Der Impulstest in überarbeiteter Form

Mittlerweile bin ich gut im neuen Jahr angekommen und wohlbehalten aus dem Urlaub an den Schreibtisch zurückgekehrt.

In der Zwischenzeit habe ich das Buch „Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung„, herausgegeben von der BAuA, gelesen.
Ich will nicht verhehlen, dass für mich der Anhang mit den weiterführenden Informationen interessanter war als der eigentliche Text.

Allerdings hat der Beitrag „Porträts exemplarisch ausgewählte Analyseinstrumente und -verfahren“ auch zu meiner Verwirrung beigetragen und zwar was den Impulstest angeht. Der Test bestand bislang aus 26 Fragen, die in zwei Durchgängen beantwortet werden sollten. Einmal für die reale Situation und dann für die Wunschsituation. Die Unterschiede zwischen Real- und Wunschsituation wurde danach zur Identifikation von Verbessereungsmöglichkeiten herangezogen. Diese Vorgehensweise fand ich immer schon etwas kompliziert für die Praxis.

Laut Fachbuch ist nach einer Überarbeitung des Impulstests („IMPULS-test|2„) die Wunschvariante entfallen, was sicher zu einer Vereinfachung beiträgt. Auch erfolgt die Auswertung mittlerweise IT-gestützt. Die Ergebnisdiagramme sind einfach zu lesen, die Resultate folgen der Ampeldarstellung und lassen schnelle Rückschlüsse auf den Handlungbedarf zu.

Bislang war der Zugang zum Impulstest kostenfrei für jedermann möglich. Ob das auch bei der überarbeiteten Fassung der Fall ist, konnte ich nicht ersehen. Es wird im Buch auf die einschlägige Website verwiesen. Aber auch diese hat mich nicht wirklich schlauer gemacht, was Zugang, Kosten etc. angeht.

Mein Fazit: Ich empfehle für meine Kunden derzeit den „alten“ Impulstest. Auf die „Wunschvariante“ kann man notfalls verzichten. Oder Sie verwenden gleich die ChEF-Fragebögen. Mit letzterem habe ich nämlich ausnahmslos gute Erfahrungen gemacht.

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Ein Gedanke zu „Der Impulstest in überarbeiteter Form

  1. Als federführend verantwortliche Projektleiterin für die Konzeption des IMPULS-Tests (2002) und dessen Überarbeitung IMPULS-Test|2® (2012) und im Bereich Testtheorie und Testkonstruktion ausgebildete Psychologin möchte ich darauf hinweisen, dass die Empfehlung zur weiteren Verwendung des Verfahrens aus dem Jahr 2002 aus fachlichen und rechtlichen Gründen problematisch ist:

    1. Fachliche Begründung:
    Es gilt für alle wissenschaftlich fundierten Verfahren, dass diese bestimmten Standards der Entwicklung und Pflege unterworfen sind. Wenn ein solcher Test einer Revision unterzogen wird, ersetzt die neue Fassung naturgemäß die voran gegangenen Vorversionen. Dies dient der Qualitätssicherung und ist ein Standard im testpsychologischen Bereich. Ab dem Zeitpunkt der Veröffentlichung bzw. dem Bekanntwerden der Revision ist die Anwendung einer veralteten Version ein fachlicher Kunstfehler. Hierzu eine fachliche Stellungnahmen, auf die ZPID (Leibniz-Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation – http://www.zpid.de) hinweisen:
    „Nach Auffassung des Verfassers scheint es grundsätzlich unverantwortlich, Tests einzusetzen, die (wesentlich) älter als 10 Jahre sind und nicht zwischenzeitlich überarbeitet, auf ihre Testgüte kontrolliert sowie neunormiert wurden; zu sehr ist innerhalb dieses Zeitraums mit neuen testtheoretischen Entwicklungen, differential-diagnostischen Erkenntnissen und gesellschaftlichen Veränderungen zu rechnen.“ (Kubinger, 1996, S. 540).
    Kubinger, K.D. (1996). Objektive Diagnostik. In K. Pawlik, K. (Hrsg.), Grundlagen und Methoden der Differentiellen Psychologie (Enzyklopädie der Psychologie, Themenbereich C, Theorie und Forschung, Se-rie VIII, Differentielle Psychologie und Persönlichkeitsforschung, Band 1, S. 507-541). Göttingen: Hogrefe.

    2. Rechtliche Begründungen:
    Es gilt aus juristischer Sicht, dass die vorangegangenen Versionen des Verfahrens jedenfalls nicht mehr in Verkehr gebracht werden dürfen. Im Fall der geschützten Marke IMPULS-Test|2® bietet zusätzlich noch das Markenschutzrecht die Möglichkeit zur Verteidigung der Markenidentität. Die Marke soll Kunden die Sicherheit zur Herkunft, Qualität und Vertrauenswürdigkeit bieten. Verschiedene „alte“ und oftmals veränderte Fassungen des IMPULS-Tests aus dem Jahr 2002 haben zu einer Erosion des testtheoretischen Gütekriterium „Objektivität“ und damit in Folge auch der Gütekriterien Validität und Reliabilität geführt, weil hunderte verschiedene Fassungen des Verfahrens natürlich keine gleichen, einheitlichen und qualitätsgesicherten Ergebnisse liefern können. Daher garantiert nur der IMPULS-Test|2® die Einhaltung der erforderlichen wissenschaftlichen Qualitätsstandards und somit die standardisierte Test-Vorgabe, Auswertung und Ergebnisinterpretation.

    In der Praxis geht es doch immer darum, eine möglichst gut abgesicherte Messqualität gewährleisten zu können, um fundierte Aussagen über kritische, durchschnitttlich und unkritische Ergebnisse treffen zu können. Niemand möchte Zufallsergebnisse erzeugen und auf dieser Basis (falsche) Schlussfolgerungen ziehen. Wer die Messung psychischer Belastung(en) auf Basis aktueller wissenschaftlich-psychometrischer Standards tut, hat jedenfalls hohe Ergebnis- und Rechtssicherheit.

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