Wer kümmert sich um die psychische Gesundheit?

Ich gebe zu, es fällt mir immer schwerer, für dieses Weblog zu schreiben. Sie haben das sicher schon bemerkt, denn die Artikel werden weniger. Als ich es gestartet habe, war ich voll Begeisterung für das Thema „Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz“. Die Begeisterung ist der Ernüchterung gewichen. Ich musste lernen, dass ein großer Unterschied besteht zwischen der Aufmerksamkeit, das dieses Thema in der Presse genießt und der Aufmerksamkeit, die die verantwortlichen Akteure in den Betrieben dafür aufbringen.

In der Ausbildung zum Sicherheitsingenieur bei der VBG war viel von der „Maßnahmenhierarchie“ die Rede, also davon, dass immer Verhältnisprävention der Verhaltensprävention vorzuziehen ist. Papier ist bekanntlich geduldig und so wird der interessierte Beobachter feststellen, dass das Problem „Psychische Belastung am Arbeitsplatz“ in der veröffentlichten Meinung individualisiert wird. Es wird also ausschließlich zur Angelegenheit der einzelnen Mitarbeiter. Dass das Gesetz eine andere Aussage trifft, interessiert nicht weiter, denn bekanntlich gibt es keinen Richter, wenn der Kläger fehlt (… und der Richter auch gar keine Handhabe hat).

Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch Christoph Lixenfeld in seinem Beitrag „Vor Burnout muss man sich selbst schützen“. Er schreibt:

Natürlich können Arbeitgeber viel gegen das Ausbrennen ihrer Mitarbeiter tun – und sie sollten es im Eigeninteresse tun. Schließlich leidet auch das Unternehmen darunter, wenn Mitarbeiter längerfristig wegen Krankheit ausfallen. Theoretisch. In der Praxis, das hat jeder Angestellte schon erlebt, sind Jasager und ehrgeizige Selbstausbeuter für den Chefs angenehme Mitarbeiter, Querdenker und Widersprecher werden allenfalls in Firmenbroschüren gelobt.

Das allein ist es gar nicht, die Arbeitgeber sind vielmehr dazu verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen durchzuführen. Sie tun es aber nicht. Na und?

Mitteilen/Lesezeichen

Interview mit Arbeitsministerin Andrea Nahles

Heute erschien bei haufe.de ein Interview mit Andrea Nahles: „Die Politik hat kein Gestaltungsmonopol“. Mich hat diese Überschrift für ein Interview ausgerechnet mit Andrea Nahles sehr überrascht und neugierig gemacht. Folgende Themen werden angerissen:

  • Arbeiten 4.0
  • Die gesundheitlichen Auswirkungen von „New Work“
  • Die freie Gestaltung der Arbeitszeit
  • Die Arbeitsstättenverordnung
  • Chancen und Risiken des neuen Arbeitens

Mir ist beim Lesen aufgefallen, dass offensichtlich die Politik nicht nur kein Gestaltungsmonopol mehr hat, sondern generell die Gestaltung dem „freien Spiel“ der Kräfte der Märkte überlässt. In den letzten Jahren hat man sich vom Spielfeld zurückgezogen, nun ist es schwer, auf den Platz zurückzukehren.

 

„Gesunde Arbeit“ – Eine Kampagne des BDP

Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. (BDP) betreibt eine Kampagne mit dem Titel „Gesunde Arbeit“. Auf der dazu gehörenden Website finden Sie allerhand nützliche Informationen in Form von Präsentationen. Die Themen reichen von Burnout über demografischen Wandel bis hin zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement. Sie können die Präsentationen als pdf – Datei herunterladen. Wenn Sie möchten, kommt auch jeden Monat eine neue Folge zu Ihnen in den elektronischen Briefkasten.

Arbeits- und Organisationspsychologen sind sicher die Ansprechpartner für Problemfälle im Betrieb. Insbesondere ein Employee Assistance Program (EAP) kann eine sinnvolle Maßnahme sein.

Für eine Gefährdungsbeurteilung müssen Sie jedoch nicht zwingend einen Psychologen hinzuziehen. Wenn allerdings die Auswertung zeigt, dass die Analyse vertieft werden muss und entsprechende Verfahren zum Einsatz kommen, muss ein geschulter Psychologe hinzugezogen werden. Insbesondere ist dies bei Expertenverfahren der Fall. Eine Übersicht hierzu finden Sie auf der Website der BAuA.

Der Einfluss der Führung auf die Gesundheit der Mitarbeiter

Die Behauptung, dass die Führung einen bedeutenden Einfluss auf das psychische Wohlbefinden der Mitarbeiter hat, dürfte wohl nicht mehr bestritten werden. Unter dem Dach der BAuA haben drei Forschungsteams den Einfluss der Führung näher untersucht. Die Ergebnisse der Arbeit wurden in der Publikation „Rewarding and sustainable healthpromoting leadership“ zusammengefasst, die Sie als pdf-Datei kostenlos herunterladen können.
Leider ist der Text in englischer Sprache verfasst, es gibt aber eine umfangreiche deutsche Zusammenfassung.

Wie immer handelt es sich bei dem Bericht um BAuA-übliche schwere wissenschaftliche Kost. Wer es leichter verdaulich haben möchte, dem sei die Seite „Managementführung“ bei der EU-OSHA empfohlen.

Wo finde ich was? Das neue Regelwerk der DGUV

Ich hatte es schon bei meinem letzten Beitrag vermutet: Das Regelwerk der DGUV hat sich geändert. Anders gestaltet wurden beispielsweise die Struktur der Veröffentlichungen und die dazugehörigen Bezeichnungen. Die Veröffentlichungen sind nun unterteilt in:

  • DGUV Vorschriften
  • DGUV Regeln
  • DGUV Informationen und
  • DGUV Grundsätze

Ein Verzeichnis der Veröffentlichungen finden Sie in der Transferliste DGUV Regelwerk (Download pdf-Datei). Dort sind auch die Broschüren aufgelistet, die nicht mehr geführt werden. Leider ist bei den Publikationen, die „vom Markt genommen“ wurden, auch das eine oder andere nützliche Werk dabei. Ganz verschwunden sind diese aber noch nicht. In den Weiten des Internets gibt es noch die eine oder andere Behörden-Website, auf der Sie manche nicht mehr publizierte Broschüre finden können.

Es zahlt es sich manchmal aus, dass die Behördenmühlen langsam mahlen. 😉

DGUV Transferliste

 

Gefährdungsfaktoren im Büro

Manchmal lästern die Mitarbeiter im Büro über den eigenen Arbeitsplatz, wenn es um die Beurteilung von Gefährdungen geht: „Was soll uns schon passieren? Höchstens, dass wir mit der Kinnlade auf die Tischplatte fallen.“ Selbstironie hin oder her, auch im Büro gibt es allerhand Gefahren.

Zumindest so viel, dass die Gesetzliche Unfallversicherung eine eigene Information herausgegeben hat, die GUV-I 8713 mit dem Titel „Gefährdungs- und Belastungs-Katalog, Verwaltung, Büroräume (Bildschirmarbeiten)“.

Die Broschüre ist ein praxisnaher Leitfaden für das systematische Identifizieren von möglichen Gefährdungen im Bürobereich. Herunterladen können Sie die Broschüre als pdf-Datei zum Beispiel auf der Website der Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg (pdf-Datei).

Auf der Website der DGUV ist diese Publikation leider nicht mehr erhältlich. Ich werde recherchieren, ob diese nützliche Schrift in der Zwischenzeit durch eine andere aktuellere ersetzt worden ist. Vielleicht weiß ein Leser mehr.

 

Was ist „Burnout“ wirklich?

Sie alle kennen sicher das Gesundheitsmagazin „Apotheken Umschau“. Wenn nicht, es handelt sich um eine Kundenzeitschrift, die die Apotheken kostenlos für ihre Kunden bereithalten. Scherzhaft auch manchmal „Senioren-Stern“ genannt.

In einer Pressemitteilung zur Vorstellung der Ausgabe 2/2015 des Magazins war kürzlich zu lesen:

Weniger Burnout-Diagnosen / Vermutlich erkennen Ärzte in den Symptomen häufiger eine Depression

Wenn das so stimmt, dann ist das nur zu begrüßen, denn der Ausdruck „Burnout“ ist äußerst unscharf und allenfalls eine Zusatzdiagnose.

Schon 2012 hat die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) zu diesem Thema ein Positionspapier veröffentlicht. Zum Anlass für das Dokument schreiben die Autoren:

Die DGPPN sieht jedoch gleichzeitig in der jetzigen Burnout-Diskussion erhebliche Verwirrungen und potenzielle Fehlentwicklungen. Die Spannweite der Diskussion reicht von der völligen Negierung der Relevanz des Burnouts als psychische Erkrankung bis hin zur Warnung vor einer tickenden, bisher übersehenen Zeitbombe. So bedürfen nicht zuletzt folgende weitverbreitete Sichtweisen einer fachlichen Kommentierung.

Das Positionspapier ist trotz wissenschaftlicher Sprache auch für Laien gut zu lesen. Sie können es hier als pdf-Datei herunterladen.

Hingewiesen wurde ich auf das Paper in einem Seminar der VBG durch die Referentin Maria Köhne. Vielen Dank dafür!

Pressekonferenz zum Depressionsatlas der TK

Heute wurde in Berlin der Depressionsatlas der TK vorgestellt. Hier die Pressekonferenz dazu:

Die Pressemappe zum Depressionsatlas mit weiterführenden schriftlichen Informationen und den Atlas selbst können Sie auf der entsprechenden Seite herunterladen.

Psychisch Krank im Job – Was tun?

Eine psychische Erkrankung ist leider immer noch ein Tabuthema in weiten Teilen der Gesellschaft. Während der Satz „Isch hab Rücken“ schon zu den Elementen kabarettistischen Einlagen gehört, kann man mit dem Satz „Ich bin depressiv“ kaum reüssieren. Martina Gauder hat in Ihrem Artikel „Wie sag ich’s dem Chef“ einen besonders heiklen Aspekt des Themas aufgegriffen: Wie soll man mit psychischen Erkrankungen im Betrieb umgehen?

Bevor man allzu offen sein Herz auf der Zunge trägt, möge man die arbeitsrechtlichen Aspekte der Offenlegung der Erkrankung vor dem Arbeitgeber bedenken. Wie die Prognose der Heilungschancen aussieht, ist dabei nicht unerheblich.

Gute Hinweise gibt auch der Ratgeber „Psychisch krank im Job. Was tun?“, der vom Dachverband der BKK herausgegeben wurde. Sie können ihn kostenlos beim Psychiatrienetz als pdf-Datei herunterladen.

Psychisch Krank, was nun