Verhaltensbasierter Arbeitsschutz?

Die Fachzeitschrift Möbelkultur online berichtete gestern von einem Symposium zur Behaviour Based Safety (BBS). Der Ausdruck bedeutet in deutscher Sprache “Verhaltensbasierter Arbeitsschutz”. Der Hintergrund ist einem Zitat von Dr. Andreas Hettich, dem Geschäftsführenden Gesellschafter der einladenden Hettich Gruppe zu entnehmen:

"Circa 80 Prozent aller Arbeitsunfälle haben verhaltensbasierte Ursachen. Darum ist es uns wichtig, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Schlüsselverhaltensweisen verinnerlichen, die zu einem sicheren Arbeiten führen. Die Ergebnisse unserer Workshops “Einstellungs- und Verhaltensänderung im Arbeitsschutz” sprechen für sich.”

Natürlich kann ich dem Unternehmen zu seinen Erfolgen in der Arbeitssicherheit nur gratulieren, wer könnte das nicht? Und ich lasse mich von niemandem in meiner Begeisterung für die Einbeziehung der Mitarbeiter übertreffen, denn ich fühle mich der Philosophie der Organisationsentwicklung verpflichtet und bin auf diesem Gebiet nahezu 20 Jahre unterwegs. Dennoch halte ich es mit der sog. Maßnahmenhierarchie, die jede Sicherheitsfachkraft aus der Ausbildung kennt. Wir erinnern uns in aller Kürze (zum Beispiel BGI 527):

  • Stufe 1: Gefahrenquelle vermeiden/beseitigen
  • Stufe 2: Sicherheitstechnische Maßnahmen
  • Stufe 3: Organisatorische Maßnahmen
  • Stufe 4: Nutzung persönlicher Schutzausrüstung
  • Stufe 5: Verhaltensbezogene Schutzmaßnahmen

Die Maßnahme ist umso wirksamer, je höher die Stufe ist, auf der sie angesiedelt ist. Die Entfernung einer Gefahrenquelle ist wirksamer als die Appelle, sorgsam mit ihr umzugehen. Insofern sollte man mit der Planung und Umsetzung immer auf der ersten Stufe beginnen und nicht umgekehrt. Damit wir uns nicht falsch verstehen, ich finde den Ansatz “Behaviour Based Safety” bemerkenswert und man kann gar nicht genug für Qualitätszirkelarbeit, Einbeziehung der Mitarbeiter und Schulung tun. Aber dennoch sollte man sicherstellen, dass man zuvor die anderen Stufen der Maßnahmenhierarchie abgearbeitet hat. Ich bin mir sicher, Herr Dr. Hettich ist mit mir da einer Meinung.

Mehr zu Behaviour Based Safety finden Sie in dem Artikel der englischsprachigen Wikipedia und in einem Beitrag von Christoph Bördlein. Von ihm stammt auch das (soviel ich weiß) einzige Buch über BBS in Deutsch:

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