Interview mit Patrick Kury: “Es gibt eben weniger Staublunge, dafür mehr Depressionen”

Obwohl die Begriffe “Stress” und “Burnout” einige Jahre auf dem Buckel haben, gab es bislang noch keine kulturhistorische Abhandlung über die Entstehung dieser Begriffe. Diese Lücke schließt der Schweizer Kulturhistoriker Patrick Kury mit seinem Buch “Der überforderte Mensch”.

Matthias Becker hat ein Inteview mit dem Autoren geführt: „Burnout ist die Krankheit der Digitalisierung„.

Krankheiten sind immer auch ein Konstrukt, wie mir die Lektüre von Ludwik Flecks Klassiker klar gemacht hat. Jedes Zeitalter hat ihre spezifischen Krankheitsbilder, die mit dem technischen Fortschritt korrespondieren. Mit dem Ausdruck “Konstrukte” sollen die Folgen dieser Erkrankungen nicht verharmlost werden, ganz im Gegenteil. So meint auch Kury:

Es wäre ganz falsch, die Zivilisationskrankheiten abzutun als „bloß eingebildet“ oder „rein diskursive“ Angelegenheiten. Die Leute leiden! Aber die Leute litten eben auch unter den Belastungskrankheiten, die im Laufe des 20. Jahrhunderts auftraten und Namen trugen wie „vegetative Dystonie“ oder „Managerkrankheit“.

Das Interview fügt dem Diskurs um psychische Belastungen und Beanspruchungen einige interessante neue Aspekte aus anderer Perspektive hinzu. Das Buch von Kury steht schon auf meinem Wunschzettel. Und: An meiner Einstellung zu Analyse und Reduzierung psychischer Belastungen wird es nichts ändern. Warum auch.

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