – Erschöpfungszustände aus historischer Perspektive. In einem Interview geht Professor Wolfgang U. Eckart, Medizinhistoriker an der Universität Heidelberg, auf die Frage ein, inwiefern es auch in früheren Zeiten das Phänomen Ausgebrannt sein gegeben hat. Zu der Sendung gibt es auch ein Manuskript (pdf) und einen mp3-Download zum Nachhören.

BTW: Zu der Frage, inwieweit Krankheiten und Krankheitsbilder gesellschaftliche Konstrukte sind, kann ich ein Buch von Ludwik Fleck empfehlen. Es hat mich seinerzeit tief beeindruckt und beeinflusst. Wir dürfen nicht vergessen, Krankheiten werden definiert und bis jetzt gibt es noch keine offizielle Definition von “Burnout”. Daran ändert auch der geradezu inflationäre Gebrauch dieses Ausdrucks im öffentlichen Sprachgebrauch nichts.