Zeit-Serie: Psychisch krank

Es ist eben doch gut, von Zeit zu Zeit wieder einmal das eigene Archiv zu durchforsten. Es gibt durchaus den einen oder anderen Schatz zu heben, an den man gar nicht mehr gedacht hat. So auch diesen. Vor etwa zwei Jahren hat Götz Kluge auf einen Artikelserie in der Zeit hingewiesen, die kaum an Aktualität verloren hat: Psychisch krank. Die Beiträge befassen sich mit den Themen:

  • Wartezeit für geeignete Therapien, auch bekannt unter Unterversorgung mit Psychotherapeuten
  • Umgang mit psychisch Erkrankten
  • Bestimmten Erscheinungsformen psychischer Erkrankungen, wie Depression, ADHS, Borderline usw.
  • Psychische Erkrankung und Berufstätigkeit
  • Psychische Erkrankungen auf Twitter (#isjairre)
  • u.v.m.

#isjairre ist nicht der einzige Hashtag, den Sie auf Twitter zu psychischen Erkrankungen. Unter #ausderklappse twittert auch Uwe Hauck (alias @bicyclist) über seine einschlägigen Erfahrungen. Demnächst wird auch ein Buch von ihm darüber erscheinen. Ich bin gespannt. Ihm auf Twitter zu folgen, lohnt sich allemal.

Mitteilen/Lesezeichen

Buchempfehlungen von der BAuA

Das Institut für Soziologie an der TU Chemnitz hat sich eingehend mit dem Thema “Zeit- und Leistungsdruck” beschäftigt und die Ergebnisse der Studien in einem Buch unter ebendiesem Titel veröffentlicht. Sie finden eine ausführliche Beschreibung des Inhalts auf der Website der BAuA. Dort werden Sie auch auf eine Seite verwiesen, wo Sie den Inhalt online einsehen können. Über eine ähnliche Thematik berichten Forscher vom Institut für sozialwissenschaftlichen Forschung in München: “Zeit- und Leistungsdruck bei Wissens- und Interaktionsarbeit” (Hinweis BAuA). Die online-Version finden Sie hier.

Leichte Kost ist das alles nicht. Wissenschaft soll ja auch nicht von allen verstanden werden. 😉

Ein etwas anderes Katzenvideo

Ich gebe zu, während meiner Ausbildung zum Sicherheitsingenieur muss ich wohl ein etwas belämmertes Gesicht gemacht haben, als ich zum ersten Mal vom Gefährdungsfaktor “Tier” gehört habe. Eine Kollegin, die in einem Institut mit Versuchstieren arbeitet, hat mich damals schnell aufgeklärt. Wenn Sie keine Kollegin haben, die Ihnen auf die Sprünge hilft, dann schauen Sie sich das Video der BG für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) an: Katzen in der tierärztlichen Praxis – Tipps für einen sicheren Umgang. Wir haben Glück mit unserer Leni. Beim Tierarzt ist Sie ganz klein mit Hut, lässt alles über sich ergehen und ist froh, wenn es vorbei ist.

Katzenvideo, mal anders!

Arbeit und Psyche von A bis Z

Der Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA) betreibt eine übersichtliche Website, auf der Sie unter dem Titel “Arbeitsprogramm Psyche” eine Menge Informationen zu psyschischen Belastungen am Arbeitsplatz finden. Besonders interessant fand ich die Unterseite “Arbeit und Psyche von A bis Z”. Dort können Sie einige Ursachen für Fehlbelastungen nachschlagen, für die Sie eine kurze Definition erhalten und diverse Handlungsmöglichkeiten vorgeschlagen bekommen. Allerdings sind dies Informationen eher in Form von Steckbriefen gehalten, in die Tiefe gehen sie nicht. Möchten Sie ins Detail gehen, dann finden Sie auf der rechten Menüleiste Hinweise zu weiteren Informationen, die Sie direkt anklicken können.

Wenn Sie die verschiedenen Begriffe überfliegen, werden Sie schnell feststellen, dass die Verbesserungen in diesen Bereichen manchmal nur durch das Bohren dicker Bretter zu erreichen ist. Mitunter steckt der Teufel im Detail und solide Kenntniss in der Philosophie und der Methodik der Organisationsentwicklung sind nicht nur von Vorteil, sondern manchmal sogar Voraussetzung.

BTW: An Broschüren, Handreichungen und Anleitungen mangelt es wirklich nicht. Im Gegenteil, es ist eher so, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Jede Institution bringt ihre mehr oder weniger informative Broschüre heraus, die auch noch alle wechselseitig aufeinander verweisen. Auch an Portalen herrscht kein Mangel. Obwohl ich seit Jahren auf dem Gebiet im Internet recherchiere, ist es für mich schwer, den Überblick zu behalten. Weniger wäre mehr, Klarheit geht anders. Von den Kosten aufgrund unnötiger Redundanz wollen wir wir gar nicht reden.

Die Empfehlungen zur Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung in neuer Auflage

Wie allgemein bekannt (?), sind Arbeitgeber nach dem Arbeitsschutzgesetz verpflichtet, eine vollständige Gefährdungsbeurteilung durchzuführung. “Vollständig” heißt, dass auch psychische Gefährdungsfaktoren berücksichtigt werden müssen. In den o.a. Empfehlungen im Rahmen der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) werden die sieben Schritte beschrieben, die für eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen notwendig sind:

  1. Festlegung von Tätigkeiten/Bereichen
  2. Ermittlung der psychischen Belastung der Arbeit
  3. Beurteilung der psychischen Belastung der Arbeit
  4. Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen
  5. Wirksamkeitskontrolle
  6. Aktualisierung und Fortschreibung
  7. Dokumentation

Wenn Sie sich jetzt als Sicherheitsfachkraft an den berühmten “Handlungskreislauf” erinnert fühlen, dann liegen Sie nicht falsch.
Die Broschüre ist sehr knapp gehalten und dient lediglich als grober Leitfaden. Sie können sie kostenlos hier als pdf-Datei herunterladen.

Es gibt auch eine einschlägige Broschüre zur der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen, die sich an die Aufsichtspersonen wendet (pdf-Datei). Es kann ja nicht schaden, wenn Sie wissen, wie die darüber denken.

BTW: Ich habe Sicherheitsfachkräfte schon bei der Durchführung von Gefährdungsbearbeitung beraten. Wenn Sie Frage dazu haben, dann sprechen Sie mich gerne an.

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Sexuelle Belästigung und Übergriffe am Arbeitsplatz

Sexuelle Belästigung und Gewalt am Arbeitsplatz ist sicher kein neues Thema, hat aber durch die unsäglichen Vorgänge in der Silvesternacht in Köln noch einmal an Aktualität und Brisanz gewonnen. Zu diesem Thema hat die European Agency for Safety and Health at Work (EU-OSHA) eine Infografik veröffentlicht. Dort gibt es auch ein entsprechendes Schaubild zum Thema Gewalt am Arbeitsplatz durch Dritte. Die EU-OSHA warnt eindringlich, derartige Vorkommnissen nicht zu bagatellisieren. Es gilt, schon den Anfängen zu wehren. Dem kann ich mich nur anschließen.

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Spielen mit Demenz

Sie kennen sicher alle dieses berühmte Memo-Spiel. Es besteht aus einer Menge Karten mit Bildern, wobei immer zwei Karten identisch sind und somit ein Paar bilden. Die Karten werden gemischt und dann verdeckt auf den Tisch gelegt. Abwechselnd können die Spieler nun immer zwei Karten aufdecken mit dem Ziel, zwei gleiche Karten zu finden. Wer zum Schluss die meisten Paare entdeckt hat, hat das Spiel gewonnen. Als sie noch klein waren, haben wir dieses Spiel oft mit unseren Kindern gespielt. Teilweise mit frustrierendem Ergebnis für uns, denn die Kinder haben uns teilweise wirklich alt aussehen lassen.

Alt aussehen und alt sein, sind zwei verschiedene Paar Stiefel. Leider bekommen viele Menschen im hohen Alter enorme Schwierigkeiten mit ihrem Gedächtnis bis hin zur Demenz. Warum nicht die positiven Effekte des o.a. Memo-Spiels auf das Gedächtnis für diese Zielgruppe nutzen? Der SingLiesel-Verlag hat genau das getan und ein “Memo-Spiel für die „Feuerzangenbowle“- Generation” herausgebracht: Stars der 50er und 60er Jahre. Als Sohn eines Betroffenen haben wir das Spiel über die Weihnachtstage getestet und für gut befunden. Die Kartenpaare bestehen aus den Fotos berühmter Filmstars der 50er und 60er Jahre, auf der einen Karte ist der Vorname des Stars, auf der anderen der Nachname zu finden. Wichtig ist, dass man sich nicht so sehr auf das Spielen selbst konzentriert, sondern im Dialog und durch viele Fragen das Gedächtnis des alten Menschen anregt. Manchmal gelingt es sogar, ganze Geschichten über Erlebnisse, die mit dem Star oder einem Film zusammenhängen, hervorzulocken (“Damals habe ich zum ersten Mal Popcorn gehabt”). Allerdings hätten wir uns gewünscht, dass man sich auf deutsche Filmstars beschränkt hätte. Die Erinnerung an amerikanische Leinwandhelden fiel doch zu schwer. Vielleicht gibt es auch einmal eine Variante mit Sportskanonen, wie Max Schmeling, Fritz Walter usw.

Alles in allem ein schöner Zeitvertreib, der allen Beteiligten gut tut. Die einen erinnern sich, die anderen erfahren den einen oder anderen Schwank aus dem Leben des Hochbetagten. Kurzweilig ist es allemal.

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BTW: Wenn Sie demente Angehörige haben, dann werfen Sie doch ein näheren Blick auf die Website von SingLiesel. Aus der Beschreibung der Initiative:

Der SingLiesel-Verlag wurde als Initiative betroffener Angehöriger gegründet. Ziel ist es, Bücher und Produkte für Menschen mit Demenz zu schaffen, die vor allem Freude bereiten und Angehörige und Pflegekräfte im Alltag entlasten.

Es lohnt sich, im Verlagsprogramm zu stöbern. Sie finden dort Bücher, Angebote aus Musik und Film und diverse Spiele.

Mangelt es wirklich an Sensibilität?

In der Ärzte Zeitung erschien kurz vor Jahreswechsel ein Artikel in dem von Autor Matthias Wallenfels die mangelnde Durchführung von Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen thematisiert wurde: Oft fällt die Psyche hinten runter. In dem Beitrag wird noch einmal darauf hingewiesen, dass “nur jede vierte Firma in Deutschland bei der Gefährdungsbeurteilung am Arbeitsplatz auch psychische Belastungen” erfasst werden. Der Grund dafür sei mangelnde Sensibilität für das Thema.

Ich bin mir nicht sicher, ob mangelnde Sensibilität wirklich der Grund dafür ist, dass das Thema Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung nicht und wenn, dann nur mit spitzen Fingern, angegangen wird. Ich stimme eher Frau Dr. Karin Müller, die in dem Artikel zitiert wird zu:

Psychische Belastungsfolgen sind in vielen Unternehmen ein Tabu. Die Analyse der psychischen Gefährdungen bringt in der Praxis zuweilen unangenehme Wahrheiten zutage, die häufig Handlungsbedarf bei den Unternehmensführungen erzeugen.

Für mich liegt hier der Hase im Pfeffer. Viele Unternehmensleitungen haben Angst davor, mit der Gefährdungsbeurteilung schlafende Hunde zu wecken. Sie wissen sehr gut, dass es allein mit der Analye nicht getan ist, vielmehr müssen auf die Analyse Maßnahmen zur Vermeidung von Gefährdung oder zur Verringerung von schlädlichen Gefährdungsfolgen getroffen und umgesetzt werden. Laut Sicht der Arbeitsmediziner seien die Führungskräfte in deutschen Unternehmen noch “nicht ausreichend sensibilisiert für das Gefährdungspotenzial, das psychische Erkrankungen birgt.” Das trifft es m. E. nicht. Viel eher sehen die Führungskräfte Nachteile für den laufenden Betrieb. Ihnen ist leider immer noch nicht klar, dass die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen nicht nur vermeintliche Risiken, sondern vielmehr große Chancen stecken. Denn gerade wenn Schwachstellen aufgedeckt und behoben werden, können erhebliche Potenziale freigesetzt werden, die zum Unternehmenserfolg beitragen.

Am Ende des Artikels wird beklagt, dass “Depressionen oft zu spät erkannt” werden. Das mag zwar richtig sein und ist bedauerlich, aber mit Prävention und Gefährdungsbeurteilung hat das gar nichts zu tun. Hier ist das Kind nämlich schon in den Brunnen gefallen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch ein Kommentar zum Artikel. Er zeigt, dass der Autor den Unterschied zwischen Verhältnis- und Verhaltensprävention überhaupt nicht begriffen hat. Der Autor zitiert einen Arbeitspsychologen, der diesen Unterschied zum Ausdruck bringt. Wie dieser es gesagt hat, mag fragwürdig sein (wenn es so stimmt), was er gesagt hat, ist vollkommen richtig.

Ach ja, auf die gesetzliche Verpflichtung zur umfassenden Gefährdungsbeurteilung hinzuweisen, erscheint mir vergebliche Liebesmüh, denn wo kein Kläger, da kein Richter.

Ergonomie am Arbeitsplatz

Immer wieder erhalte ich E-Mails mit Hinweisen auf  interessante Informationen oder Produkte. Nicht immer hält die Website das, was die E-Mail versprochen hat. Nicht so in diesem Fall. Die Firma Cairo, ein Versandhandel von Büro- und anderen Möbeln hat eine Abhandlung über Ergonomie am Arbeitsplatz veröffentlicht. Sie finden dort nützliche Informationen zu Bürostühlen, zum Schreibtisch und was sonst noch so zu einem Büroarbeitsplatz gehört. Sie können die Tipps sogar als pdf-Datei kostenlos herunterladen.

Für Ihren Kalender: Sicherheit und Gesundheit im 4.0-Zeitalter

Ich glaube, die meisten haben den Begriff Arbeit 4.0 schon gehört, doch richtig ins Bewusstsein gedrungen ist er noch nicht. Dabei werden wir alle die Konsequenzen zu spüren haben. Das IAG in Dresden greift das Thema auf und veranstaltet ebendort vom 11. – 12. Oktober eine Tagung mit dem Titel

Die Zukunft der Arbeit –
Das Umfeld der Arbeit von morgen effzient gestalten
Sicherheit und Gesundheit im 4.0-Zeitalter –
Arbeit, Verkehr, Bildung

Diskutiert werden soll unter anderem:

  • Welche Entwicklungen erwarten uns in den Bereichen Arbeit, Verkehr und Bildung?
  • Welche Chancen, Risiken, und Handlungsbedarfe ergeben sich daraus?
  • Wie können Sicherheit und Gesundheit auch weiterhin übergeordnete Werte bleiben?
  • Wie kann diese Entwicklung aus der Sicht der Prävention aktiv mitgestaltet werden?

Anmelden kann man sich ab März unter www.dguv.de/iag.

Bei mir steht der Termin bereits im Kalender, ich plane, an der Konferenz teilzunehmen.

2013 und 2015 hat Johannes Kleske auf der re:publica hoch spannende Vorträge zur Arbeit der Zukunft gehalten. Wenn Sie Ihre Kenntnisse auffrischen möchten, dann sind seine Referate genau das richtige!

Das Ende der Arbeit — Wenn Maschinen uns ersetzen 

Mensch, Macht, Maschine – Wer bestimmt wie wir morgen arbeiten