Nie war das Arbeitszeitgesetz so wertvoll wie heute

Gerade bin ich über einen Artikel von Dieter Petereit gestolpert, in dem er eine Kontroverse über neue Arbeitsformen beschreibt: Noch mehr Arbeit, weniger Schlaf: So tickt die neue Arbeitswelt. Es geht in dem Beitrag um eine Werbung von Microsoft, die suggeriert, mit ihren Geräten könne man zu jeder Zeit an jedem Ort arbeiten. Ergänzend wird das Beispiel einer Dame namens Victoria Alonso geschildert, die stolz darauf ist, mit den genannten Tools von Microsoft 14 (vierzehn!) Stunden an 7 (sieben!) Tagen pro Woche zu arbeiten. Darüber hinaus veröffentlichte Microsoft auch eine entsprechende Infografik, die das unbegrenzte Arbeiten feierte. Aber jede Bewegung hat auch eine Gegenbewegung. David Heinemeier Hansson, Manager bei der Firma Basecamp, rief daraufhin die Kampagne #WorkCanWait ins Leben und veröffentlichte eine Art Persiflage auf die Grafik von Microsoft.

In Deutschland müssen wir eine derartige Diskussion (noch) nicht fürchten. Schließlich gibt es bei uns das Arbeitszeitgesetz (ArbZG). Allerdings beobachte ich, dass manche Unternehmen meinen, dieses Gesetz hätte lediglich beratenden Charakter und wäre keinesfalls bindend. Dem ist nicht so. Gesetze müssen befolgt werden, solange sie in Kraft sind. Wenn Änderungen gewünscht werden, wende man sich an der Abgeordneten seine Vertrauens. Die Argumente, die für eine unbeschränkte Arbeitszeit ins Feld geführt werden, sind scheinheilig. Hier geht es keineswegs um Selbstverantwortung der Mitarbeiter, sondern schlicht und einfach um Ausbeutung.

Überstunden sind manchmal notwendig, keine Frage, aber sie sollten die Ausnahme bleiben. Wenn Überstunden ein Dauerzustand sein sollten, hat das nicht nur gesundheitliche Auswirkungen, sondern durchaus ökonomische Nachteile, nachzulesen in einem Bericht der BAuA: Gesundheitliche und soziale Auswirkungen langer Arbeitszeiten. Übrigens gelten diese Erkenntnisse auch für Freiberufler, Unternehmer und Selbstständige. Kein Unterschied, nur handelt es sich hierbei um Selbstausbeutung. Die Folgen sind die gleichen. Wenn Sie also Freiberufler sind, schadet es nicht, sich zumindest am ArbZG zu orientieren. Die Gesundheit und Ihre Familie werden es ihnen danken.

WorkCanWait

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