Zur Zunahme psychischer Erkrankungen

Aus einem Artikel der heutigen Ausgabe der Thüringer Allgemeinen:

Die Krankschreibungen wegen seelischer Leiden hätten sich gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent erhöht, sagte DAK-Landeschef Markus Saur gestern in Jena. Ein Grund dafür seien die Anforderungen und Belastungen am Arbeitsplatz. Zudem würden psychische Leiden heutzutage aber auch früher und besser erkannt.

Jetzt heißt es aufgepasst. Wir Menschen neigen dazu, die Ursache-Wirkungs-Beziehungen für wahr zu halten, die uns am besten in den Kram passen. Es wird Leute geben, die auf die bösen Arbeitsbedingungen schimpfen und andere, die behaupten, das hätte es immer schon gegeben, nur die Ärzte seien sensibler geworden. Diese Debatte findet auf der Ebene der Glaubenssätze statt. Will man wirklich wissen, ob “Anforderungen und Belastungen am Arbeitsplatz” die Ursache für die Zunahme der psychischen Erkrankungen ist, dann kommt man um eine saubere Gefährdungsbeurteilung nicht herum. Keine Maßnahme ohne Diagnose, heißt ein alter Satz (wenn ich mich richtig erinnere, von Kurt Lewin).

Obwohl die Beurteilung psychischer Faktoren Bestandteil der obligatorischen Gefährdungsbeurteilung ist, möchte ich an dieser Stelle nicht mit dem Gesetzbuch unter dem Arm herumlaufen. Für viele Unternehmen könnte es sehr attraktiv sein, wenn sie über eine Gefährdungsbeurteilung nachwiesen, dass die Arbeitsplätze ohne oder nur mit minimalen psychischen Fehlbelastungen verbunden sind. Denn eines ist klar: Nicht nur die Unternehmen suchen “gute” Arbeitnehmer, sondern immer mehr Arbeitnehmer auch attraktive Arbeitsplätze in attraktiven Unternehmen.

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