Wie stehen Sie zum Ruhestand?

Mein Kollege Leopold Stieger kann sich auf die Fahne schreiben, einer der ersten gewesen zu sein, die sich mit der demographischen Entwicklung befassten. Er ist Herausgeber eines Newsletters, den ich jedem ans Herz lege, der sich näher mit dem Themenkreis Alter, Ruhestand, demographischer Wandel beschäftigen möchte.

In der letzten Ausgabe weist er auf ein Modell des Soziologen Robert Atchley hin. Danach ändert sich die Einstellung zum Ruhestand im Leben in sieben Phasen. Diese sind (Zitat aus dem Newsletter):

1. Entfernte Phase: Reicht von der Jugend bis ca. drei Jahre vor Pensionsantritt. Der Ruhestand wird als ewiger Urlaub und ständige Freizeit betrachtet.

2. Nähephase: Kurz vor der Pension beschäftigt sich der Betroffene aktiv mit der neu auf ihn zukommenden Rolle. Unterschiedliche Zukunftsszenarien – teils romantisierend, teils unrealistisch – werden entworfen.

3. Euphoriephase: Gleich nach Pensionsbeginn folgt die "Honeymoon-Phase". Die neu gewonnene Freizeit wird genossen, Reisen – soweit finanzierbar – unternommen.

4. Ernüchterungsphase: Nach dem ersten "Rausch" tritt Ernüchterung ein. Ruhestand ist eben kein ewig dauernder Urlaub. Sinnfindung und Aufgaben, Struktur und Orientierung werden für notwendig erkannt.

5. Reorientierungsphase: Nach der Ernüchterung folgt die Neuorientierung. Der Alltag wird strukturiert. Menschen, die schon vorher Pläne für die Zeit der Pension machten, finden sehr schnell in eine neue Alltagsroutine, die sie zufriedenstellt.

6. Stabilitätsphase: Diese umfasst die längste Zeit des Pensionisten-Daseins. Die Menschen haben sich mit ihrer neuen Rolle identifiziert und arrangiert. Das Leben läuft bequem und geregelt ab. Veränderungen werden gut bewältigt.

7. Endphase: Ist der Übergang des Pensionisten zu einem hilfsbedürftigen Menschen, der von der Pflege anderer abhängig ist. Diese Phase kann ausbleiben, nur ganz kurz dauern, oder aber sich auch über Jahre erstrecken.

Wie immer spiegeln derartige Modelle die Wirklichkeit nicht 1:1 wider. Sie wissen schon, man sollte das Gebiet nicht mit der Landkarte verwechseln.

Dennoch die Frage: Finden Sie sich in diesem Modell wieder?

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