Ein Hoch auf die Arbeitswut

Auf Spiegel online erschien dieser Tage ein Artikel über Manager, für die Stress Labsal und Work-Life-Balance ein Fremdwort ist: Die Besessenen – glücklich im Stress. Im Anreisstext heißt es:

Alle reden vom Burnout. Diese Berserker nicht. Top-Manager wie Martin Sorrell kennen weder Feierabend noch Ferien, sie ackern ohne Ende und pfeifen auf „Work-Life-Balance“. Eine Expedition ins Reich der Extremarbeiter offenbart: Sie sind oft glücklich im Stress und kerngesund.

Und dann folgt das Hohelied auf diese Schwerarbeiter, der Autorin fließt die Bewunderung förmlich aus der Feder. Und der Bestsellerautor Reinhard Sprenger nennt sie “happy Workaholics”. Seiner Meinung nach sind sie

Menschen, die ein Stück Getriebenheit haben, die auch Biss haben, die in die erste Reihe wollen, die fast erotisch [sic!] angezogen werden von dem, was sie tun. Sie wissen, dass ein Preis zu zahlen ist, und sie zahlen ihn gern.

Das mag ja alles sein. Problematisch wird es dann, wenn ich als begnadeter Sprinter, der 100 m in 10 Sekunden läuft, von meinen Mitarbeitern das Gleiche verlange. Andere Menschen haben andere Ziele, setzen andere Prioritäten. Ich meine, das sollte man respektieren.
Fairerweise muss man sagen, dass die Autorin im letzten Abschnitt ihres Artikels auf die Voraussetzungen für derartigen “Spaß” eingeht. Man braucht nämlich Gestaltungsmacht und genau diese fehlt den mittleren Managern. So einfach ist das manchmal. Da staunt der Fachmann, der Laie wundert sich.

Ich finde, dem Beitrag hätte mehr kritisches Hinterfragen und weniger Anhimmeln gut getan. So ist er eben nur ein „Fanartikel“. Schade.

Share

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte um Eingabe (gegen Spam) * Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.