Das DEKRA Arbeitssicherheitsbarometer 2011

Dieser Tage ist das DEKRA Arbeitssicherheitsbarometer 2011 erschienen. Aus der Pressemitteilung:

Vier von fünf Unternehmen installieren Maßnahmen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz in erster Linie, weil es gesetzlich vorgeschrieben ist. Der wirtschaftliche Nutzen einer gesunden Belegschaft ist vielen Führungskräften offenbar zu wenig bewusst – trotz der steigenden Zahl von psychischen Erkrankungen, dem demographischem Wandel und dem Fachkräftemangel.

Welche Schlussfolgerungen kann/soll der Leser aus diesem Befund ziehen? Dass Unternehmer nur dann etwas tun, wenn sie gesetzlich dazu verpflichtet werden? Ich weigere mich, daran zu glauben, dazu kenne ich zu viele verantwortungsbewusste Chefs. Weiter heißt es in der Mitteilung:

„Der technische Arbeitsschutz ist rechtlich klar geregelt, gegen ungesunden Stress gibt es aber keine vergleichbaren Gesetze“, erläutert Sebastian Bartels, DEKRA Konzernbeauftragter Arbeits- und Gesundheitsschutz.

Einspruch, Herr Bartels, dass dem nicht so ist, zeigt schon ein Blick in die Wikipedia:

Auf der betrieblichen Ebene ist die konsequente Umsetzung der Gesetze und Bestimmungen des Arbeitsschutzes im Bereich der psychomentalen Belastung die wirksamste Maßnahme zur Abwehr psychomentaler Fehlbelastungen, denn auf diesen Vorschriften und den damit verbundenen Normen aufbauende Materialien und Werkzeuge zur Umsetzung des Arbeitsschutzgesetzes im Bereich der psychomentalen Belastung sind reichhaltig vorhanden. Die scheinbare Komplexität des Themas ergibt sich in vielen Fällen nur aus mangelnder Kenntnis der Instrumente des modernen Arbeitsschutzes.

Mangelnde Kenntnis, aha. Weiter heißt es in der Pressenmitteilung der DEKRA:

Nur ein Drittel der Firmen nennt den wirtschaftlichen Nutzen als Grund, im Arbeits- und Gesundheitsschutz aktiv zu werden. Jeder zweite Befragte sieht im Verhalten seiner Belegschaft selbst die Hauptquelle für Gefährdungen, gefolgt von Stress und Unkenntnis. Einzelmaßnahmen wie Schulungen oder ausgehängte Betriebsanweisungen sind zwar üblich, werden aber selbst vom Management oft für wirkungslos gehalten.

Ich befürchte, hinsichtlich der Schulungen und der ausgehängten Betriebsanweisungen haben die Unternehmer sogar recht. Nicht umsonst stehen derlei Veranstaltungen auf der letzten Stufe der Maßnahmenhierarchie: Weil sie am wenigsten erfolgversprechend sind.

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