Die Empfehlungen zur Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung in neuer Auflage

Wie allgemein bekannt (?), sind Arbeitgeber nach dem Arbeitsschutzgesetz verpflichtet, eine vollständige Gefährdungsbeurteilung durchzuführung. “Vollständig” heißt, dass auch psychische Gefährdungsfaktoren berücksichtigt werden müssen. In den o.a. Empfehlungen im Rahmen der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) werden die sieben Schritte beschrieben, die für eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen notwendig sind:

  1. Festlegung von Tätigkeiten/Bereichen
  2. Ermittlung der psychischen Belastung der Arbeit
  3. Beurteilung der psychischen Belastung der Arbeit
  4. Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen
  5. Wirksamkeitskontrolle
  6. Aktualisierung und Fortschreibung
  7. Dokumentation

Wenn Sie sich jetzt als Sicherheitsfachkraft an den berühmten “Handlungskreislauf” erinnert fühlen, dann liegen Sie nicht falsch.
Die Broschüre ist sehr knapp gehalten und dient lediglich als grober Leitfaden. Sie können sie kostenlos hier als pdf-Datei herunterladen.

Es gibt auch eine einschlägige Broschüre zur der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen, die sich an die Aufsichtspersonen wendet (pdf-Datei). Es kann ja nicht schaden, wenn Sie wissen, wie die darüber denken.

BTW: Ich habe Sicherheitsfachkräfte schon bei der Durchführung von Gefährdungsbearbeitung beraten. Wenn Sie Frage dazu haben, dann sprechen Sie mich gerne an.

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Mitteilen/Lesezeichen

Sexuelle Belästigung und Übergriffe am Arbeitsplatz

Sexuelle Belästigung und Gewalt am Arbeitsplatz ist sicher kein neues Thema, hat aber durch die unsäglichen Vorgänge in der Silvesternacht in Köln noch einmal an Aktualität und Brisanz gewonnen. Zu diesem Thema hat die European Agency for Safety and Health at Work (EU-OSHA) eine Infografik veröffentlicht. Dort gibt es auch ein entsprechendes Schaubild zum Thema Gewalt am Arbeitsplatz durch Dritte. Die EU-OSHA warnt eindringlich, derartige Vorkommnissen nicht zu bagatellisieren. Es gilt, schon den Anfängen zu wehren. Dem kann ich mich nur anschließen.

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Spielen mit Demenz

Sie kennen sicher alle dieses berühmte Memo-Spiel. Es besteht aus einer Menge Karten mit Bildern, wobei immer zwei Karten identisch sind und somit ein Paar bilden. Die Karten werden gemischt und dann verdeckt auf den Tisch gelegt. Abwechselnd können die Spieler nun immer zwei Karten aufdecken mit dem Ziel, zwei gleiche Karten zu finden. Wer zum Schluss die meisten Paare entdeckt hat, hat das Spiel gewonnen. Als sie noch klein waren, haben wir dieses Spiel oft mit unseren Kindern gespielt. Teilweise mit frustrierendem Ergebnis für uns, denn die Kinder haben uns teilweise wirklich alt aussehen lassen.

Alt aussehen und alt sein, sind zwei verschiedene Paar Stiefel. Leider bekommen viele Menschen im hohen Alter enorme Schwierigkeiten mit ihrem Gedächtnis bis hin zur Demenz. Warum nicht die positiven Effekte des o.a. Memo-Spiels auf das Gedächtnis für diese Zielgruppe nutzen? Der SingLiesel-Verlag hat genau das getan und ein “Memo-Spiel für die „Feuerzangenbowle“- Generation” herausgebracht: Stars der 50er und 60er Jahre. Als Sohn eines Betroffenen haben wir das Spiel über die Weihnachtstage getestet und für gut befunden. Die Kartenpaare bestehen aus den Fotos berühmter Filmstars der 50er und 60er Jahre, auf der einen Karte ist der Vorname des Stars, auf der anderen der Nachname zu finden. Wichtig ist, dass man sich nicht so sehr auf das Spielen selbst konzentriert, sondern im Dialog und durch viele Fragen das Gedächtnis des alten Menschen anregt. Manchmal gelingt es sogar, ganze Geschichten über Erlebnisse, die mit dem Star oder einem Film zusammenhängen, hervorzulocken (“Damals habe ich zum ersten Mal Popcorn gehabt”). Allerdings hätten wir uns gewünscht, dass man sich auf deutsche Filmstars beschränkt hätte. Die Erinnerung an amerikanische Leinwandhelden fiel doch zu schwer. Vielleicht gibt es auch einmal eine Variante mit Sportskanonen, wie Max Schmeling, Fritz Walter usw.

Alles in allem ein schöner Zeitvertreib, der allen Beteiligten gut tut. Die einen erinnern sich, die anderen erfahren den einen oder anderen Schwank aus dem Leben des Hochbetagten. Kurzweilig ist es allemal.

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BTW: Wenn Sie demente Angehörige haben, dann werfen Sie doch ein näheren Blick auf die Website von SingLiesel. Aus der Beschreibung der Initiative:

Der SingLiesel-Verlag wurde als Initiative betroffener Angehöriger gegründet. Ziel ist es, Bücher und Produkte für Menschen mit Demenz zu schaffen, die vor allem Freude bereiten und Angehörige und Pflegekräfte im Alltag entlasten.

Es lohnt sich, im Verlagsprogramm zu stöbern. Sie finden dort Bücher, Angebote aus Musik und Film und diverse Spiele.

Mangelt es wirklich an Sensibilität?

In der Ärzte Zeitung erschien kurz vor Jahreswechsel ein Artikel in dem von Autor Matthias Wallenfels die mangelnde Durchführung von Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen thematisiert wurde: Oft fällt die Psyche hinten runter. In dem Beitrag wird noch einmal darauf hingewiesen, dass “nur jede vierte Firma in Deutschland bei der Gefährdungsbeurteilung am Arbeitsplatz auch psychische Belastungen” erfasst werden. Der Grund dafür sei mangelnde Sensibilität für das Thema.

Ich bin mir nicht sicher, ob mangelnde Sensibilität wirklich der Grund dafür ist, dass das Thema Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung nicht und wenn, dann nur mit spitzen Fingern, angegangen wird. Ich stimme eher Frau Dr. Karin Müller, die in dem Artikel zitiert wird zu:

Psychische Belastungsfolgen sind in vielen Unternehmen ein Tabu. Die Analyse der psychischen Gefährdungen bringt in der Praxis zuweilen unangenehme Wahrheiten zutage, die häufig Handlungsbedarf bei den Unternehmensführungen erzeugen.

Für mich liegt hier der Hase im Pfeffer. Viele Unternehmensleitungen haben Angst davor, mit der Gefährdungsbeurteilung schlafende Hunde zu wecken. Sie wissen sehr gut, dass es allein mit der Analye nicht getan ist, vielmehr müssen auf die Analyse Maßnahmen zur Vermeidung von Gefährdung oder zur Verringerung von schlädlichen Gefährdungsfolgen getroffen und umgesetzt werden. Laut Sicht der Arbeitsmediziner seien die Führungskräfte in deutschen Unternehmen noch “nicht ausreichend sensibilisiert für das Gefährdungspotenzial, das psychische Erkrankungen birgt.” Das trifft es m. E. nicht. Viel eher sehen die Führungskräfte Nachteile für den laufenden Betrieb. Ihnen ist leider immer noch nicht klar, dass die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen nicht nur vermeintliche Risiken, sondern vielmehr große Chancen stecken. Denn gerade wenn Schwachstellen aufgedeckt und behoben werden, können erhebliche Potenziale freigesetzt werden, die zum Unternehmenserfolg beitragen.

Am Ende des Artikels wird beklagt, dass “Depressionen oft zu spät erkannt” werden. Das mag zwar richtig sein und ist bedauerlich, aber mit Prävention und Gefährdungsbeurteilung hat das gar nichts zu tun. Hier ist das Kind nämlich schon in den Brunnen gefallen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch ein Kommentar zum Artikel. Er zeigt, dass der Autor den Unterschied zwischen Verhältnis- und Verhaltensprävention überhaupt nicht begriffen hat. Der Autor zitiert einen Arbeitspsychologen, der diesen Unterschied zum Ausdruck bringt. Wie dieser es gesagt hat, mag fragwürdig sein (wenn es so stimmt), was er gesagt hat, ist vollkommen richtig.

Ach ja, auf die gesetzliche Verpflichtung zur umfassenden Gefährdungsbeurteilung hinzuweisen, erscheint mir vergebliche Liebesmüh, denn wo kein Kläger, da kein Richter.

Ergonomie am Arbeitsplatz

Immer wieder erhalte ich E-Mails mit Hinweisen auf  interessante Informationen oder Produkte. Nicht immer hält die Website das, was die E-Mail versprochen hat. Nicht so in diesem Fall. Die Firma Cairo, ein Versandhandel von Büro- und anderen Möbeln hat eine Abhandlung über Ergonomie am Arbeitsplatz veröffentlicht. Sie finden dort nützliche Informationen zu Bürostühlen, zum Schreibtisch und was sonst noch so zu einem Büroarbeitsplatz gehört. Sie können die Tipps sogar als pdf-Datei kostenlos herunterladen.

Für Ihren Kalender: Sicherheit und Gesundheit im 4.0-Zeitalter

Ich glaube, die meisten haben den Begriff Arbeit 4.0 schon gehört, doch richtig ins Bewusstsein gedrungen ist er noch nicht. Dabei werden wir alle die Konsequenzen zu spüren haben. Das IAG in Dresden greift das Thema auf und veranstaltet ebendort vom 11. – 12. Oktober eine Tagung mit dem Titel

Die Zukunft der Arbeit –
Das Umfeld der Arbeit von morgen effzient gestalten
Sicherheit und Gesundheit im 4.0-Zeitalter –
Arbeit, Verkehr, Bildung

Diskutiert werden soll unter anderem:

  • Welche Entwicklungen erwarten uns in den Bereichen Arbeit, Verkehr und Bildung?
  • Welche Chancen, Risiken, und Handlungsbedarfe ergeben sich daraus?
  • Wie können Sicherheit und Gesundheit auch weiterhin übergeordnete Werte bleiben?
  • Wie kann diese Entwicklung aus der Sicht der Prävention aktiv mitgestaltet werden?

Anmelden kann man sich ab März unter www.dguv.de/iag.

Bei mir steht der Termin bereits im Kalender, ich plane, an der Konferenz teilzunehmen.

2013 und 2015 hat Johannes Kleske auf der re:publica hoch spannende Vorträge zur Arbeit der Zukunft gehalten. Wenn Sie Ihre Kenntnisse auffrischen möchten, dann sind seine Referate genau das richtige!

Das Ende der Arbeit — Wenn Maschinen uns ersetzen 

Mensch, Macht, Maschine – Wer bestimmt wie wir morgen arbeiten

Sicherheit im privaten Haushalt: Das sichere Haus

Wider Erwarten ist es gar nicht so einfach, verlässliche Daten zum Unfallgeschehen in Deutschland zu bekommen. Ein erster Startpunkt ist eine entsprechende Seite der BAuA: Unfalltote und Unfallverletzte 2013 in Deutschland. Erschreckend ist die hohe Zahl der Unfälle, die im Bereich „Heim und Freizeit“ geschehen. Dass dazu lediglich Schätzungen abgegeben werden können, ist mir ehrlich gesagt unverständlich.

Wie auch immer, der Verhütung von Unfällen in privaten Haushalten ist eine eigene Website des Deutschen Kuratoriums für Sicherheit in Heim und Freizeit e.V. (DSH) gewidmet: Das sichere Haus.
Unter den Rubriken:

  • Kinder
  • Haushalt
  • Freizeit
  • Heimwerken
  • Senioren
  • Pflegende Angehörige

finden Sie umfangreicht Informationen zur erfolgreichen Prävention im privaten Bereich. Es besteht auch die Möglichkeit, entsprechende Broschüren kostenlos zu beziehen.

Wer kümmert sich um die psychische Gesundheit?

Ich gebe zu, es fällt mir immer schwerer, für dieses Weblog zu schreiben. Sie haben das sicher schon bemerkt, denn die Artikel werden weniger. Als ich es gestartet habe, war ich voll Begeisterung für das Thema „Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz“. Die Begeisterung ist der Ernüchterung gewichen. Ich musste lernen, dass ein großer Unterschied besteht zwischen der Aufmerksamkeit, das dieses Thema in der Presse genießt und der Aufmerksamkeit, die die verantwortlichen Akteure in den Betrieben dafür aufbringen.

In der Ausbildung zum Sicherheitsingenieur bei der VBG war viel von der „Maßnahmenhierarchie“ die Rede, also davon, dass immer Verhältnisprävention der Verhaltensprävention vorzuziehen ist. Papier ist bekanntlich geduldig und so wird der interessierte Beobachter feststellen, dass das Problem „Psychische Belastung am Arbeitsplatz“ in der veröffentlichten Meinung individualisiert wird. Es wird also ausschließlich zur Angelegenheit der einzelnen Mitarbeiter. Dass das Gesetz eine andere Aussage trifft, interessiert nicht weiter, denn bekanntlich gibt es keinen Richter, wenn der Kläger fehlt (… und der Richter auch gar keine Handhabe hat).

Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch Christoph Lixenfeld in seinem Beitrag „Vor Burnout muss man sich selbst schützen“. Er schreibt:

Natürlich können Arbeitgeber viel gegen das Ausbrennen ihrer Mitarbeiter tun – und sie sollten es im Eigeninteresse tun. Schließlich leidet auch das Unternehmen darunter, wenn Mitarbeiter längerfristig wegen Krankheit ausfallen. Theoretisch. In der Praxis, das hat jeder Angestellte schon erlebt, sind Jasager und ehrgeizige Selbstausbeuter für den Chefs angenehme Mitarbeiter, Querdenker und Widersprecher werden allenfalls in Firmenbroschüren gelobt.

Das allein ist es gar nicht, die Arbeitgeber sind vielmehr dazu verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen durchzuführen. Sie tun es aber nicht. Na und?

Interview mit Arbeitsministerin Andrea Nahles

Heute erschien bei haufe.de ein Interview mit Andrea Nahles: „Die Politik hat kein Gestaltungsmonopol“. Mich hat diese Überschrift für ein Interview ausgerechnet mit Andrea Nahles sehr überrascht und neugierig gemacht. Folgende Themen werden angerissen:

  • Arbeiten 4.0
  • Die gesundheitlichen Auswirkungen von „New Work“
  • Die freie Gestaltung der Arbeitszeit
  • Die Arbeitsstättenverordnung
  • Chancen und Risiken des neuen Arbeitens

Mir ist beim Lesen aufgefallen, dass offensichtlich die Politik nicht nur kein Gestaltungsmonopol mehr hat, sondern generell die Gestaltung dem „freien Spiel“ der Kräfte der Märkte überlässt. In den letzten Jahren hat man sich vom Spielfeld zurückgezogen, nun ist es schwer, auf den Platz zurückzukehren.