Tipps zum alte(rn)sgerechten Arbeiten

In Anbetracht des Fachkräftemangels, der uns von vielen Seiten prophezeit wird, wundert es mich ein wenig, dass die Betriebe dem demographischen Wandel so wenig Aufmerksamkeit schenken. Nein, ich meine nicht die großen Konzerne, die ihre Pläne für altersgerechtes Arbeiten schon umsetzen oder zumindest in der Schublade haben. Ich rede hier von kleinen und mittleren Unternehmen, die offenbar wieder einmal so lange warten, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist.

Auch wenn dieser Tage viel von Ausbildungsoffensive gesprochen wird, so stellt dies nur eine Lösung von vielen dar. Eine andere wäre, auch ältere Beschäftigte länger im Arbeitsverhältnis zu halten. Dazu gehört natürlich, dass man die Arbeitsplätze so gestaltet, dass sie für ältere Arbeitsnehmer auch geeignet sind. Als Minimum gehört dazu, dass diese frei von psychischen Fehlbelastungen sind. Um herauszubekommen, ob dies tatsächlich so ist und um ggf. geeignete Maßnahmen zu ergreifen, diese zu beseitigen, böte sich eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen an. Aber die führen ja ohnehin schon alle Firmen durch, schließlich sind sie ja vorgeschrieben oder?

Eine gute Einführung in das Thema “alter(ns)gerechtes Arbeiten” bietet auch eine einschlägige Schrift der BAuA: Alterns- und altersgerechte Arbeitsgestaltung. Grundlagen und Handlungsfelder für die Praxis. Autor I. Mühlenbrock gibt einen umfassenden Überblick zu den Handlungsfeldern:

  1. Bedeutung und Hintergrund
  2. Gestaltungsfeld “Arbeitsaufgabe”
  3. Gestaltungsfeld “Arbeitsorganisation”
  4. Gestaltungsfeld “Soziale Beziehungen”
  5. Gestaltungsfeld “Arbeitsumgebung”
  6. Gestaltungsfeld “Betrieblicher Kontext”

Sie sehen, dass die Punkte 2 bis 4 Themenfelder sind, die auch von der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen erfasst werden. Betriebe können also zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Sie bedienen Themen des Arbeitsschutzes und des demographischen Wandels.

Sie können die Broschüre kostenlos als pdf-Datei herunterladen.

BAuA_Demographie

Wie sieht das Büro der Zukunft aus?

Was haben wir schon alles an Büros gesehen. Vom holzvertäfelten Chefbüro des Patriarchen (Erich Mielke hatte so eines) bis zu den quadratischen Hühnerboxen in amerikanischen Großraumbüros. Momentan ist es modern, überhaupt keine festen Arbeitsplätze in den Büros zur Verfügung zu stellen. Man muss das nehmen, was gerade da ist.

Über den Sinn und Unsinn moderner Bürogestaltung diskutierten kürzlich unter der Leitung von Jürgen Heilig Prof. Dr. Uta Brandes, International School of Design, Köln,  Johannes Rosenboom, Microsoft Deutschland  und Prof. Dr. Dirk Windemuth, Psychologe, Institut für Arbeit und Gesundheit, Dresden. Für mich als gelernten Sicherheitsingenieur waren besonders die Ausführungen von Herrn Windemuth von Interesse. Offensichtlich beißt sich die moderne Gestaltung der Büros durchaus mit den Wohlfühlbedürfnissen unserer Mitarbeitermenschen. Johannes Rosenboom schien davon erwartungsgemäß wenig beeindruckt. Machen Sie sich selbst ein Bild, Sie können die Diskussion als mp3-Datei herunterladen und nachhören.

Linktipps: Trends in der Arbeitswelt

Momentan recherchiere ich ein wenig zum Thema "(Mega-) Trends in der Arbeitswelt. Die vorläufige Ausbeute möchte ich den Lesern dieses Blogs nicht vorenthalten. Hier die Liste:

Kinkel et. al.: Arbeiten in der Zukunft – Strukturen und Trends der Industriearbeit
(Download pdf-Datei)

Dies ist ein Arbeitsbericht des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB). Untersucht werden in dem Bericht:

  • Zukünftige Marktanforderungen und Industriearbeit
  • Zukünftige Organisationsformen und Industriebarbeit
  • Neue Technologien und Industriearbeit

TAB_Zukunft

Jutta Rump: Trends in der Arbeitswelt: Was man heute für morgen wissen sollte
(Download pdf-Datei)

Prof. Dr. Jutta Rump ist Professorin an der FH Ludwigshafen und Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability IBE ebendort. Darüberhinaus ist sie Themenbotschafterin für Chancengleichheit & Diversity bei der INQA.

Rump_Vortrag_HH

N.N.: So leben wir 2030
(Download pdf-Datei)

Ergebnisse eines Seminars der Universitäten Chemnitz und Magdeburg, in dem Studierende Antworten auf Fragen zu den Themen Arbeitsmarkt, Rentensystem, Wohnungsmarkt, Kapitalanlagen, Technik und Finanzmarkt, Rohstoffe und Energie, Freizeit, Gesundheitssystem sowie Bildung zu finden versuchten.

Florian Gerster et. al.: Arbeitswelt 2030
(Download pdf-Datei)

Dies ist ein Bericht des Managerkreises der Friedrich-Ebert-Stiftung, der sich als “Brücke zwischen Management und Politik sieht”.

Trends_Managerkreis

Das reicht als Lesestoff für die nächsten Wochen. Zwinkerndes Smiley

Die Börse für Jobs zum Jobausstieg: Escape the City

Offensichtlich findet in unserem Wirtschaftssystem jede Nachfrage ihr Angebot (oder umgekehrt, das ist wohl das Problem des Eis und Henne). Rob Symington und Dom Jackman haben eine Jobbörse für Vielarbeiter gegründet, die aussteigen wollen. Escape the City heißt sie. Zur Zielgruppe des Angebots gehören die üblichen verdächtigen Arbeitssüchtigen, wie Banker, Anwälte, Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberater. Viele sind schlicht und einfach auf der Suche nach Sinn und gerne bereit, dafür auf ihr hohes Einkommen zu verzichten. Ins Angebot des Portals kommen nur Tätigkeiten, die “interessant” sind, was immer das heißt.

Wenn Sie näheres über Escape the City erfahren wollen, dann lesen Sie den Artikel von Tina Kaiser: So schaffen frustrierte Workaholics den Ausstieg. Ich bin mir sicher, wir müssen nicht lange warten, bis es ein Gegenstück für den deutschsprachigen Raum gibt.

BTW: Auch in diesem unseren Lande fällt mir immer wieder auf, dass teils voller Stolz, teils mit Bedauern von 12 – und 14 – Stunden – Tagen gesprochen wird. Es hat sich offensichtlich noch immer nicht herumgesprochen, dass eine derartige Arbeitsweise aus arbeitswissenschaftlicher Sicht blanker Unsinn ist. Außerdem gibt es in Deutschland ein Arbeitszeitgesetz (hier der Text). Wie wir wissen, ist ein Gesetz nur dann etwas wert, wenn seine Einhaltung kontrolliert wird. Wenn es schon an der Vernunft fehlt, wo bleibt dann die Kontrolle?

Die 8 Stresstypen

Paul J. Rosch ist Präsident des American Institute of Stress. In einem Artikel für die Huffington Post beschreibt er die 8 wichtigsten Stresstypen: The 8 Types Of Work-Related Stress. Diese sind:

  1. Der überarbeitete Untergebene
  2. Der frustrierte Ellenbogentyp
  3. Der Ausgestoßene
  4. Der Fußabstreifer
  5. Der Gefangene der Technik
  6. Der Ausgebrannte
  7. Das Objekt für Mobbing
  8. Das geschädigte Opfer

Jetzt müsste der Herr Präsident neben der Beschreibung der Merkmale nur noch geeignete Maßnahmen zur Abhilfe benennen. Allerdings fällt das ein bisschen dünn aus. Wie auch immer, Sie haben sicher schon gemerkt, dass Ursachen und Lösungen etwas mit Mitarbeiterführung zu tun haben.