Wollen oder Müssen? Rentner drängen auf den Arbeitsmarkt

Vor einige Tagen vermeldete Spiegel online, dass immer mehr Rentner ganz oder teilweise weiterarbeiten oder wieder arbeiten: Rentner drängen auf den Arbeitsmarkt. Zitat:

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit verfügten Ende vergangenen Jahres gut 154.000 Menschen im Rentenalter über eine sozialversicherungspflichtige Stelle. Damit hat sich ihre Zahl seit Ende 1999 knapp verdoppelt. Der Großteil dieser Beschäftigten, gut 80.000, habe sogar eine Vollzeitstelle.

Freiberufler und Selbstständige sind wie immer in dieser Statistik nicht berücksichtigt, denn dort gibt es kein festes “Renteneintrittsalter”.

Wie immer spekulieren nun die Fachleute, was zu dieser Entwicklung geführt hat. Und je nach ideologischem Standpunkt und Interessenslage zimmert sich jeder seine eigene Erklärung zusammen:

  1. Die einen führen das darauf zurück, dass die Senioren aktiv im Alter seien. Sie seien oft gut qualifiziert und möchten nicht zum “alten Eisen” gehören.
  2. Die anderen weisen auf den Anteil der Minijobber hin und darauf, dass die Renten in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken seien. Die Senioren seien daher gezwungen, arbeiten zu gehen.

Nun können Sie raten, wem diese Aussagen zuzuordnen sind. Zwei Möglichkeiten zur Auswahl: Holger Schäfer, Arbeitsmarktexperte des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) und Ulrike Mascher, Vorsitzende des größten deutschen Sozialverbands VdK. Nicht schwer zu erraten, oder?

Kürzlich saß ich in der Seminarpause beim Mittagessen mit einer griechischen Mitarbeiterin zusammen, die sich im 38sten Dienstjahr befand. Sie sagte, sie wolle sich nun endlich um ihre Enkel kümmern, eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit sei für sie keine Option. Und außerdem: Was denn an der Serienproduktion von Drehteilen so spannend sei? Und dann im Gegensatz dazu die freiberufliche Journalistin in der Talkshow, die sich “überhaupt nicht vorstellen könne, jemals mit dem Arbeiten aufzuhören.” Können wir diese Einstellungen im Ernst über einen Kamm scheren? In meine Großhirnrinde hat sich der Satz aus einer Radiodiskussion eingebrannt:

  • 1 Drittel der Menschen kann nicht (länger arbeiten)
  • 1 Drittel der Menschen will nicht
  • 1 Drittel der Menschen darf nicht

Vielleicht müssen wir für die einzelnen Interessengruppen Lösungen maßschneidern. Kreative Lösungen sind gefragt, da sind ideologische Scheuklappen eher hinderlich.

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