Mitarbeiterbefragung in der Pflege und der Behindertenhilfe

Mitarbeiter in der Pflege und der Behindertenhilfe sind oft besonderen psychischen Belastungen und Beanspruchungen ausgesetzt. Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) hat eine Neuauflage ihrer Praxisanleitung zur Mitarbeiterbefragung veröffentlicht. Sie erfahren dort, wie Sie bei einer derartigen Befragung vorgehen können. Sie finden in der Broschüre auch die geeigneten Fragebögen. Sie können den Leitfaden als pdf-Datei herunterladen.

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Wie Geräusche auf uns wirken

Wie wir alle wissen, ist Lärm ein bedeutender Gefährdungsfaktor. In einem interessanten Vortrag erläutert Julian Treasure die 4 Arten, wie Geräusche auf uns wirken. In dem Referat geht es auch um den Lärm, dem wir in Großraumbüros ausgesetzt sind. Dieser wird oft als äußerst lästig empfunden, auch wenn der Pegel rein messtechnisch nicht im roten Bereich liegt. Ein Beispiel für eine psychische Belastung, die viele in dieser Weise gar nicht auf dem Schirm haben.

Sie können das Video auch mit deutschen Untertiteln anschauen.

Trends: Psychische Arbeitsbelastungen in Deutschland

Heute bin ich bei einer Internetrecherche über einen interessanten Aufsatz von Autoren des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans Böckler Stiftung gestolpert:
Psychische Arbeitsbelastungen in Deutschland: Schwerpunkte – Trends – betriebliche Umgangsweisen.

Die Autoren zeigen in dem Beitrag auf, “welchen Stellenwert psychische Belastungen in der Arbeitswelt einnehmen, welche Belastungsschwerpunkte sich herausgebildet haben, wie die Belastungen von den Beschäftigen wahrgenommen werden und in welchem Maße sie im Arbeitskontext durch gesundheitsstabilisierende Ressourcen abgefedert werden”. Interessant fand ich das Ergebnis einer Befragung von Vertretern des Managements, warum sich der eigene Betrieb mit psychosozialen Risiken befassen sollte. Die Rangfolge der Gründe:

  1. Gesetzliche Verpflichtungen
  2. Einflussnahme der betrieblichen Interessenvertretung
  3. Druck durch die Arbeitsschutzaufsicht
  4. Sorge um das Ansehen der Firma
  5. Einbußen in Produktivität und Qualität
  6. Hoher Anteil an Fehlzeiten

Sind Sanktionen unterschiedlichster Art tatsächlich das wirkungsvollste Mittel, um Veränderungen in diesem Bereich herbeizuführen? Ich will es nicht glauben. Management im Sinne von “Gestaltung” sieht anders aus.

Der Beitrag Verweist noch auf einige andere interessante Befunde, etwa die “Bedeutsamkeit verschiedener psychosozialer Risiken im eigenen Betrieb” aus Sicht der Managementvertreter und der Arbeitnehmervertreter. Sie können ihn als pdf-Datei hier herunterladen.

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Nicht das Pferd von hinten aufzäumen

Götz Kluge schreibt heute in seinem Beitrag “Arbeitsschutz verkehrt”:

Im Arbeitsschutz kommen nicht die Mitarbeiter, sondern die Arbeits- und Leistungsbedingungen auf die Couch.

Dem ist nichts hinzuzufügen. An früherer Stelle habe ich bereits auf die Maßnahmenhierarchie hingewiesen. Diese nimmt in der Ausbildung der Sicherheitsfachkräfte so großen Stellenwert ein, dass SiFa-Kandidaten sie schlaftrunken nachts um halb drei hersagen können müssen, wie ein Witzbold einmal bemerkte. Nur bei psychischen Belastungen gilt diese Hierarchie plötzlich nicht mehr? Unverständlich.

Schriften zum Thema “Führung und psychische Gesundheit”

Für einen Workshop recherchiere ich gerade im Internet zum Thema “Führung und psychische Gesundheit”. Natürlich will ich meinen Leserinnen und Lesern die Ausbeute nicht vorenthalten. Hier die Liste der Schriften, auf die ich bisher gestoßen bin:

Die Liste ist schon relativ lang, aber sicher nicht vollständig und wird von mir von Zeit zu Zeit ergänzt. Außerdem werde ich die eine oder andere Publikation in diesem Blog näher vorstellen. Wenn Sie eine andere Quelle zum Thema kennen, hinterlassen Sie doch bitte einen Kommentar. Ich bin für Hinweise stets dankbar.

BGHW – Handbuch “Psychische Belastungen am Arbeitsplatz”

Die Berufsgenossenschaft Handel und Warendistribution hat ein neues Handbuch veröffentlicht: “Psychische Belastungen am Arbeitsplatz” (Download pdf-Datei). Aus der Inhaltsbeschreibung:

Auch Beschäftigte können – über die vom Arbeitgeber veranlassten Maßnahmen hinaus – selbst einiges dafür tun, damit es erst gar nicht zu solchen Beeinträchtigungen kommt. Das neue BGHW-Handbuch "Psychische Belastung am Arbeitsplatz" soll sensibilisieren sie dabei unterstützen, mit psychischen Belastungen konstruktiv umzugehen.
Hier finden Beschäftigte anschauliche Beispiele für die häufigsten Ausprägungen psychischer Belastung mit exemplarischen Beschreibungen schwieriger Arbeitssituationen sowie eine Vielzahl von Tipps und Übungen, mit denen man der Stressfalle entkommt.

Sie merken schon, es handelt sich um ein Handbuch zur Verhaltensprävention, und so finden Sie zur Verhältnisprävention auch nicht viel, eigentlich gar nichts. Insofern finde ich auch den Titel des Handbuch zumindest unglücklich. Denn hier geht es eigentlich gar nicht um Belastungen im engeren Sinn, sondern um den Menschen mit seinen Leistungsvoraussetzungen, der auf diese reagiert.

Wahrscheinlich bin ich aber auch nur ein alter unverbesserlicher Beckmesser.

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Der Unterschied zwischen Verhaltens- und Verhältnisprävention, mal anders ausgedrückt

Johannes Thönneßen gehört mit seinem MW-online-Blog zu den Autoren, die ich regelmäßig lese. Vor kurzen erschien von ihm ein Artikel zum Thema Burnout: Burn-out diagnostizieren?
Dort schreibt er:

Bei der erwähnten Umfrage unter Personalern ist herausgekommen, dass eine wirkungsvolle Maßnahme die betriebliche Gesundheitsförderung sein soll – sagen die Personaler. Damit soll psychischen Belastungen vorgebeugt werden. Gleichzeitig werden als Hauptbelastungsfaktoren der starke Erfolgsdruck, der Zeitdruck, die ständige Erreichbarkeit und die Arbeitsverdichtung genannt.

Hier stimmt doch etwas nicht, oder? Mal angenommen, ein Unternehmen stellt fest, die Mitarbeiter erkranken häufig und die Ursache ist die hohe Schadstoffbelastung an den Arbeitsplätzen. Würde man dann den Führungskräften beibringen, die Symptome einer Vergiftung zu erkennen und ein umfassendes Gesundheitsförderungsprogramm ins Leben rufen mit Waldläufen zum Ausgleich und einer Anlaufstelle außerhalb des Unternehmens für vergiftete Mitarbeiter, die sich anonym Hilfe holen können?

Mit Verlaub, Herr Thönneßen, Sie treffen den Nagel auf den Kopf, besser kann man das nicht ausdrücken. Ich weiß schon, warum ich Ihre Artikel immer wieder gerne lese!

BGHW aktuell: Psychische Belastungen

Die Berufsgenossenschaft Handel und Warendistribution (BGHW) gibt vierteljährlich das Informationsblatt BGHW aktuell heraus. Der Schwerpunkt der Ausgabe im August liegt bei den psychischen Belastungen. In diesen Beiträgen wird das Thema erläutert:

Über den letzten Beitrag musste ich ein bisschen den Kopf schütteln. Dort heißt es:

Es sollte eine offene Kommunikation gesucht werden. Es ist keine Schande, mit seinen direkten Vorgesetzten über dieses Problem zu reden und beispielsweise mehr Handlungsspielraum oder Rückendeckung einzufordern. Auch mit ihren Mitarbeitern sollte eine Führungskraft regelmäßige Gespräche führen. Diese Gespräche sind nämlich ein wichtiges Instrument, um eine Rückmeldung auch zum eigenen Verhalten zu bekommen.

Ich frage mich, was eine mittlere Führungskraft mit einer solchen Aussage anfangen soll.

Hingegen konnte ich Hinweise zur systematischen Beurteilung psychischer Gefährdungsfaktoren leider nicht finden.
Schade eigentlich, ausgerechnet eine BG verpasst hier eine Chance zur Aufklärung.

Sarkastisches Smiley

Sie können auch das gesamte Heft als pdf-Datei herunterladen.

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Stress- und Mentalcoaches?

Ich bin ehrlich und gebe zu, dass mich so etwas nervt: Ganzheitlicher Therapieansatz umfasst auch die mentale Ebene. In dem Artikel lesen wir:

Im Rahmen der Gesundheitsförderung greifen deshalb Privatpersonen genauso wie Firmen immer mehr auf die Arbeit von Stress- und Mentalcoaches zurück, um einen Leistungsabfall und stressbedingte Erkrankungen zu vermeiden.

Wie wäre es denn, wenn wir in den Unternehmen einfach unseren Job machten? Ganz seriös, Schritt für Schritt, beginnend mit einer Gefährdungsbeurteilung? Lassen Sie uns an den Belastungen arbeiten, meines Erachtens haben wir auf diesem Feld genug zu tun.

Das Belastungs – Beanspruchungs – Konzept aus Sicht des Arbeitsmediziners

Für mich ist das Belastungs – Beanspruchungs – Konzept eines der Schlüssel zum Verständnis der modernen Arbeitssicherheit. Schließlich lassen sich hieraus Konzepte wie Verhaltens – und Verhältnisprävention ableiten und verstehen. Prof. Ekkehard Münzberger von der Universität Rostock hat einen Lehrbrief “Einführung in die Arbeitsmedizin” verfasst, in dem er o. a. Konzept aus arbeitsmedizinischer Sicht erläutert. Eine wertvolle Ergänzung für Fachkräfte für Arbeitssicherheit und alle Interessierten.