Älter werden im Pflegeberuf

Während meiner Ausbildung zum Demographieberater hatte ich die Gelegenheit, für eine Klinik die Altersstruktur der Mitarbeiter zu analysieren und Maßnahmen zur Erhaltung der Leistungsfähigkeit und –bereitschaft vorzuschlagen. Nun komme ich ursprünglich aus der produzierenden Industrie und für mich war dieser Blick über meinen persönlichen Tellerrand sehr erhellend. Von der BG Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege BGW stammt eine Broschüre, die sich mit dem Thema “demographischer Wandel” auseinandersetzt: Älter werden im Pflegeberuf (pdf-Datei). Entlang des Handlungskreislaufs werden in der Schrift alle Schritte beleuchtet, die zur erfolgreichen Demographiearbeit in Pflegeorganisationen zu beachten sind. Auf der Basis der Ergebnisse einer Altersstrukturanalyse werden 4 Handlungsfelder beschrieben:

  1. Personalführung und Rekrutierung
  2. Arbeitsorganisation und Arbeitsgestaltung
  3. Qualifikation und Kompetenzentwicklung
  4. Arbeits- und Gesundheitsschutz

Hinweise zur Durchführung und Evaluation runden das Thema ab. Die Autoren folgen mit dieser Struktur weitgehend dem Vorgehen der Demografie-Experten e. V. 

BGW_Ältere

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Jane Fonda über den dritten Lebensabschnitt

Jane Fonda ist eine bemerkenswerte Frau, und eine streitbare dazu, wie wir wissen. In einem Vortrag beschäftigt sie sich damit, wie wir das Mehr an Lebenszeit, das spätestens für unsere Generation zur Regel geworden ist, sinnvoll nutzen können:

Innerhalb dieser Generation wurde unsere Lebenserwartung um weitere 30 Jahre verlängert – und diese Jahre sind nicht nur eine Fußnote oder eine Diagnose. Jane Fonda fragt bei der TEDxWomen-Konferenz, wie wir mit dieser neuen Lebensphase umgehen können.

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Ältere am Arbeitsmarkt

Unter diesem Titel veröffentlichte die Bundesagentur für Arbeit eine Studie über die Entwicklung der Arbeitsmarktsituation für Menschen zwischen 50 und 64 Jahren. Die wichtigsten Ergebnisse der Untersuchung können Sie in einer Zusammenfassung auf dem Blog der Becker Stiftung nachlesen. Für mich besonders interessant (Zitate):

  • Mit 27,5 Prozent ist die Beschäftigungsquote der über 60-Jährigen noch immer auf niedrigem Niveau
  • Die Arbeitslosigkeit von über 55-Jährigen stieg, unter anderem, durch das Auslaufen vorruhestandsähnlicher Regelungen
  • Arbeitslosigkeit zu beenden, ist für Ältere schwieriger als für Jüngere
  • Der Anteil der Langzeitarbeitslosen unter Älteren höher als im Durchschnitt aller Altersklassen

Nun darf man gespannt sein, ob eine Trendwende in der Denke der Personalabteilungen stattfindet und wenn ja, wie lange es dauert, bis sie sich in den Statistiken widerspiegelt.

Sie können den Ergebnisbericht auf der Seite der Bundesarbeitsagentur kostenlos herunterladen (pdf).

ÄltereArbeitsmarkt

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Länger arbeiten: Pro und Contra

Mittlerweile ist sie eingeführt, die Rente mit 67, die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 69 Jahre wird in Fachkreisen bereits diskutiert. Ich gebe zu, meine Meinung zu dem Thema ist gespalten. Mir in diesem Zusammenhang ein Zitat im Kopf herum, dass ich in einer Rundfunkdiskussion gehört habe:

  • 1 Drittel der Menschen kann nicht (länger arbeiten)
  • 1 Drittel der Menschen will nicht
  • 1 Drittel der Menschen darf nicht

Gesetze sind schnell verabschiedet. Wie Sie dann aber in der Praxis umgesetzt werden sollen, steht oft in den Sternen. Ich habe jedenfalls nicht den Eindruck, dass insbesondere bei den mittelständischen Unternehmen das Problem “Umgang mit älteren Arbeitnehmern” angekommen ist.

Die österreichische Website presse.com hat in einem Artikel das Für und Wider der längeren Berufstätigkeit gegenübergestellt:

Pro Contra
Länger leben heißt länger arbeiten Das tatsächliche Renteneintrittsalter
Hohe Einsparungen Ältere Arbeitnehmer werden nicht beschäftigt
Karrierechancen für Fachkräfte Nicht jeder kann länger arbeiten
Kein Pensionsschock Flexibilität statt starrer Altersgrenzen

In einem Artikel in der online-Ausgabe der “Zeit” stellt Friederike Lübke ebenfalls die Frage nach der längeren Arbeitszeit: Gehen oder bleiben? In dem Beitrag portraitiert die Autorin vier ältere Arbeitnehmer, die aus unterschiedlichen Motiven zu unterschiedlichen Antworten kommen.

Ich denke, wir werden noch einigen Gehirnschmalz auf dieses Thema verwenden müssen. Das Ganze ähnelt eher dem berühmten Im-Nebel-Stochern. Von etwas, was wir “Strategie” nennen könnten, sind wir noch meilenweit entfernt.

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Profitieren Betriebe vom richtigen Altersmix?

Das BMAS veröffentlichte kürzlich den ersten Fortschrittsreport zur altersgerechten Arbeitswelt und diskutierte dessen Inhalt mit Vertretern der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite. Die wichtigsten Ergebnisse des Reports:

  • Die Erwerbstätigenquote der 60 bis 64-Jährigen ist auch im Jahr 2010 weiter auf 40,8 Prozent gestiegen (2009: 38,4 Prozent).
  • Der Anteil der Erwerbstätigen hat sich weiter an den Anteil der Rentner in dieser Altersgruppe angenähert.
  • Die Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen ist seit 2000 in Deutschland stärker gestiegen als in fast allen anderen EU-Ländern, bei den 60- bis 64-Jährigen war der Anstieg in Deutschland sogar am stärksten in der EU.

In der entsprechenden Pressemitteilung wird eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zitiert. Dort heißt es:

  • Die Produktivität eines Betriebes erhöht sich laut einer Studie des ZEW um gut 0,5 Prozent, wenn der Anteil der 45- bis 50-Jährigen an der Gesamtbelegschaft um einen Prozentpunkt zunimmt.
  • Wenn altersgerechte Arbeitsplätze vorhanden sind, steigt laut ZEW die Produktivität der Beschäftigten zwischen 45 und 50 Jahren sogar um zwei Prozent.

Na ja, mit der Statistik ist es so eine Sache. Mit ähnlichen “Steigerungsraten” bei den Geburten in Deutschland hatte Frau von der Leyen seinerzeit als Familienministerin den Erfolg ihrer Familienpolitik begründet. Der Chefarzt der Gynäkologie des hiesigen Klinikums kommentierte dies seinerzeit mit einem nicht druckbaren Statement.

Vielleicht können wir uns einigen, dass altersgemischte Teams der Produktivität zumindest nicht schaden. Wenn das bei den Unternehmen ankäme, dann wäre bereits viel gewonnen. Momentan sehe ich das noch nicht. Ich fühle mich in meiner Wahrnehmung auch von einem Artikel in dem österreichischen Magazin Profil bestätigt: Warum kaum jemand bis 65 arbeiten darf und will – und die Regierungspläne scheitern. Ok, es geht hier um Österreich, aber die Bewusstseinslage in deutschen Unternehmen sehe ich ähnlich.

Dennoch bin ich optimistisch.
Beim demographischen Wandel läuft die Uhr.
Ob man will oder nicht.

Den o.a. Bericht können Sie als pdf-Datei kostenfrei herunterladen.

Fortschrittsreport_1

[via INQA]

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Leistungspotenziale älterer Mitarbeiter besser nutzen

Die Vereinigung der Arbeitgeberverbände der Deutschen Papierindustrie e.V. (VAP) hat eine Broschüre veröffentlicht, die sich mit den Potenzialen älterer Arbeitnehmer beschäftigt. Sie trägt den Titel “Leistungspotenziale älterer Mitarbeiter besser nutzen” und kann als pdf-Datei auf der Website des VAP heruntergeladen werden. Die Papierindustrie kämpft schon seit jeher den War on Talents und hatte es schon immer schwer, ausreichend Nachwuchskräfte zu bekommen. Ich weiß das, denn ich habe in meinem früheren Leben als Papieringenieur in der Papiererzeugung gearbeitet. Es freut mich daher besonders, dass die Verantwortlichen in dieser Branche die Chancen erkennen, die in der Erfahrung und dem Know-how ihrer älteren Mitarbeiter liegen.

Laut einer Meldung der INQA ist der VAP auch bei dem Projekt “Umsetzung von Demografie-Tarifverträgen (DemTV)” beteiligt. Das Projekt hat eine eigene Website, wo Sie nähere Informationen einholen können. Sie finden dort u.a. eine Fülle von Präsentationsunterlagen, weiterführende Links und Hinweise zu einschlägigen Weiterbildungsangeboten.

VAP_Leistungspotenziale

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Wie Sie auch im reifen Alter eine Stelle finden

Was den Umgang mit dem demographischen Wandel angeht, bin ich hin und her gerissen. Auf der einen Seite werden öffentliche Institutionen wie INQA, Ministerien und Verbände nicht müde, die Wichtigkeit dieses Themas zu betonen. Auf der anderen Seite erlebe ich in der Praxis, dass viele Unternehmen – positiv ausgedrückt – die Brisanz noch nicht erkannt haben oder – negativ ausgedrückt – sogar ignorieren.

Und so kommt es, dass zwar in der Presse die Vorzüge älterer Arbeitnehmer gepriesen werden, arbeitslose Menschen über 50 aber dennoch Schwierigkeiten haben, wieder in Lohn und Brot zu kommen. Uta Glaubitz ist Berufsberaterin und hat einen Artikel verfasst, der älteren Mitarbeitern auf der Suche nach einem Arbeitsplatz Mut machen soll: Ich stecke 30-Jährige in die Tasche. Den acht Tipps, die sie in ihrem Beitrag Betroffenen gibt, merkt man an, woher sie kommen. Die Handschrift von Dick Bolles, dem Guru der Arbeitsplatzsuche, ist unverkennbar. Seinen Klassiker kann ich uneingeschränkt empfehlen: What Color Is Your Parachute?

Die deutsche Ausgabe, nicht ganz so aktuell, dafür aber von Madeleine Leitner hervorragend den deutschen Besonderheiten angepasst, lege ich Ihnen wärmstens ans Herz: Durchstarten zum Traumjob.

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Selbstständig sein im Alter

Vor einigen Wochen habe ich in diesem Blog das wunderbare Buch von Richard Bolles “Die besten Jahre” vorgestellt. Ein großer Teil des Buchs widmet sich der finanziellen Situation im Ruhestand. Was für die Amerikaner selbstverständlich ist, ist für uns (noch) die Ausnahme: Running the own business oder arbeiten als Selbstständige(r ). Hier bietet sich die Möglichkeit, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden, denn zum einen braucht man nicht die Hände in den Schoß zu legen, zum anderen ist das zusätzliche Einkommen auch nicht zu verachten. Doch auch hierzulande scheinen immer mehr Ruheständler über die selbstständige Arbeit nachzudenken. Jonas Jansen beschreibt in seinem Artikel die Möglichkeiten, aber auch die Schwierigkeiten: Die grauen Gründer starten durch. Kernaussage des Artikels:

Viele Ältere fühlen sich noch nicht reif für die Rente und verselbstständigen sich im gehobenen Alter. Sie punkten mit Erfahrung und guten Kontakten. Beim Marketing müssen allerdings viele noch dazulernen.

Das Zitat gefällt mir persönlich am besten: “Lieber spät als nie”.

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