Ein Burnout und seine Folgen

Vor ein paar Tagen wurde im WDR eine Dokumentation ausgestrahlt mit dem Titel “Einsame Spitze – Top-Manager am Limit”. Darin wird geschildert, unter welchem Erfolgsdruck Manager in Spitzenpositionen ihre Arbeit erledigen. Ich finde, der Dokumentarfilm ist äußerst sehenswert, Sie können ihn bestimmt noch eine Weile in der WDR – Mediathek aufrufen.

Nach Betrachten des Films bleiben bei mir noch einige Fragen offen:

Augenhöhe?

Nicht erst seit heute spricht man in der Organisationsberatung vom “Postheroischen Management”. Angeblich sind die Tage des einsamen Industriekapitäns (!), der einsam auf der Brücke steht und das Unternehmensschiff mit klarem Ziel durch die Unwetter steuert, längst vorbei. Wenn ich die Interviews im Film Revue passieren lassen, kann ich das nicht recht glauben. Besonders die Aussagen des ehemaligen McKinsey-Chefs Herbert Henzler lassen keinerlei Rückschlüsse zu, dass wir in einem postheroischen Management angekommen sind. Liegt es daran, dass Herr Henzler im Ruhestand den Anschluss an die heutige Arbeitswelt verpasst hat? Das kann ich mir bei ihm eher nicht vorstellen. Also: Es scheint weiterhin das Bild des einsamen Anführers gepflegt zu werden, der allein weiß, wo es langgeht und unbeirrt seinen Weg geht. Wer das nicht packt, der wird eben ausgetauscht: “Nur die Harten kommen in den Garten” oder “Sind sie zu stark, bist Du zu schwach“, wie es in der Reklame für Hustenbonbons heißt.

Erweckungserlebnis?

Nicht erst seit gestern tourt Thomas Sattelberger mit der Botschaft einer neuartigen Führung durch die Gegend. Selbstorganisation und Empowerment der Mitarbeiter lautet seine Botschaft. Mir gefallen seine Aussagen und ich unterschreibe die meisten von ihnen. Eine Frage lässt mich allerdings nicht los. Ich kenne Mitarbeiter bei der Telekom, wo Sattelberger Personalvorstand war, die heute noch bei seinem Namen zusammenzucken. Mich würde einmal interessieren, wann und wo Herr Sattelberger den durchaus bemerkenswerten Schwenk zur Führung 2.0 vollzogen hat.

Konsequenzen aus dem Burnout?

Der Top-Manager Rüdiger Striemer schildert, wie sein Weg über seine Arbeit als Chef in die Depression und wieder zurück führte. Seine Offenheit hat mich sehr beeindruckt. Etwas würde ich allerdings noch gerne wissen: Welche Konsequenzen hat er aus dem eigenen Erleben für seine Mitarbeiter und sein Unternehmen gezogen? Wird in seiner Firma und deren Arbeitsplätze eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen durchgeführt? Welche Maßnahmen der Prävention werden getroffen um den Mitarbeitern ähnliche Erfahrungen zu ersparen? Ich kann mich nicht erinnern, etwas darüber in dem Film erfahren zu haben.

Rüdiger Striemer hat über seinen Burnout ein Buch geschrieben: Raus! Mein Weg von der Chefetage in die Psychiatrie und zurück.

Raus!: Mein Weg von der Chefetage in die Psychiatrie und zurück

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Wie wir Geräusche empfinden

Die meisten der Leserinnen und Leser dieses Blogs sind mit den einschlägigen Lärmschutzbestimmungen vertraut. Lautstärke ist jedoch nicht alles. Wie Geräusche wirklich auf uns wirken, zeigt uns Julian Treasure mit diesem bemerkenswerten Vortrag: The 4 ways sound affects us.

BTW: Sie können sich auch deutsche Untertitel einblenden lassen.

Die Gefährdungsbeurteilung als Infografik

Viele Unternehmen drücken sich nach wie vor um die Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen, obwohl sie eigentlich vom Gesetzgeber vorgeschrieben ist. Meines Erachtens gibt es dafür diese Hauptgründe:

  1. Viele Führungskräfte trauen sich einfach nicht an dieses Thema heran, weil Sie glauben, nicht über die nötige Fachkompetenz zu verfügen (“Ist dieser Psychokram überhaupt messbar?”). Sicherheitsfachkräfte könnten sie fachkundig beraten, wenn sie es denn könnten. Oft trauen auch sie sich nicht an dieses vermeintlich “sensible” Thema heran.
  2. Manche Führungskräfte befürchten, mit der Bekanntgabe der Ergebnisse “ein Fass aufzumachen”, wenn diese Engpässe im Führungsverhalten oder in der Arbeitsorganisation aufzeigen. Ganz unrecht haben sie nicht. Denn zum einen weckt man bei den Mitarbeitern bestimmte Erwartungen, zu anderen ist es tatsächlich schwerer, Verbesserungen bei den sogenannten weichen Faktoren zu erzielen. Anstatt diese dicken Bretter zu bohren, bleibt man lieber bei den Lärmmessungen. Da weiß man, was man hat.

Das eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen kein Hexenwerk ist, zeit die Infografik der PRIOTAS GmbH. Übrigens begleite ich Sicherheitsfachkräfte bei der Gefährdungsbeurteilung als Coach und Berater. Sprechen Sie mich an.

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Dialog zu Depression und sozialen Medien

Seit einigen Jahren fahre ich regelmäßig zur re:publica nach Berlin. Nach jedem Besuch habe ich den Eindruck, wieder auf dem “digital Stand” zu sein. Oft werde ich gefragt, was es denn auf diesem “Klassentreffen” der Blogger und Internetinteressierten zu sehen gäbe. Nun zum Beispiel ein Session, in der Kati Krause und Uwe Hauck über ihre Depression erzählt haben und darüber, wie sie in dieser schweren Zeit mit den sozialen Medien umgegangen sind. Sara Weber hat über dieses Zusammentreffen einen Artikel geschrieben: Wie Twitter und Facebook gegen Depressionen helfen können – oder sie verstärken. Hier können Sie die Aufzeichnung der Session sehen:

Uwe Hauck folge ich auf Twitter schon lange Zeit und habe aus diesem Grund dort auch seine Geschichte hautnah mitbekommen. Seine Tweets #ausderklappse waren interessant, bewegend und manchmal verstörend.

Kati Krause hat über ihre Depression auf Zeit online einen Artikel geschrieben (“Facebooks psychische Störung”) und ein Interview mit Angela Gruber geführt: Soziale Netzwerke und Depression: „Facebook war Gift für mich“. Auf Twitter folgen können Sie Kati Krause nicht mehr. Aus Gründen.

Zeit-Serie: Psychisch krank

Es ist eben doch gut, von Zeit zu Zeit wieder einmal das eigene Archiv zu durchforsten. Es gibt durchaus den einen oder anderen Schatz zu heben, an den man gar nicht mehr gedacht hat. So auch diesen. Vor etwa zwei Jahren hat Götz Kluge auf einen Artikelserie in der Zeit hingewiesen, die kaum an Aktualität verloren hat: Psychisch krank. Die Beiträge befassen sich mit den Themen:

  • Wartezeit für geeignete Therapien, auch bekannt unter Unterversorgung mit Psychotherapeuten
  • Umgang mit psychisch Erkrankten
  • Bestimmten Erscheinungsformen psychischer Erkrankungen, wie Depression, ADHS, Borderline usw.
  • Psychische Erkrankung und Berufstätigkeit
  • Psychische Erkrankungen auf Twitter (#isjairre)
  • u.v.m.

#isjairre ist nicht der einzige Hashtag, den Sie auf Twitter zu psychischen Erkrankungen. Unter #ausderklappse twittert auch Uwe Hauck (alias @bicyclist) über seine einschlägigen Erfahrungen. Demnächst wird auch ein Buch von ihm darüber erscheinen. Ich bin gespannt. Ihm auf Twitter zu folgen, lohnt sich allemal.

Buchempfehlungen von der BAuA

Das Institut für Soziologie an der TU Chemnitz hat sich eingehend mit dem Thema “Zeit- und Leistungsdruck” beschäftigt und die Ergebnisse der Studien in einem Buch unter ebendiesem Titel veröffentlicht. Sie finden eine ausführliche Beschreibung des Inhalts auf der Website der BAuA. Dort werden Sie auch auf eine Seite verwiesen, wo Sie den Inhalt online einsehen können. Über eine ähnliche Thematik berichten Forscher vom Institut für sozialwissenschaftlichen Forschung in München: “Zeit- und Leistungsdruck bei Wissens- und Interaktionsarbeit” (Hinweis BAuA). Die online-Version finden Sie hier.

Leichte Kost ist das alles nicht. Wissenschaft soll ja auch nicht von allen verstanden werden. 😉

Ein etwas anderes Katzenvideo

Ich gebe zu, während meiner Ausbildung zum Sicherheitsingenieur muss ich wohl ein etwas belämmertes Gesicht gemacht haben, als ich zum ersten Mal vom Gefährdungsfaktor “Tier” gehört habe. Eine Kollegin, die in einem Institut mit Versuchstieren arbeitet, hat mich damals schnell aufgeklärt. Wenn Sie keine Kollegin haben, die Ihnen auf die Sprünge hilft, dann schauen Sie sich das Video der BG für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) an: Katzen in der tierärztlichen Praxis – Tipps für einen sicheren Umgang. Wir haben Glück mit unserer Leni. Beim Tierarzt ist Sie ganz klein mit Hut, lässt alles über sich ergehen und ist froh, wenn es vorbei ist.

Katzenvideo, mal anders!

Arbeit und Psyche von A bis Z

Der Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA) betreibt eine übersichtliche Website, auf der Sie unter dem Titel “Arbeitsprogramm Psyche” eine Menge Informationen zu psyschischen Belastungen am Arbeitsplatz finden. Besonders interessant fand ich die Unterseite “Arbeit und Psyche von A bis Z”. Dort können Sie einige Ursachen für Fehlbelastungen nachschlagen, für die Sie eine kurze Definition erhalten und diverse Handlungsmöglichkeiten vorgeschlagen bekommen. Allerdings sind dies Informationen eher in Form von Steckbriefen gehalten, in die Tiefe gehen sie nicht. Möchten Sie ins Detail gehen, dann finden Sie auf der rechten Menüleiste Hinweise zu weiteren Informationen, die Sie direkt anklicken können.

Wenn Sie die verschiedenen Begriffe überfliegen, werden Sie schnell feststellen, dass die Verbesserungen in diesen Bereichen manchmal nur durch das Bohren dicker Bretter zu erreichen ist. Mitunter steckt der Teufel im Detail und solide Kenntniss in der Philosophie und der Methodik der Organisationsentwicklung sind nicht nur von Vorteil, sondern manchmal sogar Voraussetzung.

BTW: An Broschüren, Handreichungen und Anleitungen mangelt es wirklich nicht. Im Gegenteil, es ist eher so, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Jede Institution bringt ihre mehr oder weniger informative Broschüre heraus, die auch noch alle wechselseitig aufeinander verweisen. Auch an Portalen herrscht kein Mangel. Obwohl ich seit Jahren auf dem Gebiet im Internet recherchiere, ist es für mich schwer, den Überblick zu behalten. Weniger wäre mehr, Klarheit geht anders. Von den Kosten aufgrund unnötiger Redundanz wollen wir wir gar nicht reden.