Start der Rente mit 67 und das Nachrichtenloch

Zu den Feiertagen um Weihnachten und Neujahr ist die innenpolitische Nachrichtendichte ziemlich mau. Die Tage bilden quasi das Gegenstück zum Sommerloch. Und so meldet sich der eine oder andere Politiker zu Wort, weil die Wahrscheinlichkeit sehr groß ist, in die Schlagzeilen zu kommen. Zum Jahreswechsel wurde das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre angehoben, für den bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer ein willkommener Anlass, sich zu Wort zu melden. Kritisch natürlich, denn wie immer demonstriert er die Verbundenheit zum Volke. Er moniert, dass

  • es viele Ältere gibt, die aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage sind, bis 67 zu arbeiten (stimmt!),
  • diese deshalb trotz erheblicher finanzieller Abschläge vor 67 aufhören (stimmt!),
  • und deshalb vielleicht in die Altersarmut abrutschen (stimmt!),
  • damit wird “die Verlängerung der Lebensarbeitszeit zur faktischen Rentenkürzung” (stimmt!) und es gibt generell
  • bis dato zu wenig Arbeitsangebote für Ältere (stimmt!).

Da reibt man sich verwundert die Augen und fragt sich, ob er das tatsächlich erst zum Jahreswechsel bemerkt hat. Nein, sagt der Fachmann, aber in Bayern sind demnächst Landtagswahlen.

Die Antwort auf Seehofers “Kritik” ließ im übrigen nicht lange auf sich warten: Von der Leyen verteidigt Rente mit 67. In einem Gespräch mit Silvia Engels vom Deutschlandfunk meint Ursula von der Leyen:

Allein die Erwerbstätigkeit der Älteren hat sich verdoppelt in diesen letzten zehn Jahren und ganz egal, ob Sie die Erwerbstätigen an sich rechnen oder nur die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Es sind die Älteren, wo der Zuwachs an Arbeit in den letzten zehn Jahren am stärksten ist im Vergleich zu allen anderen Bevölkerungsgruppen.

Nun ja, das ist ein Trick aus der statistischen Mottenkiste, anstatt mit der absoluten Veränderung mit der Veränderung der Veränderung zu argumentieren. Oder einfach ausgedrückt: Wenn die Zahl der Jobangebote von 1 auf 2 steigt, dann hat sich das Angebot verdoppelt (“Zuwachs ist am stärksten”). Dennoch sind 2 Jobangebote natürlich immer noch zu wenig. Das kennen wir aus Norbert Blüms Zeiten: Nicht die Arbeitslosigkeit ist geringer geworden, sondern der Zuwachs der Arbeitslosigkeit ist gesunken.

Ein Schelm, der Böses dabei denkt…

Verärgertes Smiley

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