Schutz vor (Selbst-) Ausbeutung?

In der online-Ausgabe der Wirtschaftswoche erschien kürzlich ein Artikel, der sich – wieder einmal – mit dem Thema Burnout beschäftigt: Wie Sie sich vor Ausbeutung schützen.

Und – wieder einmal – wird leise unterstellt, die betroffenen Mitarbeiter wären an ihrem Unglück oft selbst schuld. Wie sonst ließe sich die Unterüberschrift “Manche Mitarbeiter erkennen ihre Selbstausbeutung nicht” erklären? Leider wird im Text nur wenig erklärt, was es mit der Selbstausbeutung auf sich hat. Vielmehr ist im Text die Rede von (ich zitiere)…

  • Arbeitsprozessen, die so weit optimiert wurden, dass der Arbeitnehmer auf der Strecke bleibt
  • Chefs, die seelisches Wohlbefinden der Belegschaft als Zeichen einer laxen Arbeitshaltung missinterpretieren
  • Chefs, die den größten Stressfaktor darstellen
  • Arbeitsbedingungen, die Stress verursachen (und nicht in erster Linie die Arbeitsmenge)

Da reibt sich der Leser verwundert die Augen und fragt sich, was das mit Selbstausbeutung zu tun hat? Vielmehr handelt es sich bei den o. a. Ursachen um Belastungen, im schlimmsten Fall um Fehlbelastungen.

Als Ausweg aus der Misere werden in dem Beitrag die üblichen Pillen verschrieben:

  • Sportprogramme
  • Zusteller-Frühstücke
  • Stressblitz-Coaches

Gegen derartige Programme ist an sich nichts einzuwenden, sie widersprechen aber dem bewährten Vorgehen nach der Maßnahmenhierarchie. Dort befinden sich solche Aktivitäten auf der fünften, der letzten Stufe. Das Pferd wird also von hinten aufgezäumt.

Ich bleibe dabei: Wirksamer Gesundheitsschutz beginnt bei einer fachgerecht durchgeführten Gefährdungsbeurteilung. Und daraus werden dann Verbesserungsaktivitäten abgeleitet. Und zwar in der Rangfolge ihrer Wirksamkeit:

Maßnahmenhierarchie

[Quelle: Niedersächsisches Kultusministerium]

 

So einfach ist das.

 Strebersmiley

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4 Gedanken zu “Schutz vor (Selbst-) Ausbeutung?

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