Kopfschmerzen am Arbeitsplatz: Eine unterschätzte Gefahr (Gastbeitrag)

Wie die Leserinnen und Leser wissen, ist dieses Blog in erster Linie der Verhältnisprävention gewidmet. Aber auch in der Verhaltensprävention gibt es spannende Themen.
Jeannette Stowasser verdanke ich den folgenden Gastbeitrag:

Stress hat viele Gesichter. Wenn Anspannung zum Dauerthema wird, reagiert der Körper mit Bluthochdruck, Depressionen, Magenschmerzen und Kopfweh, um nur einige Stresskrankheiten zu nennen. Vor allem Kopfschmerz gehört zu den häufigsten Volkskrankheiten, denn 57 Millionen Deutsche leiden mittlerweile daran. Trotzdem wird diese Krankheit immer noch als Bagatelle abgetan. Die Folgen für die Wirtschaft sind enorm.

Die Weltgesundheitsorganisation interessierte sich dafür, wie viel Geld der europäischen Wirtschaft verloren geht, weil Arbeitnehmer wegen starker Kopfschmerzen zu Hause bleiben müssen. Die Untersuchung aus dem Jahr 2011 ergab, dass 190 Millionen Fehltage auf das Konto von Kopfschmerzen gehen, was einem Verlust von 155 Milliarden Euro entspricht. Dazu kommen all die Arbeitnehmer, die mit pochendem Kopf im Büro bleiben und nur zu geringer  Arbeitsleistung imstande sind. Der „Kopfschmerz-Atlas“ der WHO beklagt, dass nur sehr wenige Betroffene behandelt werden und fordert eine Verbesserung der Gesundheitsfürsorge. Doch nicht nur die Länder stehen in der Pflicht, die Gesundheitsleistungen zu verbessern, denn auch Unternehmen und Arbeitnehmer können aktiv werden. Schließlich sind sie diejenigen, die durch Präventionsprogramme oder Eigeninitiative Stress verringern und Kopfschmerzen vorbeugen können.

Warum Stress zu Kopfschmerzen führt

Wie Kopfschmerzen entstehen, ist Forschern bislang ein Rätsel. Doch die Theorie, die von den meisten Experten vertreten wird, sieht Stress als den  häufigsten Auslöser an. Wenn Stresshormone für angespannte Muskeln sorgen, entstehen Schmerzimpulse, die das Schmerzsystem des Körpers schließlich überfordern. Diese Schmerzimpulse äußern sich in Form von Spannungskopfschmerzen, die über Stunden andauern können.

Weil regelmäßige Entspannung sehr wichtig ist, um Kopfschmerzen vorzubeugen, werden Neurologen nicht müde, ihre Patienten auf die dringend notwendigen Erholungsphasen hinzuweisen. Doch die meisten Patienten gehen nicht zum Arzt und wissen daher nicht, dass Entspannung das A und O in der Kopfschmerztherapie ist.

Entspannung als akute und vorbeugende Maßnahme in der Kopfschmerztherapie

Neurologen empfehlen Patienten, die nur schwer abschalten können, eine Entspannungstechnik zu erlernen. Die progressive Muskelentspannung nach Jacobsen hat sich in der Kopfschmerztherapie bereits bewährt. Nacheinander spannt der Patient sämtliche Muskelpartien an, um sie dann bewusst loszulassen. So lässt sich Stress vorbeugen, aber auch akutes Leid lindern.

Eine weitere Möglichkeit, sich besser zu entspannen, bietet MBSR. Bei der sogenannten „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ geht es darum, Anspannung nicht gezielt auszuschalten, sondern anzunehmen. Dieser Ansatz eignet sich vor allem für diejenigen, die neuen Stress erzeugen, wenn sie ihre Anspannung krampfhaft loswerden wollen. Patienten lernen durch MBSR, stiller Beobachter ihrer Gedanken und Gefühle zu sein und dadurch Abstand vom Schmerz zu gewinnen. Emotionales Leid, das aus Gedanken wie „Jetzt geht das schon wieder los!“ oder „Ich will den Schmerz nicht fühlen!“ entsteht, wird gelindert. Können Patienten den Widerstand loslassen und die Schmerzen annehmen, wird der Schmerz erträglicher. Studien mit chronischen Kopfschmerzpatienten haben ergeben, dass sich die Lebensqualität auf diese Weise verbessert.

Die WHO erklärte Stress zu eine der größten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts. Deshalb wird es Zeit, umzudenken: Regierungen, Unternehmen und Arbeitnehmer sind aufgefordert, gegenzusteuern. Zu wissen, welche Krankheiten Stress auslösen kann und wie wichtig Entspannung in der Therapie ist, ist ein Schritt in diese Richtung. Kopfschmerz ist als zweithäufigste Schmerzerkrankung ein Beispiel, an dem sich die Folgen von Stress und Entspannung gut zeigen lassen. Doch natürlich muss eine Behandlung an mehreren Stellen ansetzen. Stressprävention kann nur ein Teil der Therapie sein – neben anderen effektiven Verfahren.

Über die Autorin:

Jeannette Stowasser ist Online-Redakteurin und hat im jameda-Ratgeber „Kopfschmerzen ganzheitlich behandeln“ nützliche Expertentipps zusammengefasst, die Patienten helfen, eine maßgeschneiderte Kopfschmerztherapie für sich zusammenzustellen. Entspannungstechniken sind ein Element, das neben Schmerzmitteln, Heilpflanzen, Wärmeanwendungen und Bewegung zu den wichtigsten Verfahren gegen Kopfschmerzen zählt.

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