Andreas Zeuch: Karoshi. Arbeiten bis zum Verrecken – Eine Ergänzung

Andreas Zeuch hat einen Artikel über das (japanische?) Phänomen Tod durch Arbeit geschrieben: Karoshi. Arbeiten bis zum Verrecken. Ich habe diesen Artikel kommentiert:

Hallo Andreas, als Sicherheitsingenieur kann ich Deinen Artikel noch um etwas ergänzen:

  1. Laut Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) muss der Arbeitgeber die Arbeitsplätze auf eventuelle Gefährdungen untersuchen und sie ggf. abstellen oder minimieren. Zu den Gefährdungen zählen ausdrücklich auch die psychischen (Fehl-) Belastungen. Leider kommen viele Unternehmen dieser Pflicht gar nicht oder nur unvollständig nach. Die Gründe hierfür liegen IMO (a) in fehlender Kompetenz in der Durchführung und – viel wichtiger – (b) in der Befürchtung, dicke Bretter bohren zu müssen. Schließlich könnte eine Gefährdungsbeurteilung ja ergeben, dass Organisation oder/und Führung Mängel aufweisen.
  2. In der Arbeitssicherheit gilt der Grundsatz „Verhältnisprävention vor Verhaltensprävention“. Oder anders ausgedrückt, wir sollten uns „um auffällige Arbeitsplätze und nicht um auffällige Mitarbeiter kümmern“ (Götz Kluge). Dieser Grundsatz wird durch Gießkannenmaßnahmen wie „Lauftreffs“, „Anti-Stress-Trainings“ usw.) auf den Kopf gestellt. Das Problem wird individualisiert, das Unternehmen ist damit aus dem Schneider. In Deinem Artikel hast Du das sehr treffend ausgedrückt: „Und zum Beispiel endlich aufhören, an der Resilienz der Mitarbeiter rumwurschteln, damit die gestärkten Coachees wieder in dasselbe System zurückkehren, nur um mehr desselben zu leisten.“

So ist es. Leider wird sich in nächster Zeit nichts ändern, zumal die Missachtung der Pflicht zur psychischen Gefährdungsbeurteilung nur wenig bis gar nicht sanktioniert ist (Diskussion an dieser Stelle).

Meine Erfahrungen sind mehr als ernüchternd, es interessiert sich nicht wirklich jemand in den Betrieben für das Thema psychische Belastungen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass jeder jemanden kennt, der bereits „zusammengeklappt“ ist und sich in der Reha befindet.

BTW: Das gilt gerade auch für viele „junge“ Firmen, die (Selbst-) Ausbeutung gerne mit Selbstorganisation verwechseln.

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3 Gedanken zu „Andreas Zeuch: Karoshi. Arbeiten bis zum Verrecken – Eine Ergänzung

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