Mitarbeiterbefragung in der Pflege und der Behindertenhilfe

Mitarbeiter in der Pflege und der Behindertenhilfe sind oft besonderen psychischen Belastungen und Beanspruchungen ausgesetzt. Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) hat eine Neuauflage ihrer Praxisanleitung zur Mitarbeiterbefragung veröffentlicht. Sie erfahren dort, wie Sie bei einer derartigen Befragung vorgehen können. Sie finden in der Broschüre auch die geeigneten Fragebögen. Sie können den Leitfaden als pdf-Datei herunterladen.

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Mitteilen/Lesezeichen

Der Unterschied zwischen Verhaltens- und Verhältnisprävention, mal anders ausgedrückt

Johannes Thönneßen gehört mit seinem MW-online-Blog zu den Autoren, die ich regelmäßig lese. Vor kurzen erschien von ihm ein Artikel zum Thema Burnout: Burn-out diagnostizieren?
Dort schreibt er:

Bei der erwähnten Umfrage unter Personalern ist herausgekommen, dass eine wirkungsvolle Maßnahme die betriebliche Gesundheitsförderung sein soll – sagen die Personaler. Damit soll psychischen Belastungen vorgebeugt werden. Gleichzeitig werden als Hauptbelastungsfaktoren der starke Erfolgsdruck, der Zeitdruck, die ständige Erreichbarkeit und die Arbeitsverdichtung genannt.

Hier stimmt doch etwas nicht, oder? Mal angenommen, ein Unternehmen stellt fest, die Mitarbeiter erkranken häufig und die Ursache ist die hohe Schadstoffbelastung an den Arbeitsplätzen. Würde man dann den Führungskräften beibringen, die Symptome einer Vergiftung zu erkennen und ein umfassendes Gesundheitsförderungsprogramm ins Leben rufen mit Waldläufen zum Ausgleich und einer Anlaufstelle außerhalb des Unternehmens für vergiftete Mitarbeiter, die sich anonym Hilfe holen können?

Mit Verlaub, Herr Thönneßen, Sie treffen den Nagel auf den Kopf, besser kann man das nicht ausdrücken. Ich weiß schon, warum ich Ihre Artikel immer wieder gerne lese!

BGHW aktuell: Psychische Belastungen

Die Berufsgenossenschaft Handel und Warendistribution (BGHW) gibt vierteljährlich das Informationsblatt BGHW aktuell heraus. Der Schwerpunkt der Ausgabe im August liegt bei den psychischen Belastungen. In diesen Beiträgen wird das Thema erläutert:

Über den letzten Beitrag musste ich ein bisschen den Kopf schütteln. Dort heißt es:

Es sollte eine offene Kommunikation gesucht werden. Es ist keine Schande, mit seinen direkten Vorgesetzten über dieses Problem zu reden und beispielsweise mehr Handlungsspielraum oder Rückendeckung einzufordern. Auch mit ihren Mitarbeitern sollte eine Führungskraft regelmäßige Gespräche führen. Diese Gespräche sind nämlich ein wichtiges Instrument, um eine Rückmeldung auch zum eigenen Verhalten zu bekommen.

Ich frage mich, was eine mittlere Führungskraft mit einer solchen Aussage anfangen soll.

Hingegen konnte ich Hinweise zur systematischen Beurteilung psychischer Gefährdungsfaktoren leider nicht finden.
Schade eigentlich, ausgerechnet eine BG verpasst hier eine Chance zur Aufklärung.

Sarkastisches Smiley

Sie können auch das gesamte Heft als pdf-Datei herunterladen.

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Stress- und Mentalcoaches?

Ich bin ehrlich und gebe zu, dass mich so etwas nervt: Ganzheitlicher Therapieansatz umfasst auch die mentale Ebene. In dem Artikel lesen wir:

Im Rahmen der Gesundheitsförderung greifen deshalb Privatpersonen genauso wie Firmen immer mehr auf die Arbeit von Stress- und Mentalcoaches zurück, um einen Leistungsabfall und stressbedingte Erkrankungen zu vermeiden.

Wie wäre es denn, wenn wir in den Unternehmen einfach unseren Job machten? Ganz seriös, Schritt für Schritt, beginnend mit einer Gefährdungsbeurteilung? Lassen Sie uns an den Belastungen arbeiten, meines Erachtens haben wir auf diesem Feld genug zu tun.

Das Belastungs – Beanspruchungs – Konzept aus Sicht des Arbeitsmediziners

Für mich ist das Belastungs – Beanspruchungs – Konzept eines der Schlüssel zum Verständnis der modernen Arbeitssicherheit. Schließlich lassen sich hieraus Konzepte wie Verhaltens – und Verhältnisprävention ableiten und verstehen. Prof. Ekkehard Münzberger von der Universität Rostock hat einen Lehrbrief “Einführung in die Arbeitsmedizin” verfasst, in dem er o. a. Konzept aus arbeitsmedizinischer Sicht erläutert. Eine wertvolle Ergänzung für Fachkräfte für Arbeitssicherheit und alle Interessierten.

Belastung und Beanspruchung

Die Unterscheidung der Begriffe “Belastung” und “Beanspruchung” ist ein Grundkonzept in der Arbeitssicherheit. Um es kurz zu erklären: Bei einem Zementsack mit der Masse 50 kg besteht die Belastung aus ebendiesen 50 kg. Nicht mehr und nicht weniger, und zwar für jeden Menschen gleich. Es besteht aber ein gravierender Unterschied, ob ich den 50-kg-Zementsack durch die Gegend schleppe oder Arnold Schwarzenegger in seinen besten Tagen. Die Beanspruchung ist für  Arnie eine andere als für mich. Wir haben eben unterschiedliche Leistungsvoraussetzungen. Miglena Cholakova, Sonja Reichert und Victoria Thio habe sich in einer Seminararbeit an der TU Darmstadt kritisch mit dem Konzept auseinandergesetzt: Unterscheidung Belastung und Beanspruchung – kritische Aufarbeitung eines Konzeptes (pdf). Näher beleuchtet werden:

  • Die Definitionen
  • die rechtlichen Grundlagen
  • das Konzept selbst und
  • kurzfristige beeinträchtigende Folgen psychischer Belastung und Beanspruchung

Sind Sie Burnout gefährdet?

Jochen Mai hat auf seinem lesenswerten Blog “Karrierebibel” vor einiger Zeit einen Selbsttest zum Thema “Burnout am Arbeitsplatz” veröffentlicht: Wie nahe stehen Sie einem Burnout?  Der Test besteht aus verschiedenen Aussagen zu psychischen, physischen und sozialen Symptomen. Sie entscheiden, ob Sie diesen Aussagen in Ihrer Situation zustimmen oder nicht. Anhand der Anzahl der Zustimmungen können Sie sich Ihr Ergebnis anzeigen lassen. Klar, so ein Test hat keinen Anspruch auf wissenschaftliche Relevanz. Dennoch kann er in einem ersten Schritt Hinweise zur persönlichen psychischen Beanspruchung geben. Bei dem reinen Test bleibt es aber nicht. Jochen Mai gibt wertvolle Hinweise zu theoretischem Hintergrund und Vorbeugung.