Ist der Arbeitgeber in der Buhmann-Rolle?

In der online – Ausgabe der Süddeutschen war kürzlich zu lesen, dass die Arbeitgeber mit einer Studie beweisen wollen, dass sie nicht allein Auslöser von psychischen Erkrankungen sind: Raus aus der Buhmann-Rolle.

Ehrlich gesagt, so ganz verstehe ich das Vorgehen nicht. Zum einen hat niemand behauptet, dass die Arbeit allein für psychische Erkrankungen verantwortlich ist, zum anderen ist m. E. zum evtl. Nachweis keine besondere Studie notwendig. Vielmehr würde eine ordnungsgemäß durchgeführte vollständige Gefährdungsbeurteilung vollkommen ausreichen.

Ich habe ehrlich gesagt nie verstanden, warum die (offizielle) Arbeitgeberschaft die Gefährdungsbeurteilung nicht als Chance begreift. Nämlich als Nachweis, dass die Arbeitsplätze bez. psychischer Fehlbelastungen unbedenklich sind. Sollte dies nicht der Fall sein, so sind die Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung der Ausgangspunkt, an diesem Thema zielgerichtet zu arbeiten. Und ja, natürlich darf man darüber auch reden.

Stattdessen beobachten wir immer wieder die gleichen Abwehrreflexe.

3 Gedanken zu „Ist der Arbeitgeber in der Buhmann-Rolle?

  1. Ich kann schon verstehen, dass die Arbeitgeber sich wehren wollen, da sie oft die Schuld tragen. Man wälzt sogar sehr oft die Schuld auf sie, obwohl sie manchmal wenig zu tun haben. Es hängt eher davon ab, wie stressig die Aufgaben im Job sind -was nicht immer am Chef liegt- und wie der Mitarbeiter mit Stress umgeht.
    Also, meiner Meinung nach, Stress ist mehr Kopfsache. D.h. wir haben die Wahl bzw. die Möglichkeit, dies zu ändern. Wenn wir an unsere Fähigkeiten und an unsere Kognitionen arbeiten, können wir die Situationen anders bewerten und adaptativer konfrontieren. Ich habe einen Stress-Coach durchgeführt und hab mehrere Techniken erlernt, die mir jetzt komplett verändert haben. Nun kann ich ruhig bleiben, unabhängig von der Situation.
    Empfehlenswert ist diefolgende Website: https://www.psycheplus.de
    Sie beschreiben und erklären alles über Stress -dazu andere Faktoren- aus der Theorie mit einer sehr breiten Perspektive.
    Liebe Grüße aus Grafing, Lisa F.

  2. Das sehe ich überhaupt nicht so. Es besteht eine Verpflichtung, die Arbeitsplätze so zu gestalten, dass Fehlbelastungen vermieden werden, also auch psychische. Dieses „der Arbeitnehmer hat selbst schuld“ zielt auf Verhaltensprävention ab. Verhaltensprävention ist aber nachrangig zur Verhältnisprävention. So einfach und klar ist das.

  3. Ich denke, die Arbeitgeber sehen es so: Arbeit schuld = Arbeitgeber schuld. Das alleine der erste Punkt schon falsch sein kann, sei mal dahingestellt.

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